30 Jahre Botschafts-Besetzung: Mussawi ruft zu Fortsetzung des Kampfes auf

Aktualisiert

30 Jahre Botschafts-BesetzungMussawi ruft zu Fortsetzung des Kampfes auf

Im Iran drohen am 30. Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft in Teheran am Mittwoch erneute Zusammenstösse zwischen Polizei und Regimegegnern. Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi rief indirekt zu neuen Protesten auf.

von
pbl

Er forderte seine Anhänger auf, an diesem Tag auf die Strasse zu gehen. Zudem erklärte er auf seiner Website, er werde seinen Kampf für einen politischen Wandel fortsetzen. Die Polizei kündigte umgehend an, gegen «illegale» Versammlungen vorzugehen. Vize-Polizeichef Ahmadreza Radan erklärte der halbamtlichen Nachrichtenagentur Mehr zufolge, seine Behörde sei per Gesetz dazu verpflichtet, neue Störungen der öffentlichen Ordnung zu unterbinden.

Gewöhnlich finden sich am 4. November anti-westliche Demonstranten vor der früheren US-Botschaft in der iranischen Hauptstadt ein. Einige reformorientierte Internetseiten hatten stattdessen zu einer Versammlung vor der russischen Botschaft aufgerufen, weil das Land den umstrittenen Wahlsieg von Mahmud Ahmadinedschad zügig anerkannte.

Bereits im September hatte die Opposition den Jerusalem-Tag, an dem normalerweise anti-israelische Kundgebungen stattfinden, für ihre Proteste instrumentalisiert. Revolutionsführer Ali Chamenei soll darüber sehr verärgert gewesen sein. Erst kürzlich bezeichnete er es als «schlimmstes Verbrechen», das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Frage zu stellen.

Zwei Oppositionelle frei

In einer Geste der Entspannung wurden am Wochenende zwei prominente Anhänger des iranischen Oppositionsführer Mehdi Karubi auf Bewährung aus der Haft entlassen. Allerdings sind nach wie vor viele Oppositionelle in Haft. Nach der Wiederwahl von Präsident Ahmadinedschad war es im Juni zu den schwersten Unruhen seit der Islamischen Revolution vor drei Jahrzehnten gekommen. Mussawi wirft der Regierung Wahlbetrug vor. (pbl/sda)

Besetzung der US-Botschaft

Am 4. November 1979 hatten radikale Studenten die US-Botschaft in Teheran besetzt und 52 Amerikaner als Geiseln genommen. Sie wurden 444 Tage festgehalten, die USA brachen 1980 ihre diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Seither vertritt die Schweiz die Interessen der USA in Teheran.

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