Aktualisiert 11.06.2019 10:18

20-Prozent-QuoteMuss Netflix Schweizer Film-Flops zeigen?

Streaming-Dienste sollen 20 Prozent Schweizer Filme in ihr Programm aufnehmen. Um das zu schaffen, müssten sie auch auf Filme zurückgreifen, die floppten.

von
pam
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Um ihr Angebot mit einem Fünftel Schweizer Filmen zu bestücken, müssten Netflix und Co. nicht nur auf in der Schweiz erfolgreiche Filme wie die «Herbstzeitlosen», «Mein Name ist Eugen» oder «Achtung, fertig, Charlie» setzen.

Um ihr Angebot mit einem Fünftel Schweizer Filmen zu bestücken, müssten Netflix und Co. nicht nur auf in der Schweiz erfolgreiche Filme wie die «Herbstzeitlosen», «Mein Name ist Eugen» oder «Achtung, fertig, Charlie» setzen.

Keystone/Juerg Mueller
Denn wie Sven Wälti, Leiter Film bei der SRG, zur «NZZ am Sonntag» sagte, führen die grossen Anbieter mindestens 4000 Filme im Sortiment. «Ein Fünftel davon wären in etwa sämtliche Schweizer Produktionen der letzten zehn Jahre», so Wälti.

Denn wie Sven Wälti, Leiter Film bei der SRG, zur «NZZ am Sonntag» sagte, führen die grossen Anbieter mindestens 4000 Filme im Sortiment. «Ein Fünftel davon wären in etwa sämtliche Schweizer Produktionen der letzten zehn Jahre», so Wälti.

SRG
Ins Netflix-Programm kämen möglicherweise auch Filme, die beim heimischen Publikum auf wenig Resonanz oder Gegenliebe stiessen. Eine Auswahl aus den letzten fünfzehn Jahren:

Ins Netflix-Programm kämen möglicherweise auch Filme, die beim heimischen Publikum auf wenig Resonanz oder Gegenliebe stiessen. Eine Auswahl aus den letzten fünfzehn Jahren:

zvg

Um den Schweizer Film gegen die Flut von ausländischen Produktionen zu schützen, will der Bundesrat eine Quote für europäische Filme im Kino, Fernsehen, Pay-TV und für Streaming-Anbieter einführen. «Die vorgeschlagene Regelung ist im Interesse eines möglichst vielfältigen Filmangebots», heisst es in der Kulturbotschaft 2021–2024. Daneben fordern Filmschaffende und Politiker explizit, eine 20-Prozent-Quote für Schweizer Produktionen im Gesetz zu verankern.

Um ihr Angebot mit einem Fünftel Schweizer Filmen zu bestücken, müssten Netflix & Co. nicht nur auf in der Schweiz erfolgreiche Filme wie die «Herbstzeitlosen», «Mein Name ist Eugen» oder «Achtung, fertig, Charlie» setzen. Denn wie Sven Wälti, Leiter Film bei der SRG, zur «NZZ am Sonntag» sagte, führen die grossen Anbieter mindestens 4000 Filme im Sortiment. «Ein Fünftel davon wären in etwa sämtliche Schweizer Produktionen der letzten zehn Jahre», so Wälti.

Ins Netflix-Programm kämen möglicherweise auch Filme, die beim heimischen Publikum auf wenig Resonanz oder Gegenliebe stiessen. Eine Auswahl aus den letzten fünfzehn Jahren:

«The Ring Thing» (2004)

Die Produktion des heutigen 3+-Chefs sahen immerhin 67'000 Kinobesucher. Der Film, der laut Eigenbeschreibung «Herr der Ringe» aufs Korn nimmt und mit «bizarren Eigentümlichkeiten der Schweiz» verbindet, fiel jedoch bei den Kritikern durch: Die International Movie Database vergibt 3,5 von 10 Sternen. Immerhin: Gelder aus der Filmförderung erhielt der Film keine.

«Das Missen-Massaker» (2012)

Ein wahnsinniger Killer meuchelt nach und nach die Miss-Schweiz-Kandidatinnen auf einer Insel im Tanga-Atoll. Die Entwicklung dieses dramatischen Plots wollten sich 15'156 Schweizer ansehen. Dabei rechnete Regisseur Michael Steiner mit 130'000 Zuschauern. Pro Kinoeintritt legte das Bundesamt für Kultur so 63.60 Franken drauf – insgesamt investierte der Bund 900'000 Franken.

«Zone Rouge» (2018)

Der Film von Cihan Inan über ehemalige Freunde, die sich bei einem Klassentreffen nach 25 Jahren wieder treffen, war der Publikumsflop des letzten Jahres: Nur 582 Menschen lockte er ins Kino. Die Berner Filmförderung sprach dafür 320'000 Franken. Die Kritiker urteilten indes einigermassen gnädig: IMDB verteilte 6,9 von 10 Punkten.

«Nachtlärm» (2012)

Dieses Drama über ein frustriertes Ehepaar mit Schreibaby von Christoph Schaub generierte 10'264 Eintritte. Die Subvention des Bundes pro Ticket betrug demnach 87.70 Franken. Die «Berner Zeitung» urteilte: «Ein wenig Beziehungsdrama, ein wenig Wohlfühlkomödie und ein wenig Ganovenkino. Von allem eine Prise, aber nichts mit Schmackes.» IMDB-Rating: 5,6 von 10 Punkten.

«Tell» (2007)

Die Verulkung des Rütlischwurs 1291 mit Mike Müller in der Hauptrolle lockte immerhin 55'475 Besucher in die Kinos. Die Plattform Cineman.ch vergibt 2,5 von 5 Sternen. Ein Zuschauer urteilt: «Ich habe nur 15 Minuten durchgehalten.» Noch härter ging die NZZ mit dem Film ins Gericht: «Ein Trauerspiel.» Und weiter: «Natürlich ist «Tell» von Mike Eschmann nicht nur schlecht. Er ist zwischendurch fast schon unglaublich schlecht, bar jeglichen Gefühls für filmische Inszenierung.»

Indem Netflix zwingend 20 Prozent Schweizer Filme ins Programm aufnehmen müsste, würden möglicherweise andere internationale Filme aus dem Angebot fliegen. Zu diesem gehören natürlich auch solche, die ebenso schlechte Kritiken wie die genannten Schweizer Produktionen erhielten. Ob sich die Quotenregelung insgesamt auf eine Verbesserung der Qualität des Streaming- oder Kinoprogramms auswirkt, stellen auch Exponenten aus der Schweizer Filmszene in Frage.

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