Musste der Wal wegen Sonarsignalen sterben?
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Musste der Wal wegen Sonarsignalen sterben?

Wissenschaftler wollen untersuchen, ob der Wal in der Themse bei London strandete, weil Sonargeräte von Schiffen den Orientierungssinn des Säugers gestört haben. 14 Schnabelwale waren wegen Sonarsignalen von Kriegsschiffen 2002 an den Küsten der Kanarischen Inseln verendet.

Sonargeräte beeinflussen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die Orientierung der Meeressäuger und veranlassen sie auch zu schnell aufzutauchen. Dadurch bildeten sich Blasen im Blut, hiess es weiter.

Bereits im September 2002 waren nach einer Militärübung 14 Schnabelwale an den Küsten Lanzarotes und Fuerteventuras verendet. Eine Untersuchung der Kadaver durch britische und spanische Forscher ergab damals, dass die Tiere an der zuvor bei Walen unbekannten Taucherkrankheit litten. Die Wissenschafter kamen zum Schluss, dass Sonarsignale von Kriegsschiffen Wale vermutlich zu schnell auftauchen und stranden lassen.

Der mehr als fünf Meter lange Entenwal erlag trotz aller Bemühungen von Experten und freiwilligen Helfern seinen Verletzungen und den Folgen einer enormen Stress-Situation. "Wir haben alles getan, was in unseren Kräften stand", sagte Alan Knight von der britischen Organisation der Meerestaucher.

Der Entenwal war am Freitagmorgen zur Überraschung tausender Londoner und Touristen in der Themse vor dem weltberühmten Big Ben gesichtet worden. Er hatte sich aus den Tiefen der Nordsee in die Themse verirrt. Die Gründe dafür liegen weiter im Dunkeln.

Das Tier fand den Weg ins offene Meer nicht zurück und strandete nach stundenlangem Umherirren am Samstagmittag bei Ebbe am Ufer des Stadtteils Chelsea. Zehntausende nahmen in London Anteil am Schicksal des Wals. Weltweit an den TV-Bildschirmen verfolgten sogar viele Millionen Menschen das dramatische Ringen um seine Rettung.

Der gestrandete Wal war von Helfern in einem aufblasbaren Ponton auf einen Schleppkahn verfrachtet worden, der rasch Kurs auf die Themsemündung nahm. An Bord der Barkasse, deren Weg BBC-Kameras von einem Helikopter aus verfolgten, verschlechterte sich sein Zustand zusehends. Gegen 19.00 Uhr Ortszeit stellte ein Veterinär den Tod des Tieres fest.

Die Kosten der Rettungsoperation wurden auf mehr als 100 000 Pfund (340 000 Franken) geschätzt. "Das waren wir uns schuldig, wir sollten so einen Versuch auch in künftigen Fällen immer wieder unternehmen", sagte der Meereskundler David Taylor Reportern.

Der rund vier Tonnen schwere Entenwal war der erste dieser Art, der in der Themse gesichtet wurde, seit vor nahezu 100 Jahren Aufzeichnungen über solche Beobachtungen begannen. Die Londoner hatten "Free Whaley", wie eine Zeitung den Riesen unter Anspielung auf den Wal-Film "Free Willy" taufte, rasch ins Herz geschlossen.

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