9/11: Muslime wollen Blut spenden
Aktualisiert

9/11Muslime wollen Blut spenden

Die Ahmadiyya-Muslime in der Schweiz wollen bis Ende Jahr 500 Blutspenden sammeln, um so der Toten der Terroranschläge vom 11. September zu gedenken.

Ein Plakat in der von den Ahmadis geführten Mahmud-Moschee in Zürich.

Ein Plakat in der von den Ahmadis geführten Mahmud-Moschee in Zürich.

Zum Gedenken an die fast 3000 Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA haben Vertreter einer muslimischen Reformbewegung in der Schweiz zu Blutspenden aufgerufen. Man wolle damit der Lehre des Islam folgen und einen Leben rettenden Beitrag für die Allgemeinheit leisten.

Die Kampagne der «Ahmadiyya Muslim Jamaat Schweiz» trägt den Namen «Muslims for Life». Ziel sei, bis Ende Jahr 500 Blutspenden zu sammeln, schrieb der Vize-Präsident der Organisation, Sadaqat Ahmed, am Sonntag in einer Mitteilung. Man wolle im Sinne der Schweizer Werte wie Solidarität und Hilfsbereitschaft, und auch gegen den Terrorismus und Fanatismus ein Zeichen setzen.

In der Mitteilung verurteilten die Ahmadiyya-Muslime die Anschläge von vor zehn Jahren scharf: Die Terroristen hätten «schreckliches Leid über Amerika gebracht» und «mit ihrer gewalttätigen und unmenschlichen Tat eine ganze Religion in Verruf» gebracht.

Terrorismus widerspricht Koran

Ihre Bluttat widerspreche der heiligen Schrift der Muslime, dem Koran. «Der heilige Koran bestärkt die Lehre der Bibel, dass Leben heilig ist», schrieb die Organisation.

«So steht im heiligen Koran, dass wenn immer jemand einen Menschen tötet, so sei es, als hätte diese Person die ganze Menschheit getötet. Und wenn eine Person ein Menschenleben rettet, so sei dies, als hätte sie der ganzen Menschheit das Leben gerettet.»

Strikt pazifistisch

Die Reformbewegung der Ahmadiyya-Muslime wurde im 19. Jahrhundert in Indien begründet. Ihr Gründer Mirza Ghulam Ahmad wird von seinen Anhängern als «verheissener Messias» verehrt - als Erscheinung des islamischen Mahdi und der Wiederkunft von Jesus, als Erscheinung des zweiten Buddhas und als die von den Hindus erhoffte Wiederkunft Krischnas, wie der Internetseite der «Ahmadiyya Muslim Jamaat Schweiz» zu entnehmen ist.

Ahmad erklärte das Recht, aus Glaubensgründen zur Waffe zu greifen, für aufgehoben. Mit seiner pazifistischen Haltung setzte er sich in Widerspruch mit den meisten anderen muslimischen Glaubensrichtungen. Zudem garantiert aus Sicht der Ahmadiyya der Koran Glaubensfreiheit - ein Übertritt in eine andere Religion wird nicht bestraft.

Verfolgte Minderheit

Nach der Teilung des indischen Subkontinents 1947 lebten die meisten Ahmadiyya in Pakistan, wo sie verfolgt wurden. 1974 erklärte die islamische Weltliga die Ahmadiyya zur nicht-muslimischen Minderheit und der pakistanische Diktator Zia ul-Haq legalisierte deren Verfolgung.

Schätzungen zufolge hat die Ahmadiyya weltweit etwa 10 Millionen Anhänger. Davon leben 8 Millionen in Südasien. Grosse Gemeinden gibt es auch in Europa, Nordamerika und Westafrika.

(sda)

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