Pussy Riot vor Gericht: Mutiges Plädoyer der Musikerinnen
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Pussy Riot vor GerichtMutiges Plädoyer der Musikerinnen

Der Prozess gegen die Frauen-Band Pussy Riot in Russland wird erst am nächsten Freitag enden. Die drei Frauen wehren sich unterdessen heftig gegen den «politischen Prozess».

Mit einer mutigen Schlusserklärung haben sich die Musikerinnen der Punkband Pussy Riot dem Druck des russischen Staats entgegengestellt, sich von ihrem Protest gegen Präsident Wladimir Putin Anfang Februar in einer Moskauer Kathedrale zu distanzieren. Die des Rowdytums angeklagte Nadeschda Tolokonnikowa sagte am Mittwoch, das politische System habe Angst vor der Wahrheit und sie geniesse mehr Freiheit als ihre Ankläger, weil sie sagen könne, was sie wolle. Richterin Marina Syrowa kündigte die Urteilsverkündung für den 17. August an.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag drei Jahre Gefängnis wegen Hooliganismus aus religiösem Hass gefordert. Verteidigerin Violetta Wolkowa sagte dagegen am Mittwoch, ein Freispruch sei «die einzige Chance für die Richterin, das Gesicht zu wahren - nicht nur ihr eigenes, sondern für das gesamte russische politische System».

Der Prozess gegen die drei Pussys läuft

Mit zitternder Stimme sagte Tolokonnikowa: «Mit jedem Tag beginnt eine wachsende Zahl von Leuten zu erkennen, dass, wenn sich die politische Maschinerie gegen Mädchen wendet, die 40 Sekunden in der Christ-Erlöser-Kathedrale aufgetreten sind, das nur bedeutet, dass dieses politische System Angst vor der Wahrheit und unserer Ernsthaftigkeit hat.» Mit einem Blick auf die Ankläger sagte sie: «Wir haben mehr Freiheit als diese Leute von der Staatsanwaltschaft - weil wir sagen, was wir wollen.»

«Punk-Gebet» gegen Putin

Die 23-jährige Tolokonnikowa, die 24-jährige Jekaterina Samuzewitsch und die 29-jährige Maria Alechina hatten am 21. Februar in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale gegen Putin protestiert. Seit fünf Monaten sind sie inhaftiert. Mit Skimützen vermummt und in Minikleidern hatten sie ein «Punk-Gebet» vorgetragen: «Jungfrau Maria, Mutter Gottes, räume Putin aus dem Weg.» Für viele russisch-orthodoxe Gläubige war schon Kleidung und Vermummung Blasphemie. Der Vorfall spaltete die russische Gesellschaft und erregte internationales Aufsehen: Wie gehen der russische Staat und seine Justiz mit Meinungs- und Religionsfreiheit um?

Putin, gegen den Pussy Riot bereits im russischen Protestwinter auf dem Roten Platz demonstriert hatte, sagte am Rand der Olympischen Spiele vergangene Woche, die Strafe gegen die drei jungen Frauen sollte «nicht zu hart» ausfallen. Die Staatsanwaltschaft schien dem am Dienstag Folge zu leisten, indem sie statt der möglichen Höchststrafe von sieben Jahren drei Jahre Gefängnis forderte. Dabei sei mildernd berücksichtigt, das zwei der Frauen kleine Kinder hätten und sie ein gutes Führungszeugnis bekommen hätten. Verteidiger Nikolai Polosow sagte, Putins Äusserungen zeigten an, dass «er sie praktisch schon schuldig befunden hat».

Madonna mit «Pussy Riot» auf dem Rücken

Im Westen wird eine mehrjährige Haftstrafe als zu hart betrachtet. Die internationale Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Angeklagten als politische Gefangene bezeichnet. Prominente Musiker wie Pete Townshend von den Who, Neil Tennant von den Pet Shop Boys und Madonna haben ihre Freilassung gefordert.

Pop-Ikone Madonna hat bei ihrem Konzert in Moskau ihre Unterstützung für die russische Punkband Pussy Riot bekundet. Sie bete für die drei Musikerinnen, erklärte die Sängerin am Dienstagabend. Madonna kam bei ihrem Auftritt in Moskau am Dienstagabend mit einer Skimütze auf die Bühne, wie sie die Punkerinnen bei ihrem Protest trugen. Auf ihren Rücken hatte sie sich die Worte «Pussy Riot» schreiben lassen.

Quelle: Youtube/AuroraMassShooting

Quelle: Youtube/Anastasia Belova

Putin hatte bei seiner Äusserung in London durchblicken lassen, die angeklagten Frauen könnten froh sein, dass sie ihren Protest nicht im überwiegend muslimischen Kaukasus vorgetragen hätten. «Wenn sie einen heiligen islamischen Ort entweiht hätten, hätten wir nicht mal die Zeit gehabt, sie in Gewahrsam zu nehmen», sagte er.

Seitdem wird in Russland darüber spekuliert, was der Kreml für eine angemessene Strafe hält, die ihn nicht schwach erscheinen lässt und zugleich nicht neue Proteste anfacht. Auf dem Roten Platz sangen Pussy Riot im Winter: «Revolte in Russland, Putin bekommt Angst. Revolte in Russland, wir existieren!» Das Video wurde ein Hit auf der Internetplattform YouTube. (dapd)

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