Mutmasslicher Drahtzieher des Politjkowskaja-Mordes wird Präsident

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Mutmasslicher Drahtzieher des Politjkowskaja-Mordes wird Präsident

Der von Moskau unterstützte Ramsan Kadyrow hat offiziell sein Amt als Präsident der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien angetreten.

Der Sohn des vor knapp drei Jahren ermordeten Präsidenten Achmad Kadyrow legte am Donnerstag seinen Amtseid ab, nachdem er bereits im Februar kommissarisch zum Staatschef ernannt worden war. Seinen Vorgänger Alu Alchanow hatte der russische Präsident Wladimir Putin entlassen.

Nach seiner Vereidigung sagte der 30-jährige Kadyrow, er wolle Tschetschenien zu Frieden und Wirtschaftswachstum verhelfen. Tschetschenien werde immer ein Teil Russlands bleiben. «Unser Wohlergehen ist ausgeschlossen ohne ein starkes und stabiles Russland», sagte Kadyrow, der seit längerem als der starke Mann in Tschetschenien gilt.

Menschenrechtsgruppen machen Kadyrow für die Verschleppung und Inhaftierung von Zivilpersonen und mutmasslichen separatistischen Rebellen verantwortlich. Sein Name wurde auch in Zusammenhang mit der Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja im Oktober vergangenen Jahres genannt. Politkowskaja hatte kritische Artikel über die vom Kreml gestützten tschetschenischen Behörden geschrieben. Kadyrow hat jede Verwicklung in den Mord zurückgewiesen.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte machte Russland unterdessen für das Verschwinden eines Tschetschenen verantwortlich, von dem seit einer Militäroffensive vor sieben Jahren jede Spur fehlt. Die russische Regierung habe den Fall ausserdem nicht ausreichend untersucht, bemängelten die Strassburger Richter am Donnerstag. Sie sprachen der Frau des Vermissten eine Entschädigung von 52.000 Euro und Anspruch auf die Rückerstattung von Gerichtskosten in Höhe von fast 13.000 Euro zu. (dapd)

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