Versprecher: Muss Obama den Eid wiederholen?
Aktualisiert

VersprecherMuss Obama den Eid wiederholen?

Ausgerechnet der Höhepunkt der Vereidigung von Barack Obama geriet zur Holperübung. Der neue Präsident und der oberste Richter verhaspelten den Amtseid. Juristen raten zur Wiederholung.

Im entscheidenden Moment zeigte «Mr. Cool» Nerven. Barack Obama fiel John Roberts, dem Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs, ins Wort, bevor dieser den ersten Teil der Eidesformel («Ich, Barack Hussein Obama, schwöre feierlich…») vorgesagt hatte. Damit brachte er den ebenfalls nervösen Roberts, der erstmals die Vereidigung vornahm, offensichtlich aus dem Konzept, denn er verdrehte die folgenden Worte, worauf Obama sichtlich irritiert und auch etwa amüsiert reagierte.

Den zweiten Teil des Amtseids brachten die beiden Neulinge ohne Patzer über die Bühne, und für die meisten der Millionen Zuschauer vor Ort und Milliarden an den Bildschirmen war das Malheur bestenfalls ein Grund zur Belustigung. Staatsrechtler aber stellen sich die ernste Frage: Ist Obama auf legitime Art vereidigt worden? Die Verfassung verlangt gemäss «Washington Post», dass die 35 Worte der Formel korrekt ausgesprochen werden. Obama allerdings nannte das kleine Wörtchen «getreulich» an der falschen Stelle.

Keine Verfassungskrise

Die von der «Washington Post» befragten Experten für Verfassungsrecht gaben sich zwar überzeugt, dass der Lapsus kein ernstes Problem sei und die Legitimität von Obamas Präsidentschaft nicht in Frage stehe. Eine Wiederholung könnte trotzdem nicht schaden. Zwei frühere Präsidenten – Calvin Coolidge und Chester Arthur – hätten ein ähnliches Problem gehabt und den Eid in privatem Rahmen nochmals gesprochen.

Auch Obama sollte es «vielleicht nochmals machen», sagte Jonathan Turley, Professor an der George Washington University, ansonsten würden in den nächsten vier Jahren gewisse Leute behaupten, er habe die Vorgabe der Verfassung nicht eingehalten. «Ich denke aber nicht, dass es nötig wäre, und es besteht auch keine Verfassungskrise», betonte Turley. Und eine öffentliche Zeremonie wäre für den Fall einer Wiederholung auch nicht nötig. Präsident Obama könnte den Amtseid im Weissen Haus ablegen.

(pbl)

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