Deutschland: Mutmasslicher Doppel-Polizistenmörder beschuldigt Komplizen
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DeutschlandMutmasslicher Doppel-Polizistenmörder beschuldigt Komplizen

Am 31. Januar wurden bei einer Verkehrskontrolle in Kusel zwei Beamte erschossen. Obwohl der 39-jährige Angeklagte als Hauptverdächtiger gilt, behauptet er, dass sein Komplize die tödlichen Schüsse abgegeben hat.

von
Benedikt Hollenstein
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Am Dienstag begann in Kaiserslautern der Prozess gegen den mutmasslichen Polizistenmörder und seinen Komplizen.

Am Dienstag begann in Kaiserslautern der Prozess gegen den mutmasslichen Polizistenmörder und seinen Komplizen.

AFP
Gleich am ersten Tag sorgte Andreas S. mit der Aussage, dass sein Gehilfe Florian V. für die tödlichen Schüsse verantwortlich sei, für Aufsehen.

Gleich am ersten Tag sorgte Andreas S. mit der Aussage, dass sein Gehilfe Florian V. für die tödlichen Schüsse verantwortlich sei, für Aufsehen.

Polizei
Am 31. Januar 2022 wurden in Kusel bei einer Polizeikontrolle zwei Beamte erschossen.

Am 31. Januar 2022 wurden in Kusel bei einer Polizeikontrolle zwei Beamte erschossen.

AFP

Darum gehts

Es war eine skrupellose Bluttat, ausgelöst durch eine routinemässige Verkehrskontrolle: Am 31. Januar erschossen zwei Männer einen 29-jährigen Polizisten sowie eine 24-jährige Polizeianwärterin, nachdem diese bei der Kontrolle im Fahrzeug mutmasslich gewilderte Tierkörper entdeckt hatten. Der 24-Jährigen wurde aus kurzer Distanz mit einer Schrotflinte ins Gesicht geschossen, ihr Kollege konnte das Feuer der Wilderer zunächst erwidern, wurde danach aber auch tödlich getroffen. 

Ab Dienstag müssen sich die beiden mutmasslichen Täter nun vor Gericht verantworten, ihnen wird der heimtückische Mord an den beiden Beamten vorgeworfen. Der Hauptverdächtige Andreas S. erschien kurz nach neun Uhr im Schwurgerichtssaal in Kaiserslautern und sorgte zum Prozessauftakt auch gleich für eine erste Überraschung.

Kopfschuss mit Schrotflinte

Im Vorfeld des Prozesses hatte der zweite Angeklagte Florian V. in mehreren Verhören umfangreiche Geständnisse abgelegt, laut denen sein Auftraggeber beide Polizisten mit einer Schrotflinte und einem Jagdgewehr erschossen habe. Diese Darstellung dementierte der 39-jährige Andreas S. entschieden. So soll sein Gehilfe Florian V. ohne Vorwarnung zur Schrotflinte gegriffen und das Feuer auf die Polizeianwärterin eröffnet haben. Danach soll der Jagdgehilfe auch noch einen Schuss auf den zweiten Beamten vor Ort abgegeben haben, wie der «Focus» berichtet.

Laut der Schilderung des Hauptangeklagten habe dieser dann bemerkt, dass jemand Schüsse auf seinen mit mehr als 20 erlegten Wildtieren gefüllten Kastenwagen abgab. Andreas S. griff darum zum Jagdgewehr und soll gemäss eigener Aussage drei Schüsse abgefeuert haben. «Herr S. wollte einfach nur, dass das Feuer auf ihn aufhört», so sein Verteidiger. Dass es sich beim Schützen um einen uniformierten Polizisten gehandelt hatte, will S. erst bemerkt haben, als er in einem Feldstück seine Leiche entdeckte.

Komplize unter Drogeneinfluss?

Vor dem Gericht beharrt der 39-Jährige darauf, dass er anschliessend einen weiteren Knall gehört und entsetzt festgestellt habe, dass Florian V. mit der Schrotflinte auch die schwer verletzte Anwärterin getötet hatte. Falls diese Schilderung der Ereignisse tatsächlich den Geschehnissen des 31. Januar entsprechen würden, so hätte der Hauptangeklagte vielleicht aus Notwehr gehandelt. Beim Prozess zeichnete Andreas S. von Florian V. denn auch das Bild eines Drogenhändlers, immer wieder soll dieser bei den illegalen Jagden unter Drogeneinfluss gestanden haben.

Die bisherigen Erkenntnisse aus den Ermittlungen sowie die Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchung zeichnen derweil ein anderes Bild. Andreas S., der unter anderem auch schon wegen ausbleibender Lohnzahlungen bei seiner Bäckerei und mutmasslichen Betrugs bei den Behörden aufgefallen war, soll als alleiniger Täter gehandelt haben. Durch seine adverse Haltung dürfte der Prozess einiges an Zeit in Anspruch nehmen. 

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