Dank Revision: Muss Ivan Z. gar nicht ins Gefängnis?
Aktualisiert

Dank RevisionMuss Ivan Z. gar nicht ins Gefängnis?

Fordert sein Verteidiger gegen das gestrige Urteil eine Revision, könnte der Prügel-Schüler von der U-Haft direkt in die Freiheit entlassen werden.

von
Ronny Nicolussi
Für Mike B. und Benji D. könnte die Justizvollzugsanstalt Ebrach ihre nächste Wohnadresse werden.

Für Mike B. und Benji D. könnte die Justizvollzugsanstalt Ebrach ihre nächste Wohnadresse werden.

Sie sind wahrlich keine Kuschelheime, die deutschen Jugendstrafanstalten. Karge Zellen, tägliche Schlägereien und Jungs, die nicht zum ersten Mal hinter Gitter sitzen, prägen den Gefängnisalltag. Die Rückfallquoten erreichen bis zu 80 Prozent. Laut der Münchner Gerichtssprecherin Margarete Nötzel geht es in deutschen Jugendknästen beinahe so hart zu und her wie in Gefängnissen für Erwachsene.

In welches Gefängnis die drei Küsnachter Berufswahlschüler gesperrt werden, die gestern vom Landgericht in München zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt wurden, ist noch unklar. Doch vorerst bleiben sie in Untersuchungshaft – bis das Urteil rechtskräftig ist. Dies könnte erst Mitte 2011 der Fall sein, falls eine Partei eine Urteils-Revision verlangt, wie Gerichtssprecherin Nötzel erklärt. Ansonsten wird das Urteil nächste Woche rechtskräftig. Die Revisionseinlegefrist läuft am Montag ab.

Der einzige, der bisher eine Revisionseinlegung in Aussicht gestellt hat, ist Christian Bärnreuther, Anwalt des Haupttäters Mike B. Er will diese Option am kommenden Freitag mit seinem Mandanten besprechen und dann entscheiden. Keinen Einfluss hätte eine Revision von Mikes Urteil auf die Mittäter Benji D. und Ivan Z.

Von der Untersuchungshaft in die Freiheit

Letzterer könnte mit einer Revisionseinlegung gar verhindern, überhaupt in eine deutsche Jugendstrafanstalt eingewiesen zu werden. Bis zur Rechtskräftigkeit des Urteils hätte Ivan Z. praktisch drei Viertel seiner Strafe verbüsst. Wie jeder Häftling in Deutschland könnte er dann dank guter Führung vorzeitig entlassen werden. Schneller in Freiheit käme er wohl aber ohne Revisionseinlegung. Bereits in einem Monat wird er die Hälfte seiner Haftstrafe abgesessen haben. Ist das Urteil dann rechtskräftig, könnte er zur Verbüssung der Reststrafe in die Schweiz abgeschoben werden.

Gerichtssprecherin Nötzel glaubt nicht, dass die drei Schweizer Jungs ihren Aufenthalt in Untersuchungshaft dem Strafvollzug vorziehen werden. Schliesslich seien die Aktivitäten in Untersuchungshaft deutlich eingeschränkt. Ivans Anwalt, Titus Boerschmann, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Mehrere Amtsstellen entscheiden

Als mögliche Gefängnisse, in welchen die drei Schweizer ihre Strafe absitzen könnten, werden die Justizvollzugsanstalten Ebrach und Niederschönenfeld genannt. Daneben kämen aber auch andere infrage, sagt Nötzel. Ebrach hat den Ruf, der härteste Jugendknast Deutschlands zu sein. Der Entscheid, welcher Häftling in welche Anstalt kommt, wird laut Gerichtssprecherin von mehreren Amtsstellen gefällt. Unter anderem hänge er von der Dauer der Haftstrafe, aber auch vom jeweiligen Angebot an Ausbildungsplätzen und Therapiemöglichkeiten ab. Da es sich im Fall von Mike B., Benji D. und Ivan Z. um Ausländer handle, werde zudem auch das zuständige Ministerium in den Entscheidungsprozess involviert.

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