Grossbritannien: Muslimisches Lesbenpaar durfte zivil heiraten
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GrossbritannienMuslimisches Lesbenpaar durfte zivil heiraten

Zwei pakistanische Studentinnen haben sich im britischen Leeds das Ja-Wort gegeben. Weil sie Morddrohungen aus ihrer Heimat erhalten hatten, beantragten sie anschliessend politisches Asyl in Grossbritannien.

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Rehana Kausar, links, und Sobia Kamar heirateten standesamtlich Anfang Mai im britischen Leeds. (Screenshot: Sunday Mercury)

Rehana Kausar, links, und Sobia Kamar heirateten standesamtlich Anfang Mai im britischen Leeds. (Screenshot: Sunday Mercury)

Das Glück für Rehana Kausar und Sobia Kamar ist nicht ganz vollkommen: Die beiden Frauen aus Pakistan haben Anfang Mai auf dem Standesamt von Leeds geheiratet. Die 34-jährige Kausar und die 29 Jahre alte Kamar hatten sich vor drei Jahren kennengelernt, als sie in Birmingham studierten. Kausar hat ihr Wirtschaftsstudium abgeschlossen, ihre Ehefrau ist diplomierte Pflegefachfrau. Seit einem Jahr wohnt das Paar in South Yorkshire zusammen.

Kausar und Kamar beantragten nach der Zeremonie politisches Asyl in Grossbritannien. Engen Verwandten zufolge hatten beide Frauen kurz zuvor Morddrohungen aus Pakistan und England erhalten. In deren Heimat sind homosexuelle Beziehungen streng verboten. Es gibt auch keine Gesetze, die die Diskriminierung bestrafen würden.

«Unsere Gesellschaft wurde gekidnappt»

«In diesem Land haben wir Rechte», sagte Rehana Kausar gegenüber «Sunday Mercury». Sie habe mit Sobia eine sehr persönliche Entscheidung getroffen, meint die Frau weiter. «Das geht sonst keinen etwas an. Das Problem in Pakistan ist, dass jeder der Meinung ist, er könne sich in das Leben des anderen einmischen.» Es sei «wegen der Religion» so weit gekommen, sagt Kausar weiter. «Der Klerus hat unsere Gesellschaft gekidnappt, die früher einmal tolerant war und die Freiheit der Mitmenschen respektierte.»

Viele homosexuelle Moslems würden sich in Grossbritannien für eine «Nikah»-Zeremonie entscheiden. Diese religiöse Eheschliessung sei eigentlich nur Heterosexuellen erlaubt. Sie wird in arabischer Sprache gehalten. In Grossbritannien ist die «Nikah» allerdings ungültig, wenn sie nicht von einer zivilen Zeremonie begleitet wird.

«Rehana und Sobia haben keinen Imam gefunden, der das islamische Ritual ausführen würde. Sie sind sehr tapfer. Vor allem nach den Morddrohungen. Sie können auf keinen Fall in ihre Heimat zurückkehren», sagte einer der Verwandten.

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