Lieber Phil Geld: Muss ich die Weiterbildung selber berappen?
Aktualisiert

Lieber Phil GeldMuss ich die Weiterbildung selber berappen?

Melanie (30) absolviert eine Ausbildung zur Qualitätsfachfrau. Die Ausbildungskosten trägt der Arbeitgeber. Muss sie nach der Kündigung die Kosten zurückerstatten?

Wenn dir dein Arbeitgeber kündigt, dann erlischt damit auch sein Recht, Kosten für die Ausbildung zurückzufordern.

Wenn dir dein Arbeitgeber kündigt, dann erlischt damit auch sein Recht, Kosten für die Ausbildung zurückzufordern.

Lieber Phil Geld

Ich habe letztes Jahr eine Ausbildung zur Qualitätsfachfrau angefangen. Die Kosten hat mir mein Arbeitgeber bezahlt. Letzte Woche wurde ich aus Restrukturierungsgründen gekündigt. Muss ich nun die Ausbildungskosten zurückbezahlen, die mein ehemaliger Arbeitgeber bis anhin bezahlt hat?

Liebe Melanie

Offenbar wurde keine Regelung bezüglich Kostenbeteiligung getroffen. Somit konntest du stillschweigend davon ausgehen, dass der Arbeitgeber die Ausbildungskosten trägt. So die simple Analyse der Situation. Eine Rückzahlungsverpflichtung ist aufgrund von Beweiszwecken ausdrücklich schriftlich zu vereinbaren. Deine Firma kann dir also nachträglich keine Kosten aufbürden. Selber schuld!

Externe Aus- und Weiterbildungen sollten eigentlich im Arbeitsvertrag geregelt werden. In der Ausbildungsvereinbarung steht dann, wie viel Salär der Arbeitnehmer während der Ausbildung bekommt, wie die Ferien geregelt sind, ob er einen Teil der Schulungskosten bezahlen muss und unter welchen Umständen der Arbeitgeber Ausbildungskosten zurückfordern kann.

Generell gilt: Wenn dir dein Arbeitgeber kündigt, dann erlischt damit auch sein Recht, Kosten für die Ausbildung zurückzufordern. Die laufenden bzw. künftigen Kosten musst du aber selber tragen. Kündigt der Mitarbeiter aus einem wichtigen, vom Arbeitgeber zu verantwortenden Grund, so ist der Mitarbeitende von der Rückzahlungspflicht ebenfalls befreit.

Die Aus- und Weiterbildungskosten sind immer wieder Gegenstand von Verhandlungen an den Arbeitsgerichten. Es gibt viele Graustufen. Falls bezüglich Weiterbildung vorgängig eine Regelung getroffen wurde, ist gemäss «Arbeitgeber Basel» Folgendes zu beachten: «In der Praxis hat sich die Meinung durchgesetzt, dass nach Ablauf von zwei Jahren der Nutzen, den der Arbeitgeber von der Weiterbildung seines Mitarbeiters hat, die Kosten, die daraus entstanden sind, wettgemacht hat.» Oder umgekehrt formuliert: mit fortschreitender Dienstdauer verringert sich der Schaden des Arbeitgebers in Folge eines vorzeitigen Abgangs. Löst der Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis vor Ablauf der Zweijahresfrist nach Beendigung seiner Weiterbildung auf, berechnet man den Schaden pro rata temporis. Nach einem Jahr wird etwa die Hälfte der Kurskosten zurückverlangt, nach eineinhalb Jahren ein Viertel, bis nach 24 Monaten schliesslich keine Rückerstattung mehr geschuldet ist.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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