05.06.2020 18:42

Gefährliche Verkehrssituation in Küssnacht«Muss zuerst jemand sterben, bevor etwas unternommen wird?»

Am Autobahnzubringer in Küssnacht SZ ist die Verkehrssituation während Stosszeiten jeden Tag haarsträubend. Nun fordert ein Petitionskomitee eine Notlösung.

von
Daniela Gigor
In diesem Video sieht man gleich mehrere gefährliche Manöver.

Die Situation am Kreisel beim A4-Autobahnzubringer im Küssnachter Fänn sei für alle Verkehrsteilnehmer unerträglich: «Bereits bei leicht verstärktem Verkehrsaufkommen führt der Kreisel zu stockendem Verkehr, und während Stosszeiten ist man mit Staus in praktisch alle Richtungen konfrontiert», sagt Samuel Lütolf, Vizepräsident der SVP Küssnacht und Co-Präsident des Petitionskomitees «Zubringer Küssnacht».

Lütolf sieht gar ein massives Sicherheitsrisiko beim Rückstau auf der Autobahnausfahrt von Zürich her, der sich praktisch täglich als Kolonne über mehrere Hundert Meter bildet: «Jeder Pendler hat garantiert schon äusserst brenzlige Situationen erlebt, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis dort ein schwerer Unfall passiert.» Tatsächlich stauen sich die Autos nicht nur bei der Ausfahrt selbst, sondern oft müssen sie bereits auf dem Pannenstreifen einspuren, damit sie die Ausfahrt in Küssnacht nicht verpassen.

«Im Alltag sind auf der Autobahn immer wieder Todsünden zu sehen»

«Im Video ist etwa zu sehen, wie sich ein korrekt fahrender Lastwagen auf der Autobahn der Ausfahrt nähert und abrupt abbremsen muss, weil gleichzeitig ein Auto, das in der Warteschlange der Ausfahrt steht, zurück auf die Fahrbahn drängt.» Eine weitere «Todsünde» begehen gleich fünf ungeduldige Autofahrer, die einfach die doppelte Sicherheitslinie überfahren, um zurück auf die Fahrbahn zu gelangen, damit sie den Stau überholen können, um anschliessend weiter vorn wieder in die Ausfahrt einzubiegen.

Lütolf: «Die Situation ist akut, und wir fragen uns, ob zuerst jemand sterben muss, bevor etwas unternommen wird.» Seit dreizehn Jahren werde nach einer Lösung auf den verschiedensten Stufen gesucht, und das Bundesamt für Strassen (Astra) stehe wieder an der Startlinie. Grund: 2019 wies das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) das Projekt zur Neubeurteilung zurück an den Absender. Ausserdem wurde das Astra auch noch dazu verbrummt, zwei Einsprechenden eine Parteientschädigung von über 33’000 Franken zu bezahlen, wie im Schreiben zu lesen ist.

Projekt des Astra soll gegen Ende 2020 aufgelegt werden

Die Rückweisung des Projekts durch das Uvek ist laut Esther Widmer, Sprecherin des Astra, damit begründet worden, «dass zu viele Fragen im Zusammenhang mit dem weiteren Ausbau der Kantonsstrasse, der Erschliessung der Tankstelle und damit einhergehenden Anpassungen nicht geklärt seien.» Nun gehe es folgendermassen weiter: Vertreter des Astra und des Tiefbauamts des Kantons Schwyz hätten im Anschluss an einer gemeinsamen Sitzung die Beurteilung des Uvek analysiert und das weitere Vorgehen festgelegt. Als erster Schritt werde gemeinsam die konzeptionelle Planung des Systems überprüft und überarbeitet.

«Diese bildet die Grundlage für die Überarbeitung des Ausführungsprojekts des Knotens Küssnacht durch das Astra. Gleichzeitig prüft das Astra, ob mit Überbrückungsmassnahmen die Sicherheitsdefizite auf der Nationalstrasse sowie die Fahrplanstabilität der öffentlichen Busse verbessert werden können», sagt Widmer weiter. In der Zwischenzeit hätten die Mitglieder der Begleitkommission Stellung zum Projektvorschlag für die Umgestaltung des Knotens genommen. Aktuell sei das Astra in Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt des Kantons Schwyz daran, das Projekt so zu überarbeiten, dass die Kritikpunkte möglichst berücksichtigt werden könnten. Widmer: «Das überarbeitete Projekt soll im Herbst der Begleitkommission vorgestellt werden. Ziel ist eine Auflage des Projekts gegen Ende 2020.»

Das Astra sieht keine provisorischen Lösungen vor

Die Frage, zu welchem konkreten Zeitpunkt die Baumaschinen nun auffahren würden, beantwortete Widmer nicht. Damit nun endlich etwas geschehe, sammelt das Petitionskomitee «Zubringer Küssnacht» jetzt via Internet Unterschriften für eine rasche provisorische Verbesserung der Situation und präsentiert auch gleich eine Lösungsmöglichkeit. Ausserdem hätten sich die betroffenen Landbesitzer positiv für Gespräche mit den Behörden gezeigt.

Lütolf: «Wir schlagen vor, einen Bypass von Küssnacht in Richtung Autobahn und einen zweiten vom Fänn in Richtung Küssnacht zu realisieren. Dieser könnte den Verkehrsfluss und die Kapazität des Autobahnkreisels in Küssnacht entscheidend verbessern.» Diese Sofortmassnahme würde den Behörden ausserdem Zeit verschaffen, eine langfristige und saubere Lösung zu erarbeiten. Laut Lütolf würde das Projekt den Bezirk inklusive des benötigten Landerwerbs rund eine Million Franken kosten.

Zur Petition kann Widmer keine Stellung nehmen, weil das Astra darüber nicht informiert sei. Widmer sagt aber: «Abgeschlossen ist die Prüfung von möglichen Überbrückungsmassnahmen. Allfällige bauliche Massnahmen, wie zum Beispiel eine provisorische Bypasslösung bis zum definitiven Umbau des Knotens, sind derzeit nicht vorgesehen. Dies, weil sie Landerwerb bedingen und deshalb erst mittelfristig realisierbar sind. Ziel ist aber eine möglichst schnelle Realisierung der definitiven Knotenumgestaltung.»

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108 Kommentare
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Think about it

05.06.2020, 22:40

Die konkrete Situation ist nicht ganz einfach, weil es keine auf der Hand "liegende" Lösung gibt. Anders sieht es beim Hirzel-Tunnel aus, der - mal abgesehen von den zahlreich zu erwartenden Einsprachen - direkt gebaut werden könnte. Seit 20 Jahren steht der an und ein Baubeginn ist nicht in Sicht. Dafür werden im Wallis und Jura teure Kunstbauten erstellt, obwohl es gar keinen Stau gab. Ist halt alles eine Frage der Prioritäten...

Sandro

05.06.2020, 22:40

Habe diesen Zustand vor Jahren schon angemahnt, habe vorgeschlagen die Büsche zurückzuschneiden und bei Rückstau dynamische Verkehrsführung einzusetzen. Antwort, vor der Kurve ist ein anderer Kanton, können nichts machen. Ja es braucht mehrere tote in der Schweiz.

Christian

05.06.2020, 22:36

Also wenn ich vor allem den ersten Teil des Artikels lese, scheint keine gefährliche Situation vorzuliegen, sondern nur ein Haufen Lenker keine Ahnung vom Autofahren mehr zu haben. Man muss ja auch überall 30er Zonen und Velowege bauen, weil die Leute nicht mehr Velofahren können und sich nicht an die Regeln halten. Das ganze bei weniger als 200 Verkehrstoten pro Jahr. Durch die Folgen des Rauchens sterben jährlich 10'000...