Aktualisiert 30.03.2013 08:27

LIEBER PHIL GELD

Muss ich die Wohnung reparieren lassen?

Alexandra (31) zieht nach sieben Jahren aus ihrer Wohnung aus. Muss sie nun die Abnutzungen reparieren lassen und die Wohnung wieder auf den Stand des Einzugs bringen?

Wer aus einer Wohnung auszieht, kann vom Vermieter für Abnützungserscheinungen nur beschränkt zur Kasse gebeten werden.

Wer aus einer Wohnung auszieht, kann vom Vermieter für Abnützungserscheinungen nur beschränkt zur Kasse gebeten werden.

Lieber Phil Geld

Ich ziehe aus der Mietwohnung aus, in der ich seit 2006 gelebt habe. In den sieben Jahren wurde die Wohnung durch unsere Kinder, eine Katze und uns normal beansprucht. Natürlich gibt es mittlerweile aber kleinere Abnutzungen. Müssen wir die Kosten für die Reparatur übernehmen?

Liebe Alexandra

Der Mieter hat die Wohnung grundsätzlich so zu zurückzugeben, wie er sie übernommen hat. Doch während deiner Mietdauer ist auch deine Wohnung gealtert. Für die natürliche Alterung des Baus und die normalen Abnutzungserscheinungen, die durch das Wohnen auftreten, haftest du nicht. Die normale Abnutzung ist mit dem Mietzins abgegolten und geht zu Lasten des Vermieters. Zur normalen Abnutzung gehören etwa Schatten von Bildern an den Wänden. Auch das Bohren von Dübellöchern gehört zum normalen Wohnen, sofern diese beim Auszug sauber verkittet sind.

Eine übermässige Abnutzung liegt hingegen vor, wenn das Parkett Wasserflecken oder der Spannteppich Brandlöcher aufweisen. Doch auch in solchen Fällen kann der Vermieter nicht gleich die halbe Wohnung auf Kosten der Mieter sanieren. Er darf dem ausziehenden Mieter einzig den Zeitwert der übermässig abgenutzten Einrichtung verrechnen.

Der Mieter haftet also bei übermässig beanspruchten Gegenständen nur in dem Umfang in dem die Sache bei der Wohnungsabnahme überhaupt noch einen Wert hat. Für die Berechnung des Schadenersatzes spielt es übrigens keine Rolle, wie lange du in der Wohnung gewohnt hast. Massgeblich ist immer die Lebensdauer des Gegenstandes.

Zur Berechnung des Zeitwerts publizieren der Mieterverband und der Hauseigentümerverband eine sogenannte Lebensdauer-Tabelle. Darin wird festgehalten, nach wie viel Jahren bestimmte Einrichtungsgegenstände auf null abgeschrieben sind und von welchem Anschaffungswert auszugehen ist.

Teppichen beispielsweise gelten nach zehn Jahren als ganz abgenutzt. Für Abschliff und Versiegelung eines Parketts beträgt die Lebensdauer ebenfalls zehn Jahre. Liegt die letzte Behandlung des Parkettbodens schon zwölf Jahre zurück, muss der Mieter für Kratzer im Parkett also nicht mehr geradestehen.

Die Vermieter müssen übrigens bekannt geben, wann eine bestimmte Einrichtung erneuert wurde. Kommt es zu einem Schlichtungs- oder Gerichtsverfahren, muss der Vermieter die Beschaffung ssogar nachweisen.

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