20’000 Fälle pro Tag: Mutiertes Virus – das steckt hinter dem Horror-Szenario der Taskforce

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20’000 Fälle pro TagMutiertes Virus – das steckt hinter dem Horror-Szenario der Taskforce

Halbiert sich die Zahl der Neuansteckungen in der Schweiz nicht alle zwei Wochen, droht laut der Taskforce im Frühling eine Explosion der Fallzahlen. Ihr düsterstes Szenario rechnet mit 20 000 Neuinfektionen pro Tag.

von
Bettina Zanni
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Expertinnen und Experten in Grossbritannien gehen laut Taskforce-Chef Martin Ackermann davon aus, dass die neue Variante zwischen rund 40 und 70 Prozent ansteckender ist als die bisherigen Stämme von Sars-Cov-2. 

Expertinnen und Experten in Grossbritannien gehen laut Taskforce-Chef Martin Ackermann davon aus, dass die neue Variante zwischen rund 40 und 70 Prozent ansteckender ist als die bisherigen Stämme von Sars-Cov-2.

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Die neuen Mutationen tauchten zuerst in Südafrika und Grossbritannien auf. Aktuell seien in der Schweiz fünf Mutationen der Variante, wie sie in Grossbritannien aufgetreten ist, nachgewiesen worden, sagte Patrick Mathys, Leiter der Sektion für Krisenbewältigung im BAG, am Dienstag.

Die neuen Mutationen tauchten zuerst in Südafrika und Grossbritannien auf. Aktuell seien in der Schweiz fünf Mutationen der Variante, wie sie in Grossbritannien aufgetreten ist, nachgewiesen worden, sagte Patrick Mathys, Leiter der Sektion für Krisenbewältigung im BAG, am Dienstag.

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Würden sich die Fallzahlen alle vier Wochen halbieren (R-Wert 0,9), würden die Ansteckungszahlen laut diesem Modell im April in die Höhe schiessen: Bis zu 20 000 Neuansteckungen pro Tag wären möglich.

Würden sich die Fallzahlen alle vier Wochen halbieren (R-Wert 0,9), würden die Ansteckungszahlen laut diesem Modell im April in die Höhe schiessen: Bis zu 20 000 Neuansteckungen pro Tag wären möglich.

Screenshot/sciencetaskforce.ch

Darum gehts

  • Die neue Variante des Coronavirus ist zwischen rund 40 und 70 Prozent ansteckender.

  • Würden sich die Fallzahlen alle vier Wochen halbieren, würden die Ansteckungszahlen laut einem Modell der Taskforce im April in die Höhe schiessen.

  • Bis zu 20 000 Neuansteckungen pro Tag wären möglich.

  • Es müsse alles unternommen werden, damit die Fallzahlen alle zwei Wochen halbiert werden, fordert die Taskforce

Die Verbreitung der neuen Virus-Variante aus Grossbritannien und Südafrika beunruhigt die Experten des Bundes. Denn die Lage ist ohnehin schon angespannt, die Fallzahlen stagnieren auf hohem Niveau. Das Wichtigste im Überblick:

Wie viele Fälle des mutierten Coronavirus wurden in der Schweiz bisher festgestellt?

Die neuen Mutationen tauchten zuerst in Südafrika und Grossbritannien auf. Aktuell seien in der Schweiz fünf Mutationen der Variante, wie sie in Grossbritannien aufgetreten ist, nachgewiesen worden, sagte Patrick Mathys, Leiter der Sektion für Krisenbewältigung im Bundesamt für Gesundheit (BAG), am Dienstag. Bei der südafrikanischen Mutation stellte das BAG in der Schweiz einen Fall fest.

Wie gefährlich ist das mutierte Virus?

Expertinnen und Experten in Grossbritannien gehen laut Taskforce-Chef Martin Ackermann davon aus, dass die neue Variante zwischen rund 40 und 70 Prozent ansteckender ist als die bisherigen Stämme von Sars-Cov-2. Ob das Virus auch tödlicher ist, ist unklar.

Sind sechs nachgewiesene Fälle von Mutationen in der Schweiz beunruhigend?

Sechs bestätigte Fälle, was unter einem Prozent der Neuansteckungen entspricht, töne nicht nach besonders viel, sagte Martin Ackermann am Dienstag. Ein Blick auf das besonders betroffene London zeige aber, wie schnell sich die neuen Varianten ausbreiten könnten. Grossbritannien habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Mitte Dezember über die neue Variante informiert. «Heute wird diese schon bei einem Grossteil der Neuansteckungen im Grossraum London nachgewiesen.»

Mit welchem Horrorszenario rechnet die Taskforce in der Schweiz?

Das Taskforce erstellte ein Szenario (siehe Grafik unten), das Anfang Januar von rund 4000 bestätigten Fällen unter wesentlich gleichbleibenden Umständen ausgeht. Die Annahme: Rund ein Prozent der Infizierten in der Schweiz tragen das mutierte Virus in sich. Die mutierten Varianten übertragen sich mit einer 50 Prozent erhöhten Ansteckungsrate. Würden sich die Fallzahlen alle vier Wochen halbieren (R-Wert 0,9), würden die Ansteckungszahlen laut diesem Modell im April in die Höhe schiessen: Bis zu 20 000 Neuansteckungen pro Tag wären möglich.

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Wie kann das Horrorszenario verhindert werden?

Martin Ackermann betonte, dass die Taskforce bei der dringenden Empfehlung bleibe, eine Halbierung der Anzahl Infektionen alle zwei Wochen anzustreben. Das optimistischere Szenario (siehe Grafik unten) geht von einem schnellen Abfallen der Infektionen aus, sodass die Kurve der Neuinfektionen flach gehalten werden kann. «Auch auch in diesem Szenario steigt sie im Frühling wieder an», so Ackermann. Es müsse alles unternommen werden, damit die Fallzahlen alle zwei Wochen halbiert werden.

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Welche Massnahmen sollen umgesetzt werden?

Die Taskforce spricht sich für ein noch konsequenter und breiter angelegtes Testen aus. Auch begrüsst sie ein konsequentes Backward-Tracing. Dabei wird zurückverfolgt, wo sich eine infizierte Person angesteckt hat. Als weitere Handlungsoption zeigte die Taskforce eine Verschiebung des Schulstarts auf den 11. Januar auf.

Wird der Bundesrat diese Woche neue Verschärfungen beschliessen?

Heute Mittwoch zieht der Bundesrat eine Zwischenbilanz. In der Bewältigung einer Krise sei nie etwas aus Prinzip ausgeschlossen, sagte Gesundheitsminister Alain Berset (SP) am Montag an einer Medienkonferenz in Basel. «Wir müssen immer verschiedene Alternativen haben. Wir dürfen uns nicht in eine Situation begeben, in der wir keine Alternativen mehr haben. Aber ich glaube auch, dass es nichts bringt, wenn wir in dieser Woche härtere Massnahmen beschliessen.»
Am Mittwochmittag teilte der Bundesrat mit, dass es nicht zu Verschärfungen der Massnahmen komme. «Der Bundesrat sieht die aktuellen Beschränkungen als angemessen.» Am 6. Januar werde die Lage in der Schweiz neu beurteilt.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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