Melanie Griffith: «Musste weg vom Bullshit in Hollywood»

Aktualisiert

Melanie Griffith«Musste weg vom Bullshit in Hollywood»

Melanie Griffith (56) stellt am Filmfestival Locarno ihren Kurzfilm «Thirst» vor. Im Interview mit 20 Minuten spricht sie übers Altern und warum sie sich eine Auszeit genommen hat.

von
Catharina Steiner

Wie konnte man Sie dazu überreden, in einem Kurzfilm mitzumachen?

Melanie Griffith: Die Regisseurin hat mir einen Brief geschrieben. Als ich das Projekt dann mit ihr diskutierte, merkte ich, dass sie viel besser war, als ich gedacht hatte. Es war einfach toll, mit ihr zu arbeiten, sie ist eine echte Künstlerin. Und ich finde es toll, dass sie eine Frau ist. Nichts gegen Männer. Ich liebe Männer.

Fühlen Sie sich mit einer Frau sicherer als mit einem männlichen Regisseur?

Das würde ich so nicht sagen, aber Frauen haben einfach eine andere Sicht auf die Dinge.

Sie spielen eine desillusionierte Prostituierte. Eine gewagte Rollenwahl.

Was mich motiviert hat, ist, dass Sue eine echte Figur ist. Das ist heutzutage selten in Filmen. Aber ich wollte den Film auch machen, weil ich wie meine Filmfigur trockene Alkoholikerin bin. Das gab mir die Möglichkeit, diese Facette meiner Persönlichkeit auszuleben.

Können Sie sich vorstellen, etwas ganz anderes zu tun als zu schauspielern?

Ja. Ich bin heute frei und kann tun und lassen, was ich will. Ich muss keine Karriere mehr aufbauen und jemandem etwas beweisen. Aber ich liebe es, kleine Filme zu machen. Da ist es mir egal, dass ich nicht bezahlt werde, darum geht es nicht.

In den letzten Jahren haben Sie wenig gedreht.

Ich denke, dass die meisten Leute dachten, dass ich nicht mehr arbeiten will. Und das wollte ich auch nicht. Ich war damit beschäftigt, Antonio Banderas' Ehefrau zu sein und unsere Tochter Stella grosszuziehen. Ich fand es wunderbar, ein Mami zu sein.

Ab einem gewissen Alter gibt es auch nicht mehr so viele Angebote.

Als ich 40 wurde, war das schwierig. Für Hollywood war ich plötzlich zu alt. Es war mir peinlich, die Rollen nicht mehr zu bekommen. Meine Freundinnen sind alle in meinem Alter. Wenn mal eine von uns einen Part bekam, waren wir alle ganz aus dem Häuschen.

Männer mit 40 haben das Problem im Filmgeschäft nicht.

Ja, das ist eine Schande. Trotzdem hat mein Rückzug viel mit meiner eigenen Entwicklung zu tun. Ich musste mal weg vom ganzen Bullshit in Hollywood.

Was halten Sie vom Spruch «50 ist das neue 30»?

Sehr viel. Wissen Sie, was lustig ist? Als ich 50 wurde, haben Antonio und die Kinder sogar ein Lied für mich geschrieben, das hiess «50 ist das neue 30». Das war so süss. Ich bin jetzt 56, also in Wirklichkeit 36.

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