Mutige Matura-Arbeit: Undercover bei Sekte
Aktualisiert

Mutige Matura-Arbeit: Undercover bei Sekte

Die Kantischülerin Laura Büchi wollte sich für ihre Maturarbeit mit dem Thema Manipulation ausseinander setzten. Dazu schlich sie sich für 30 Tage bei der Toggenburger Sekte Adullam ein. Aus journalistischer Sicht hat sie für ihre Arbeit die Höchstnote verdient.

«Es war ein radikales Experiment, schon nach dem ersten Gottesdienst war ich emotional völlig von der Rolle», sagt die 17-jährige Laura Büchi. Die Mitglieder seien von der Aussenwelt abgeschottet und fixiert auf den Sektenführer Werner Arn.

«Er ist charismatisch, aber sehr bestimmend. Man kann sich ihm kaum entziehen», so Büchi. Heikel waren die Situationen, in denen der Guru mit der Schülerin über religiöse Themen diskutierte: «Die Bibel ist mir fremd – da musste ich schamlos Lügen.» Sie machte beim Beten und Singen mit und zog lange Röcke an. Einmal besuchte sie sogar die Ausbildungsstätte für Missionare. Trotz aller Kritik sieht Büchi auch Positives: «Vielleicht ist

extremer Bibelglaube besser als Selbstmordgedanken zu hegen.»

Adullam-Oberhaupt Arn war einst selber Sektenspezialist. Heute streben seine rund tausend Anhänger eine weltweite Präsenz an, so Georg Otto Schmid von Relinfo.ch. Damit solche Matura-Projekte nicht gefährlich würden, gebe es drei Bedingungen: Seriöse Vorbereitung, keine Lebenskrise, und dass man nicht zur Zielgruppe der Sekte gehöre. Die Erste sei Büchi aber mit ihrer Idee nicht: Er habe immer wieder entsprechende Anfragen, so Schmid. Ein Maturand wollte gar selber eine Sekte gründen – das Projekt scheiterte allerdings kläglich.

(bru/loo)

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