Das ändert sich am Arbeitsplatz - Musst du deinen Chefs jetzt jeden Tag ein Covid-Zertifikat zeigen?
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Das ändert sich am ArbeitsplatzMusst du deinen Chefs jetzt jeden Tag ein Covid-Zertifikat zeigen?

Firmen können nun auch zum Kontrolleur des Covid-Zertifikats werden – allerdings mit Einschränkungen. 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zum 3G-Nachweis.

von
Fabian Pöschl
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Firmen können von ihren Angestellten ab Montag ein Covid-Zertifikat verlangen.

Firmen können von ihren Angestellten ab Montag ein Covid-Zertifikat verlangen.

20min/Karina Romer
Das gab Bundesrat Alain Berset an einer Medienkonferenz am Mittwoch bekannt.

Das gab Bundesrat Alain Berset an einer Medienkonferenz am Mittwoch bekannt.

20min/Simon Glauser
Falls möglich, sollen die Chefinnen und Chefs aber nur das «Covid light»-Zertifikat sehen, das nur ein grünes oder rotes Licht zeigt, aber nicht darüber informiert, ob man getestet, geimpft oder genesen ist.

Falls möglich, sollen die Chefinnen und Chefs aber nur das «Covid light»-Zertifikat sehen, das nur ein grünes oder rotes Licht zeigt, aber nicht darüber informiert, ob man getestet, geimpft oder genesen ist.

Sébastien Anex

Darum gehts

  • Firmen können nun ein Covid-Zertifikat von ihren Angestellten verlangen.

  • Das hat der Bundesrat am Mittwoch entschieden.

  • Hier findest du Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Bundesrat Berset setzt nun doch voll auf das Covid-Zertifikat. Die Schweizer Bevölkerung muss die 3G-Bescheinigung ab Montag im Restaurant und in allen weiteren möglichen Innenräumen zeigen. Sogar am Arbeitsplatz können Firmen von ihren Angestellten den Nachweis verlangen, dass sie geimpft, getestet oder genesen sind. Den Entscheid will der Bundesrat aber jeder Firma selbst überlassen.

Der Wirtschaftsverband Economiesuisse begrüsst die Ausweitung der Zertifikatspflicht auf den Arbeitsplatz, wie er in einer Mitteilung schreibt. Denn die Auswirkungen eines erneuten Shutdowns wären schwerwiegender für Wirtschaft und Gesellschaft.

Kritischer ist der Arbeitnehmerdachverband Travail Suisse: Er befürchtet eine Willkür der Arbeitsgebenden und Diskriminierungen. Auch der Datenschutz könne mit dem Impfzertifikat nicht sichergestellt werden. Auch vom Schweizerischen Gewerbeverband kommt Kritik. Zahlen vom Bundesamt für Gesundheit würden zeigen, dass nur die wenigsten Ansteckungen am Arbeitsplatz erfolgen würden.

20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen, wenn deine Chefin oder dein Chef ab Montag ein Covid-Zertifikat am Arbeitsplatz verlangt:

Werden viele Firmen das Covid-Zertifikat verlangen?

Davon ist auszugehen. «Ich glaube, dass viele Firmen die Möglichkeit nutzen werden, den GGG-Status in Erfahrung zu bringen, um die Schutzmassnahmen besser anzupassen», sagt Daniella Lützelschwab, Ressortleiterin Arbeitsmarkt und Arbeitsrecht beim Arbeitgeberverband, zu 20 Minuten. Die Firmen würden damit relevante Informationen bekommen, wie die Angestellten am besten vor dem Virus geschützt werden können.

Muss ich das Zertifikat jeden Tag zeigen?

Nein. Gesundheitsminister Berset sagte an der Medienkonferenz am Mittwoch, dass ein Zertifikat nur einmal gezeigt werden muss, solange es gültig ist. Wer nicht geimpft ist, muss sich dafür testen lassen. Dabei ist ein Schnelltest 48 Stunden und der PCR-Test 72 Stunden gültig. Über die Anwendung des Zertifikats müssen die Arbeitsgebenden ihre Angestellten informieren.

Brauche ich mit dem Zertifikat keine Maske mehr?

Ja. «Das ist der Vorteil am Covid-Zertifikat. Wo eine Zertifikatspflicht gilt, können Massnahmen aufgehoben werden», sagte Bundesrat Berset. Allerdings ist die Aufhebung der Massnahmen freiwillig. Firmen könnten weiter darauf bestehen, wenn sie das möchten. Zudem können sie verlangen, dass ungeimpfte Personen eine Maske am Arbeitsplatz tragen müssen, während geimpfte davon befreit sind.

Ich bin nicht geimpft und brauche ein Zertifikat. Wer bezahlt die Tests?

Falls ein Arbeitgeber einen Test von seinen Arbeitnehmenden verlangt, muss er die Kosten dafür selber tragen, schreibt das Bundesamt für Gesundheit. Wenn die Tests regelmässig im Betrieb erfolgen, übernimmt der Bund die Kosten.

Ich habe kein Zertifikat. Kann ich dann ins Homeoffice?

Wenn Vorgesetzte ein Zertifikat für die Präsenz am Arbeitsplatz verlangen, das nicht vorhanden ist, dann ist Homeoffice möglich, wie der Rechtsanwalt und langjährige Personalchef Bernhard Kolb zu 20 Minuten sagt. «Ich glaube nicht, dass der Arbeitgeber das sanktionieren würde», so Kolb. Homeoffice verlangen sei allerdings nur möglich, wenn die Arbeit auch von zuhause erledigt werden kann. «Ein Lokführer kann nicht einfach zuhause bleiben, weil die Arbeit seine Präsenz voraussetzt. Das wäre eine elementare Verletzung seiner Arbeitspflicht und könnte ein Kündigungsgrund sein», so Kolb.

Etwas komplizierter sei es, wenn der oder die Vorgesetzte die Angestellten ins Homeoffice schicken will. «Das kann er zwar tun, sollte aber mit dem betroffenen Angestellten den konkreten Fall anschauen und erst dann entscheiden, wenn es keine mildere Massnahme gibt», sagt Kolb.

Werde ich von der Firma bestraft, wenn ich kein Zertifikat habe?

«Nein, ohne Vorlage des Zertifikats gelten andere Schutzmassnahmen, wie beispielsweise die Maskenpflicht», sagt Arbeitsrechtsexpertin Daniella Lützelschwab vom Arbeitgeberverband. Die Vorgesetzten, wie auch die Mitarbeitenden, seien aber froh um etwas Normalität, wenn sie insbesondere die Maskenpflicht am Arbeitsplatz fallen lassen könnten und würden deshalb versuchen, gute Lösungen für alle Angestellten zu suchen.

Können meine Vorgesetzten meine Daten missbrauchen?

Nein, die Informationen dürfen nicht anderweitig verwendet werden, schreibt das Bundesamt für Gesundheit in einer Mitteilung. Der Arbeitgeber muss deshalb, wenn immer möglich, das datenarme «Zertifikat light» verwenden. Dieses Zertifikat informiert nur darüber, ob jemand geimpft, getestet oder genesen ist. Die Vorgesetzten wissen dann nicht, welche der drei Optionen zutrifft.

Wie lange gilt die Zertifikatspflicht?

Sie gilt laut Berset «solange es die epidemiologische Lage erfordert». Aktuell sieht er eine Befristung bis am 24. Januar 2022 vor. Wenn möglich, wolle er die Pflicht aber schon früher aufheben.

So funktioniert das Covid-Zertifikat

Die Covid-Zertifikate informieren über Test-, Impf- oder Genesenenstatus des Inhabers oder der Inhaberin. Sie werden sowohl in Papier- als auch in elektronischer Form ausgestellt. Beide Varianten enthalten die Zertifikatsangaben in lesbarer Form sowie fälschungssicher in einem QR-Code, versehen mit einer elektronischen Signatur des Bundes. Diese erlaube eine sichere Überprüfung des Zertifikats, ohne dass dabei Personendaten übermittelt oder gespeichert werden, so der Bundesrat.

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