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Doktor Sex«Muss ich ein Potenzmittel nehmen?»

Seit Paul mit einer neuen Partnerin zusammen ist, hat er Erektionsstörungen. Diese verunsichern ihn so sehr, dass er sich überlegt, chemische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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Erektionsstörungen können das Selbstwertgefühl von Männern massiv erschüttern. (Symbolbild: Colourbox.de)

Erektionsstörungen können das Selbstwertgefühl von Männern massiv erschüttern. (Symbolbild: Colourbox.de)

Frage von Paul (42) an Doktor Sex: Seit kurzem bin ich in einer Beziehung mit einer Frau. Wir lieben uns sehr. Aber beim Sex gibt es ein Problem: Ich werde zwar beim Vorspiel schnell scharf, wenn es dann jedoch zur Sache gehen sollte, wird aus meinem steifen Glied plötzlich ein schlaffes Teil. Ich habe das vorher noch nie erlebt. Ist es möglich, dass diese offensichtliche Störung der Anfang einer Impotenz ist? Ich bin sonst gesund, benutze selten Medikamente, ernähre mich mehr oder weniger ausgewogen, treibe ab und zu Sport und rauche weniger als früher. Meine Partnerin sah es bislang locker und meinte dazu nur, dass ich halt nicht mehr zwanzig sei. Aber ich habe Angst, dass unsere Beziehung darunter leidet und es schnell zur Trennung kommen wird, wenn das nicht bald besser wird. Ist es ratsam, dass ich ein Potenzmittel einnehme? Sollte ich einen Termin mit meinem Hausarzt vereinbaren? (Ehrlich gesagt wäre es mir peinlich, mit ihm darüber zu reden.) Oder soll ich einfach mal schauen, wie sich das weiterentwickelt und vorerst nichts unternehmen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Paul

Mit dem Gedanken, dass es bald besser werden muss, weil sonst die Beziehung leidet und es in absehbarer Zeit zur Trennung kommen wird, setzt du dich massiv unter Spannung. Der Druck, der dadurch entsteht, verträgt sich aber nicht mit deinem Wunsch nach praller Potenz, denn diese basiert auf Loslassen. In anderen Worten: Solange du dir Stress machst, wird auch deine Erektionsfähigkeit beeinträchtigt sein.

Was du erlebst, ist nicht aussergewöhnlich. Egal ob in der Jugend oder wie du im fortgeschrittenen Alter: Eine neue Beziehung, die damit verbundene Unsicherheit und der gleichzeitig bestehende Anspruch, alles «gut» machen zu wollen, hat Auswirkungen auf den Sex. Manche Frauen verspannen sich, werden nicht richtig feucht und haben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Und manche Männer sind nicht in der Lage, eine Erektion zu haben oder diese dauerhaft aufrechtzuerhalten.

Statt an der Möglichkeit herumzudenken, den Hausarzt zu konsultieren oder ein Potenzmittel zu nehmen, wendest du dich besser vertrauensvoll an deine neue Partnerin. Und erzählst ihr von deiner Verunsicherung. Auch wenn dich dies möglicherweise etwas Überwindung kostet, weil dadurch dein Bild von dir als Mann ohne Schwäche infrage gestellt wird, ist dieses Vorgehen sinnvoller, als gleich mit der chemischen Keule einzufahren. Umso mehr noch, als du ja bisher nie an Erektionsstörungen gelitten hast.

Finde im Gespräch mit deiner Freundin oder mittels Selbstreflexion heraus, welche Ansprüche du an dich als Liebhaber hast und welches Männerbild diesen zugrunde liegt. Ich vermute, dass du zu den Vertretern deines Geschlechts gehörst, die glauben, ein «richtiger» Mann sei an seiner stahlharten Potenz und an seiner Fähigkeit erkennbar, jede Frau souverän zum Orgasmus zu bringen.

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