Corona-Impfstoff: Muss Armee Impfdosen vor Corona-Skeptikern beschützen?
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Corona-ImpfstoffMuss Armee Impfdosen vor Corona-Skeptikern beschützen?

In Deutschland warnt das Bundeskriminalamt vor Sabotageaktionen durch Corona- und Impfskeptiker. Die «Corona-Leugner-Szene» beschäftige aktuell auch die Schweizer Polizei stark, sagt das Bundesamt für Polizei.

von
Daniel Krähenbühl
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Der Corona-Impfstoff ist in der Schweiz noch nicht zugelassen. Im Hintergrund läuft die logistische Maschinerie jedoch auf Hochtouren.

Der Corona-Impfstoff ist in der Schweiz noch nicht zugelassen. Im Hintergrund läuft die logistische Maschinerie jedoch auf Hochtouren.

VBS
Die Armee lagere die Impfstoffe in «eigenen, gut geschützten Infrastrukturen», sagt Daniel Aeschbach, Chef Armeeapotheke, an der Medienkonferenz am Dienstag.

Die Armee lagere die Impfstoffe in «eigenen, gut geschützten Infrastrukturen», sagt Daniel Aeschbach, Chef Armeeapotheke, an der Medienkonferenz am Dienstag.

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Doch wovor müssen die Impfstoffe geschützt werden? Aeschbach hält sich bedeckt: «Wir machen in der Armee eine fortlaufende Bedrohungsanalyse – was die Bedrohungen genau sind und gegen was wir uns schützen wollen, ist klassifiziert.» 

Doch wovor müssen die Impfstoffe geschützt werden? Aeschbach hält sich bedeckt: «Wir machen in der Armee eine fortlaufende Bedrohungsanalyse – was die Bedrohungen genau sind und gegen was wir uns schützen wollen, ist klassifiziert.»

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Darum gehts

  • In Deutschland warnen Sicherheitskreise vor Angriffen auf Impfstoffhersteller und Impfzentren vor Stör-, Sabotage- und Protestaktionen durch Corona-Leugner und Impfskeptiker.

  • Die Armee ist für den Schutz, die Lagerung und den Transport der Impfstoffe in der Schweiz verantwortlich.

  • Wie das Bundesamt für Polizei (Fedpol) sagt, kommt es wegen Corona zu deutlich mehr Hate Speech und Drohungen gegen exponierte Politiker und Beamte.

Die Schweizer Armee spielt bei der Lagerung und Verteilung der vom Bund 13 Millionen reservierten Impfdosen eine wichtige Rolle. Zwar ist der Impfstoff in der Schweiz noch nicht zugelassen – im Hintergrund läuft die logistische Maschinerie jedoch auf Hochtouren: Die Armee sei für den Schutz der Impfstoffe bei der Lagerung und beim Transport zu den Anlieferstellen der Kantone verantwortlich und lagere die Impfstoffe in «eigenen, gut geschützten Infrastrukturen», sagt Daniel Aeschbach, Chef Armeeapotheke, an der Medienkonferenz am Dienstag.

Doch wovor müssen die Impfstoffe geschützt werden? Aeschbach hält sich bedeckt: «Wir machen in der Armee eine fortlaufende Bedrohungsanalyse – was die Bedrohungen genau sind und gegen was wir uns schützen wollen, ist klassifiziert.»

Warnung vor Corona-Kritikern und Impfgegnern

In Deutschland warnt das Bundeskriminalamt (BKA) in einem internen Lagebild derweil vor Angriffen auf Impfstoffhersteller und Impfzentren: Aufgrund der «hohen Dynamik und Emotionalität , die dem Themenkomplex Corona innewohnt», müsse von einer «abstrakten Gefährdung» für Impfstoffhersteller, Impfzentren sowie die Transport- und Lagerstätten ausgegangen werden, wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet.

Gewarnt wird insbesondere vor Kritikern der Corona-Massnahmen, die versuchen könnten, in Impfzentren einzudringen, um für ihren Protest besonders grosse mediale Aufmerksamkeit zu generieren. Bei solchen Protesten von «Impfgegnern, Corona-Skeptikern und Verschwörungstheoretikern» seien Sachbeschädigungen «wahrscheinlich» und gar physische Übergriffe möglich. Auch darum habe das deutsche Gesundheitsministerium laut «Spiegel.de» die Bundeswehr mit dem Schutz der Impfstoffe beauftragt.

Armee hält sich bedeckt

Die Schweizer Armee könne sich nicht zu den Überlegungen in Deutschland äussern, sagt Armeesprecher Stefan Hofer auf Anfrage von 20 Minuten. Die Armee sei aber für den Schutz der Impfstoffe und Impfmaterialien verantwortlich und nehme diese Aufgabe und die damit verbundene Verantwortung «sehr ernst». Hofer: «Die Güter werden in Einrichtungen der Armee gelagert, die über die erforderlichen Schutzvorkehrungen verfügen und entsprechend auch klassifiziert sind.» Aus Sicherheitsgründen werden keine näheren Angaben zu den Standorten oder Schutzmassnahmen gemacht.

Der Genfer Sicherheitsexperte Alexandre Vautravers kann die Geheimhaltung gut nachvollziehen: «Die Armee ist nicht nur für die Sicherheit der eigenen Infrastruktur zuständig, sondern auch für den Schutz des ihr anvertrauten Materials.» Mit der Lagerung der Schweizer Impfvorräte in geschützten Infrastrukturen erhöhe die Armee ihre Aufsichts- und Kontrollmöglichkeiten. Ob es in der Schweiz zu Protest- oder Sabotageaktionen von Corona-Skeptikern und Impfgegnern komme, sei schwierig abzuschätzen. «Dass die öffentliche Ordnung durchgesetzt wird, ist aber in erster Linie Aufgabe der Polizei – nicht der Armee.»

Mehr Drohungen gegen Politiker und Beamte

«Die Situation rund um die ‹Corona-Leugner-Szene› ist ein Thema, dass aktuell alle europäischen Polizeien stark beschäftigt», sagt Florian Näf, Sprecher des Bundesamts für Polizei (Fedpol). «Die steigende Gewaltbereitschaft bis hin zu Anschlägen wie jener auf das Robert-Koch-Institut in Deutschland ist besorgniserregend. Auch in der Schweiz kam es vereinzelt zu polizeilich registrierten Vorfällen – etwa im Wallis

Vieles davon spiele sich auch im virtuellen Raum ab, sagt Näf. Wie bei anderen Themen, die in der Öffentlichkeit stark polarisieren, stelle man auch bei Corona fest, dass exponierte Stellen oder Personen des Bundes vermehrt Unmutsbekundungen und Drohungen erhalten. «Wir beobachten allgemein eine Zunahme von Hate Speech und Drohungen gegen Parlamentarier und erhalten regelmässig Meldungen von betroffenen Personen und Ämtern», sagt Näf. Im Vergleich zu 2019 erhalte das Fedpol «deutlich» mehr Meldungen.

Das Fedpol prüfe jede Meldung genau und treffe die notwendigen Massnahmen – von einer allgemeinen Sicherheitsberatung bis hin zu Personenschutz und Gefährderansprachen in Zusammenarbeit mit der zuständigen Kantonspolizei. Näf: «Die Wirkung, die Unmutsbekundungen und Drohungen haben können, wird oft unterschätzt.»

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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