Neue EU-Verordnung - Muss die Tattoo-Szene bald mit massiv weniger Farben auskommen?

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Neue EU-VerordnungMuss die Tattoo-Szene bald mit massiv weniger Farben auskommen?

Die EU-Chemikalienverordnung REACH wurde abgeändert und führt per 4. Januar 2022 neue Höchstkonzentrationsgrenzwerte für einzelne Stoffe und Stoffgruppen ein. Auch die Schweiz prüft eine Übernahme der Regelung.

von
Florian Osterwalder
Daniel Krähenbühl
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Eine Verordnung der EU sieht vor, dass über 4000 Tattoo-Farben auf die schwarze Liste kommen. 

Eine Verordnung der EU sieht vor, dass über 4000 Tattoo-Farben auf die schwarze Liste kommen.

AFP
Dies könnte grosse Auswirkungen auf die Schweizer Tattoo-Szene haben. 

Dies könnte grosse Auswirkungen auf die Schweizer Tattoo-Szene haben.

AFP

Darum gehts

  • Die Tattoo-Branche muss in Zukunft mit weniger Farben auskommen.

  • Die EU-Chemikalienverordnung REACH wurde abgeändert.

  • Die Schweiz prüft die Übernahme der EU-Regelung.

In Zukunft müssen Tätowiererinnen und Tätowierer mit rund zwei Drittel weniger Farben auskommen als bisher. Denn die EU-Chemikalienverordnung REACH wurde abgeändert und führt per 4. Januar 2022 neue Höchstkonzentrationsgrenzwerte für einzelne Stoffe und Stoffgruppen ein – mehr als 4000 davon sind auch in Tattoos und Permanent-Make-up enthalten. Für die Farben Pigment Blau 15:3 und Pigment Grün 7 gilt zumindest noch ein Jahr länger eine Schonfrist.

Für Tätowiererinnen und Tätowierern könnte dies nun existenzbedrohend werden, da sich Kunden ihre Tattoos in Zukunft lieber außerhalb der EU stechen lassen könnten. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA begründet das neue Verbot damit, dass Tätowierfarben und Permanent-Make-up «gefährliche Stoffe enthalten» können, «die Hautallergien und andere, schwerwiegendere Auswirkungen auf die Gesundheit wie genetische Mutationen und Krebs verursachen». Ausserdem können diese Chemikalien «lebenslang im Körper verbleiben».

Grosse Auswirkung auf Schweizer Tattoo-Szene

Auf Anfrage von 20 Minuten erklärte Sandra Stierli vom «Tattoo Collective Schweiz», dass dieses Verbot eine grosse Auswirkung auf die Tattoo-Szene haben werde. «Es ist davon auszugehen, dass die Schweiz beim Farben-Verbot mitzieht. Bestätigen kann ich das jedoch nicht», erklärt Stierli. Gewisse Farben, welche in der EU erlaubt seien, stünden in der Schweiz jedoch bereits auf der schwarzen Liste.

Jetzt wolle die EU praktisch alle Farben verbieten. «Die Folgen für die Schweiz kann sich jeder selbst ausrechnen», so Stierli. Sie hält explizit fest, dass dies alles nur ihre persönliche Meinung sei und sie nur für sich selbst reden könne.

Schweiz prüft Übernahme von EU-Regelung

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) teilt auf Anfrage von 20 Minuten mit, dass in der Schweiz bereits seit mehreren Jahren gesetzliche Anforderungen an Tätowier- und Permanent Make-Up (PMU)-Farben festgelegt sind. Die neue EU-Regel könnte aber auch auf die Schweiz Einfluss haben: «Die Schweiz prüft zur Zeit diese neue Regelung der EU und passt im laufenden Revisionsverfahren gegebenenfalls die Schweizer Verordnung entsprechend an», so eine Sprecherin. Wann das geschehen wird, sei jedoch noch nicht klar.

Wie sich diese neue europäische Regulierung auf die Verfügbarkeit von Tätowier- und PMU-Farben auswirkt, könne das BLV noch nicht beurteilen, sagt die Sprecherin. «Vorhersehbar ist jedoch, dass die Schweiz aufgrund des kleinen Marktvolumens von Veränderungen auf dem europäischem Niveau schon vor einer Anpassung der schweizerischen Rechtsvorschriften betroffen sein wird.»

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(heute.at)

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