Muslim-Friedhof sorgt für Ärger

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Muslim-Friedhof sorgt für Ärger

Für das neue muslimische Grabfeld im Luzerner Friedental wurde im Januar Erde abgetragen und entsorgt. Auf einer Baustelle. Das entsetzt Politiker und Angehörige von Toten.

von
Daniela Gigor

«Im Januar wurde unsere heilige Erde im Friedental auf rund 1,80 Meter Tiefe abgetragen und mit Lastwagen entsorgt», sagt der Luzerner Musiker Angy Burri (69) empört. Seit dem Tod seiner Frau 2007 besucht er den allgemeinen Friedhof fast täglich.

Zunächst fiel ihm auf, dass das Gebiet des neuen Muslimfriedhofs mit schwarzen Blachen abgedeckt worden war. Dann bemerkte er, dass Arbeiter die Erde darunter abtrugen. Als Burri die Arbeiten zu fotografieren begann, wollte ihm dies ein Angestellter der beauftragten Littauer Firma Lötscher Logistik AG verbieten. Und auf die Frage, was mit der Totenerde nun passiere, habe ihm ein anderer geantwortet, sie komme in eine Baugrube. Später sei der Platz mit frischem Humus, Sand und Kies aufgefüllt worden.

Angy Burri betont, dass es ihm nicht um Glaubensfragen gehe, sondern darum, dass Vorfahren, Freunde und Verwandte in dieser Erde ruhten. «Ich habe mit vielen Leuten auf dem Friedhof gesprochen, die das ganz gewaltig stört», sagt er. Brisant: Noch vor zwei Jahren erklärte die Luzerner Stadtregierung, im Friedental würde keine Erde abgetragen. Den plötzlichen Sinneswandel erklärt Baudirektor Kurt Bieder jetzt mit technischen Gründen: Der Boden sei schlecht und feucht gewesen. Den Muslimen sei keine unbefleckte Erde versprochen worden.

SVP ist sauer auf Stadtrat

Im November 2006 reichte SVP-Grossstadtrat Urs Wollenmann eine Interpellation zum muslimischen Grabfeld ein. «Wir wollten unter anderem wissen, ob auf dem Grabfeld ein Erdaustausch stattfinde», sagt Wollenmann. In der Antwort vom März 2007 schreibt der Stadtrat: «Die Aussage von Herrn Theiler (der Leiter des Friedhofs) stimmt, dass auf dem Grabfeld für Muslime kein Erdaustausch stattfindet.» Urs Wollenmann zeigte sich entrüstet, als er gestern von 20 Minuten über die getätigten Erdabtragungen informiert wurde: «Wir haben uns gegenüber den Muslimen tolerant gezeigt. Doch wir wurden vom Stadtrat einmal mehr hinters Licht geführt.» Hätte die SVP von dem Erdaustausch gewusst, so Wollenmann, hätte sie «bestimmt das Referendum ergriffen». (Daniela Gigor)

13 000 Muslime im Kanton

Rund 13 000 Muslime leben im Kanton Luzern. Ihre verstorbenen Angehörigen liessen sie bisher mehrheitlich zurück in die Heimat schaffen, wo sie nach muslimischer Sitte für immer beigesetzt wurden – in ein Grabtuch gewickelt und nach Mekka ausgerichtet. Im Friedental sollen dagegen Särge verwendet werden. Und statt ewiger Grabesruhe soll es Mehrfachbestattungen geben.

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