Lieber Phil Geld: Muss ich sagen, dass ich schwanger bin?
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Lieber Phil GeldMuss ich sagen, dass ich schwanger bin?

Sereina (30) ist im vierten Monat schwanger. Muss sie beim Vorstellungsgespräch offenlegen, dass sie bald Mutter wird?

Bei einem solchen Babybauch würde wohl auch eine Lüge nicht helfen. (Bild: The Big Bang Theory / Warner)

Bei einem solchen Babybauch würde wohl auch eine Lüge nicht helfen. (Bild: The Big Bang Theory / Warner)

Lieber Phil Geld

Ich habe nächste Woche ein Vorstellungsgespräch. Muss ich offenlegen, dass ich bereits im vierten Monat schwanger bin?

Liebe Sereina

Viele Arbeitgeber versuchen beim Vorstellungsgespräch möglichst viele Informationen über ihren potenziellen Mitarbeitenden in Erfahrung zu bringen. Das ist per se nicht verboten. Schliesslich muss herausgefunden werden, ob die Bewerberin oder der Bewerber für die freie Stelle die richtige Person ist und ob sie/er überhaupt ins Team und die Firma passt oder nicht.

Bewerberinnen und Bewerber müssen allerdings nicht alle Fragen beantworten, die ihnen dabei gestellt werden. Grundsätzlich sind nur diejenigen Fragen zu beantworten, die einen direkten Zusammenhang mit der Eignung für die offene Stelle haben. Dazu gehören Fragen nach der Ausbildung, der bisherigen beruflichen Erfahrung, den beruflichen Zielen sowie Fragen nach allfälligen Weiterbildungsplänen und der fachlichen Qualifikation.

Nicht erlaubt sind Fragen, die in keinem direkten Zusammenhang mit der Eignung für die offene Stelle stehen, oder Fragen, die zu sehr in die Privatsphäre der Bewerberin oder des Bewerbers eingreifen. Dazu gehören etwa Fragen zur Religionszugehörigkeit oder zur politischen Einstellung, zum Zivilstand, zur Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft oder einem Verein oder zum allgemeinen Gesundheitszustand. Solche Fragen haben grundsätzlich nichts mit der Qualifikation für einen Job zu tun.

Die Frage betreffend Schwangerschaft ist zwar grundsätzlich Privatsache, kann aber durchaus gerechtfertigt sein, wenn man in einem Job eine körperliche oder gefährliche Tätigkeit ausüben muss. Bei der Bewerbung um einen solchen Job ist die Frage nach einer bestehenden oder geplanten Schwangerschaft daher zulässig. Ebenfalls zulässig wäre die Frage, wenn die vorgesehene Arbeit wegen der Schwangerschaft nicht ausgeübt werden könnte, so beispielsweise der Beruf als Tänzerin oder als Model.

Bewerberinnen oder Bewerber, die mit unzulässigen Fragen konfrontiert werden müssen diese nicht beantworten. Gemäss dem Bundesgericht besteht sogar das Recht, ausnahmsweise zu lügen (Bundesgerichtsurteil vom 2. Juli 1996). Wenn du nicht lügen möchtest, liebe Sereina, solltest du unzulässigen Fragen diplomatisch ausweichen oder die Antwort generell halten. Zulässige Fragen beim Vorstellungsgespräch musst du hingegen vollständig und wahrheitsgetreu beantworten.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch (20 Minuten)

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