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Schwere VorwürfeMussten wegen Fehlern beim deutschen Katastrophenschutz Dutzende sterben?

Hätte ein besseres Krisenmanagement beim Hochwasser in Deutschland Leben retten können? Dies wird nun zumindest nach der Einschätzung einer renommierten Hydrologin in Deutschland diskutiert.

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Laut der britischen Hydrologin Hannah Cloke hätten mit besseren und früheren Warnungen in Deutschland Leben gerettet werden können.

Laut der britischen Hydrologin Hannah Cloke hätten mit besseren und früheren Warnungen in Deutschland Leben gerettet werden können.

AFP
Man habe ja schon früh gewusst, dass und wo Gefahren drohten.

Man habe ja schon früh gewusst, dass und wo Gefahren drohten.

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Viele Menschen in Deutschland bekamen erst sehr spät mit, welche Gefahren drohten.

Viele Menschen in Deutschland bekamen erst sehr spät mit, welche Gefahren drohten.

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Darum gehts

  • Eine britische Wissenschaftlerin erhebt Vorwürfe an die deutschen Behörden.

  • Man habe zu wenig intensiv gewarnt und zu wenige Evakuationen angeordnet.

  • In den Fluten sind bereits über 130 Menschen gestorben.

Die Anzahl der Todesopfer nach der Hochwasserkatastrophe in den deutschen Bundesländern Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat 130 überschritten und steigt fast stündlich weiter an. Hunderte Menschen werden noch vermisst.

Zumindest ein Teil der Opfer könnte noch leben, wenn der Katastrophenschutz besser funktioniert hätte, behauptet nun die Hydrologin Hannah Cloke von der britischen Universität Reading. Wie die «Bild»-Zeitung unter Berufung auf einen Beitrag von Cloke im Magazin «Politico» berichtet, macht sie den Behörden schwere Vorwürfe: Die hohe Zahl von Todesopfern sei auf ein «erhebliches Versagen des Systems» zurückzuführen. Sie hätte nicht erwartet, dass im Jahr 2021 so viele Menschen ums Leben kommen könnten.

Die europäische Flutwarnungsbehörde EFAS habe schon früh diese Woche eine Warnung wegen bevorstehender «extremer Überflutungen» erlassen. «Ich hätte erwartet, dass Menschen evakuiert werden», sagt sie im Beitrag. «Eine solche Warnung schreibt zwar keine Evakuierungen vor, das ist den jeweiligen Behörden überlassen. Doch wenn man weiss, dass und wo Todesgefahr droht, bereitet man sich auf Evakuierungen vor. So funktioniert das Krisenmanagement bei Katastrophen.» Im belgischen Lüttich wie auch in mehreren gefährdeten Ortschaften in Luxemburg wurden prophylaktisch Evakuierungen durchgeführt.

Viele der betroffenen Menschen hätten offensichtlich die Warnung nicht mitbekommen. «Der Anblick von Leuten, die durch tiefes Wasser fahren oder waten, erfüllt mich mit Schrecken. Das ist das Gefährlichste, was man in einer solchen Situation tun kann», so Cloke weiter.

Mit Lautsprecherwagen gewarnt

Wie die «Bild» weiter schreibt, betreibt das für Warnungen zuständige Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zwar eine Warn-App namens Nina, die auch eine Meldung angezeigt habe. Doch die App soll nur Systeme wie Sirenen oder Radiowarnungen ergänzen und erreiche gerade ältere, weniger bewegliche Menschen oft nicht.

Als löbliches Beispiel wird die Stadt Wuppertal genannt, wo die Sirenen heulten und Lautsprecherwagen herumfuhren, um die Menschen vor der drohenden Gefahr zu warnen. Im Lokalradio wurde eine entsprechende Sondersendung geschaltet.

Zudem habe am nationalen Warntag Ende September 2020, an dem die Systeme hätten getestet werden sollen, die Auslösung des Alarms versagt. Daraufhin räumte das BBK einen Fehlschlag ein und versprach, das Ganze werde nun analysiert und verbessert. Bundesinnenminister Horst Seehofer gelobte, den Bevölkerungsschutz in Deutschland zu stärken und das BBK neu aufzustellen. Um das Warnsystem zu erproben, wurde für September 2021 ein neuer Warntag anberaumt – und dann auf September 2022 verschoben.

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(trx)

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