Lieber Phil Geld: Muss ich beim Bewerben alles preisgeben?
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Lieber Phil GeldMuss ich beim Bewerben alles preisgeben?

Muss Kim (28) für eine erste Vorabklärung ihrer Stellenbewerbung einen ganzen Katalog mit privaten Fragen beantworten?

Bei der Bewerbung muss man durchaus nicht alle Fragen beantworten. (Bild: Colourbox.de)

Bei der Bewerbung muss man durchaus nicht alle Fragen beantworten. (Bild: Colourbox.de)

Lieber Phil Geld

Ich habe mich neulich für eine neue Arbeitsstelle beworben. Einige Tage später bekam ich ein E-Mail mit einem Fragenkatalog. Es hiess, ich hätte all diese Fragen wahrheitsgetreu zu beantworten. Sie würden zur Vorabklärung, ob ich für den Job geeignet sei, dienen. Es gibt einige Fragen – wie zum Beispiel «Sind Sie schwanger?» – die ich als zu privat erachte. Ich frage mich, ob ich diese wahrheitsgetreu zu beantworten habe. Geht mein Privatleben meinen zukünftigen Chef etwas an?

Liebe Kim

Viele Arbeitgeber versuchen in Einstellungsgesprächen so viele Informationen wie möglich über ihren potenziellen Mitarbeiter zu erfahren. Sie versuchen primär herauszufinden, ob der Bewerber überhaupt ins Team oder in die Firma passt oder nicht. Bewerber und Bewerberinnen müssen allerdings nicht alle Fragen, die ihnen dabei gestellt werden, beantworten.

Grundsätzlich sind nur Fragen zu beantworten, die einen direkten Zusammenhang mit der Eignung für die Stelle aufweisen. Fragen nach bisherigen beruflichen Erfahrungen sind dabei genauso legitim wie solche nach dem Bildungsweg, allfälligen Weiterbildungen und Fragen nach fachlichen Qualifikationen.

Fragen, die allerdings in keinem direkten Zusammenhang mit der persönlichen oder fachlichen Qualifikation stehen, sind unzulässig und müssen von den Bewerbern nicht beantwortet werden. Dazu zählen beispielsweise Fragen wie: «Sind Sie schwanger?», «Leben Sie in einer festen Beziehung?», «Rauchen Sie oder trinken Sie gelegentlich?» oder «Gehören Sie einer Partei an?»

Solche Fragen haben grundsätzlich nichts mit der Qualifikation für einen Job zu tun. Allerdings gibt es immer wieder Ausnahmen. In Betrieben mit speziellen Ausrichtungen muss man sich solche Fragen unter Umständen gefallen lassen. Die Frage betreffend Schwangerschaft ist zwar grundsätzlich Privatsache. Sie kann aber gerechtfertigt sein, wenn eine Schwangere in einem Job eine körperliche oder gefährliche Tätigkeit zu vollbringen hat. Bei der Bewerbung um einen solchen Job ist die Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft durchaus erlaubt. Ebenfalls zulässig wäre die Frage dann, wenn die vorgesehene Arbeit wegen der Schwangerschaft nicht ausgeübt werden könnte, beispielsweise der Beruf als Tänzerin oder Model.

Wer aber mit unzulässigen Fragen konfrontiert wird, kann die Antwort entweder verweigern oder hat gemäss Bundesgericht sogar das Recht, ausnahmsweise zu lügen (Bundesgerichtsurteil vom 2. Juli 1996). Schliesslich hat der Arbeitgeber durch seine unerlaubte Frage die Lüge provoziert. Durch das nicht wahrheitsgetreue Beantworten von Fragen dürfen den Bewerbern keine Nachteile entstehen. Wer nicht lügen möchte, sollte unzulässigen Fragen diplomatisch ausweichen oder die Antwort möglichst generell halten.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

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