Lieber Phil Geld: Muss ich bei Absage die Arztrechnung bezahlen?
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Lieber Phil GeldMuss ich bei Absage die Arztrechnung bezahlen?

Susis (34) Tochter hat sich verletzt. Darum musste sie kurzfristig einen Zahnarzttermin absagen. Kann der Zahnarzt ihr die Sitzung verrechnen?

Die Frist für Absagen ist meist auf den Terminkärtchen von Ärzten vermerkt. (Bild: Keystone)

Die Frist für Absagen ist meist auf den Terminkärtchen von Ärzten vermerkt. (Bild: Keystone)

Lieber Phil Geld

Ich musste vergangenen Monat meinen Zahnarzttermin kurzfristig absagen, da sich meine Tochter während der Schulpause auf dem Spielplatz verletzt hatte. Die Absage erfolgte daher weniger als 24 Stunden vor dem Termin. Nun wurde mir diese Sitzung in Rechnung gestellt. Ist das erlaubt? Ich konnte ja nicht vorhersehen, dass meine Tochter an diesem Tag verunfallt.

Liebe Susi

Wer einen Termin beim Arzt oder beim Zahnarzt vereinbart, erteilt einen Auftrag, denn rechtlich gesehen handelt es sich beim Arzt-Patienten-Verhältnis um ein auftragsrechtliches Verhältnis, das den Bestimmungen des Obligationenrechts untersteht. Wie bei jedem anderen Vertrag kann auch von einem Auftrag (beziehungsweise Arzttermin) zurückgetreten werden, vorausgesetzt, der Rücktritt erfolgt rechtzeitig und nicht zur Unzeit. Was aber heisst nun «rechtzeitig» respektive «zur Unzeit»?

Im Gesetz findet sich keine Definition darüber, wann eine Absage als «rechtzeitig» erfolgt gilt. In der Praxis gelten jedoch Terminabsagen als rechtzeitig abgesagt, wenn der Arzt oder die Ärztin die Möglichkeit hat, den Termin anderweitig zu vergeben und dadurch für ihn kein finanzieller Schaden entsteht. Folglich darf dem Patienten die Sitzung nicht verrechnet werden.

Auf den Terminkärtchen von Ärzten ist meist vermerkt, innerhalb welcher Frist ein Termin problemlos und ohne finanzielle Folgen abgesagt werden kann. In der Regel werden Terminabsagen, die mindestens 24 Stunden vorher abgesagt werden, nicht verrechnet. Eine solche Regelung ist grundsätzlich bindend.

Ein verpasster oder nicht rechtzeitig abgesagter Termin, der nicht weitergegeben werden konnte, kann einen allerdings teuer zu stehen kommen. Laut der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft (SSO) dürfen Zahnärzte nämlich für versäumte Sitzungen Schadenersatz fordern, sofern sie alles Zumutbare unternommen haben, um den Termin anderweitig zu vergeben. Mit dem Preisüberwacher wurde ein Ansatz von 18 Taxpunkten pro verpasste Viertelstunde festgelegt. Ein Taxpunktwert darf dabei nicht über 5.80 Franken liegen.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass, wer einen Arzt- oder Zahnarzttermin nicht, nicht rechtzeitig oder nicht innerhalb der auf dem Arztkärtchen vermerkten Zeit absagt, grundsätzlich zu bezahlen hat. Allerdings liegt es im Ermessen des Zahnarztes zu entscheiden, ob er in Härtefällen auf eine gerechtfertigte Forderung freiwillig verzichten möchte. Ich rate dir daher, das Gespräch mit deinem Arzt zu suchen und ihm deine Situation zu schildern und nachzufragen, ob dein Termin anderweitig vergeben werden konnte. Möglicherweise zeigt sich der Zahnarzt verständnisvoll und drückt ein Auge zu.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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