Doping-Gemüse: Muss Spinat für Sportler verboten werden?

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Doping-GemüseMuss Spinat für Sportler verboten werden?

Forscher raten, einen Inhaltsstoff der Pflanze wegen seines «Popeye-Effekts» auf die Doping-Liste zu setzen.

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Spinat ist ein absolutes Powerfood. Das wusste schon Comic-Held Popeye.

Spinat ist ein absolutes Powerfood. Das wusste schon Comic-Held Popeye.

Keystone/AP
Wie viel Power in dem Gemüse steckt, zeigt eine Studie unter Leitung von Forschern der Freien Universität Berlin. Das Team um Maria Kristina Parr konnte nachweisen, dass der Inhaltsstoff Ecdysteron starke Effekte auf Muskelzellen hat.

Wie viel Power in dem Gemüse steckt, zeigt eine Studie unter Leitung von Forschern der Freien Universität Berlin. Das Team um Maria Kristina Parr konnte nachweisen, dass der Inhaltsstoff Ecdysteron starke Effekte auf Muskelzellen hat.

iStock/Knape
Konkret zeigte sich, dass der Kraftzuwachs bei Teilnehmern der Gruppe, die in der Studie den Spinatextrakt bekommen hatten, dreimal so hoch war wie bei Teilnehmern der Placebo-Gruppe.

Konkret zeigte sich, dass der Kraftzuwachs bei Teilnehmern der Gruppe, die in der Studie den Spinatextrakt bekommen hatten, dreimal so hoch war wie bei Teilnehmern der Placebo-Gruppe.

Getty Images/Paramount Pictures

Wann immer der Comic-Matrose Popeye eine Büchse Spinat isst, entwickelt er ungeheure Kräfte. Dass dieses 1929 von Elzie Crisler Segar erschaffene Szenario nicht vollkommen an den Haaren herbeigezogen ist, beweist nun eine Studie von Forschern um Maria Kristina Parr von der Freien Universität Berlin.

In der von der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada in Auftrag gegebenen Untersuchung zeigte sich, dass der in Spinat enthaltene Stoff Ecdysteron starke Effekte auf Muskelzellen hat.

Wirkstoff oder Placebo

In der Studie erhielten die männlichen und weiblichen Krafttraining betreibenden Probanden zehn Wochen lang kontrolliert Spinatextrakt oder eine Placebo-Substanz. Keiner der Teilnehmer wusste, welcher Gruppe er angehörte.

Am Ende der Arbeit wurde deutlich, dass jene, welche das Extrakt bekommen hatten, einen signifikant stärkeren Zuwachs an Maximalkraft erreichten. Der Kraftzuwachs war dreimal so hoch.

Forscher vom Ergebnis überrascht

Zwar hätten sie und ihre Kollegen erwartet, dass es bei denjenigen Teilnehmern, die im Rahmen der Studie Ecdysteron eingenommen hatten, eine Leisungssteigerung geben würde. «Aber dass die so gross sein würde, das hatten wir nicht erwartet», zitieren verschiedene Medien Parr.

Daher schlugen die Forscher der Wada vor, die Aufnahme der Substanz in die Liste der verbotenen Substanzen zu prüfen. Wie die Entscheidung ausfallen wird, muss sich zeigen.

«Das russische Geheimnis»

Auslöser für die Studie seien Hinweise darauf gewesen, dass Ecdysteron im russischen Sport eingesetzt wird, weshalb die Substanz auch als «the russian secret» (das russische Geheimnis) für Leistungssteigerung im Sport bezeichnet werde, so Parr.

Doch das ist nicht das Einzige. Weiter seien in den letzten Jahren mehrere Nahrungsergänzungsmittel mit Ecdysteron lanciert worden, die sportliche Leistungen verbessern sollen. Neben Kraftsteigerung und mehr Muskelmasse sollen die Präparate unter anderem auch wach machen.

Viel Spinat essen

Die Gefahr, sich allein durch den Verzehr von Spinat des Dopings verdächtig zu machen, ist laut den Wissenschaftlern aber klein.

«Die geringere Dosis in unserem Versuch, also zwei Kapseln pro Tag, entsprechen je nach Sorte etwa 250 Gramm bis vier Kilogramm Blattspinat pro Tag. Diese Menge müsste man zehn Wochen lang jeden Tag essen, um dieselbe Menge aufzunehmen wie einige Probanden in unserer Studie», so Parr in einer Mitteilung. Um die Wirkung der höheren verabreichten Dosis zu erreichen, müssten sogar ein bis 16 Kilo Spinat verzehrt werden.»

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