18.06.2020 10:22

Wegen Handel mit IndianerkindernMuss der «General Sutter Kirsch» in den Giftschrank?

In Sacramento wurde die General-Sutter-Statue entfernt, die an den aus dem Baselbiet stammenden Gründer der Stadt erinnert. Bei der «General Sutter Distillery» in Sissach überlegt man nun, wie man mit dem schweren Erbe des gefallenen «Volkshelden» umgehen soll.

von
Oliver Braams
1 / 14
Taugt er wirklich als Maskottchen? General Sutter war dem Alkohol sehr zugetan. Als der Goldrausch einsetzte, sei er kaum mehr nüchtern anzutreffen gewesen, ist in den Memoiren seines Weggefährten Heinrich Lienhard.

Taugt er wirklich als Maskottchen? General Sutter war dem Alkohol sehr zugetan. Als der Goldrausch einsetzte, sei er kaum mehr nüchtern anzutreffen gewesen, ist in den Memoiren seines Weggefährten Heinrich Lienhard.

Nebiker AG
Der Pionier aus dessen Kolonie «Neu Helvetien» später die kalifornische Hauptstadt Sacramento hervorging, wurde lange als «Volksheld» gefeiert, dabei hat der selbsternannte General eine dunkle Seite, die lange nicht thematisiert wurde.

Der Pionier aus dessen Kolonie «Neu Helvetien» später die kalifornische Hauptstadt Sacramento hervorging, wurde lange als «Volksheld» gefeiert, dabei hat der selbsternannte General eine dunkle Seite, die lange nicht thematisiert wurde.

Die Kontroverse  um den gefallenen «Volkshelden» erreicht nun auch das Baselbiet. Die Brennerei, die den «General Sutter Kirsch» herstellt stellt ihre Marke infrage.

Die Kontroverse um den gefallenen «Volkshelden» erreicht nun auch das Baselbiet. Die Brennerei, die den «General Sutter Kirsch» herstellt stellt ihre Marke infrage.

Nebiker AG

Darum gehts

  • Die Geschichte des Baselbieter «Volkshelden» Johann August Sutter erreicht seine Heimatregion.
  • Der Gründer der Kolonie, aus der die kalifornischen Hauptstadt Sacramento hervorging, handelte mit Kindern von Indigenen.
  • Die Nebiker AG, Produzentin des «General-Sutter-Kirsch», überlegt sich eine Änderung ihres Produkts.

Die Geschichte um den Sklavenhalter und Gründervater von Sacramento Johann August Sutter beschäftigt nun auch dessen Heimatregion. Wie die «bz Basel» berichtet, stellt nun auch die Nebiker AG aus Sissach eine ihre Marke «General Sutter-Kirsch» in Frage.

Nachdem vegangene Woche im Zuge der «Black Lives Matter»-Bewegung die Statue vor dem General-Sutter-Spital rot eingefärbt wurde, wurde das Denkmal am Montag auf Geheiss des Spitals, auf dessen Grund es stand, abgebaut. An das Denkmal zahlte eins auch der Kanton Baselland via Lotteriefonds 50’000 Franken. Vor einer Woche schon hat die Juso den Gedenkstein in Sutters Heimatort Rünenberg verhüllt mit der Forderung: «Keine Denkmäler für Sklavenhalter.»

Erst Ende 2019 wurde von der Historikerin Rachel Huber aufgearbeitet, dass Sutter die von ihm gegründete Kolonie in Kalifornien und seinen Wohlstand mithilfe von Sklavenarbeit und Menschenhandel aufbaute. Die Debatte um die unrühmliche Seite des Baselbieter Volkshelden erreicht nun also das Baselbiet.

Sutter ist nur eine Marke

Geschäftsleiterin der Kirsch-Brennerei, Susanne Nebiker, ist die Enkelin von Hans Nebiker, der 1938 begann den nach dem Auswanderer benannten Schnaps herzustellen. Sie sagt gegenüber der «bz»: «Wir verherrlichen Sutter nicht, er ist für uns bloss eine Marke.» Denn: Sie hätten immer gewusst, dass Sutter eine «zwiespältige Person» gewesen sei, der 1834 seine Familie im Stich liess und in die USA floh.

Dass er aber indigene Frauen und Kinder versklavte, habe sie erst durch Hubers historische Arbeit erfahren. Angesichts dieser unrühmlichen Geschichte zeigt sich Nebiker gegenüber der Zeitung aber offen für eine Veränderung ihres Produkts: «Vielleicht sollten wir das Thema wirklich in der Geschäftsleitung anschauen.»

Was das konkret zur Folge haben wird, ist noch nicht klar. Eine Namensänderung ist, anders als bei der Kontroverse um die «Mohrenköpfe», kaum denkbar. Da müsste der General Sutter schon ganz von der Etikette verschwinden.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.