Mutmasslicher NS-Verbrecher im September vor Gericht
Aktualisiert

Mutmasslicher NS-Verbrecher im September vor Gericht

München In einem der vermutlich letzten NS-Prozesse muss sich Ladislav Niznansky vom 9. September an in München vor Gericht verantworten. Gemäss der Staatsanwaltschaft vom Freitag lautet die Anklage vor dem Landgericht auf Mord in 164 Fällen.

Niznansky soll im Zweiten Weltkrieg für zwei Massaker in der damaligen Slowakei verantwortlich gewesen sein. Der 86-Jährige war im Januar in München verhaftet worden. Im März wurde Anklage erhoben.

Das Landgericht München I habe nun die Anklage gegen den Greis zugelassen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Freitag. Für den Prozess seien zunächst 20 Verhandlungstage geplant.

Als Kommandant der berüchtigten «Edelweiss»-Spezial-Einheit zur Partisanen-Bekämpfung soll der gebürtige Slowake im Januar 1945 in den Orten Ostry Grun und Klak an der Erschiessung von 146 Menschen beteiligt gewesen sein. Zu den Opfern gehörten Frauen und Kinder.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatte Niznansky vor dem Einsatz den Befehl gegeben, dass niemand entkommen dürfe. Bei dem Massaker soll er auch selbst 20 Menschen erschossen haben.

Ausserdem soll Niznansky im Februar 1945 in einem Tal bei dem Ort Ksinna die Erschiessung von 18 wehrlosen jüdischen Zivilisten befohlen haben, die sich in Erdbunkern versteckt hatten. Er soll dazu ein Hinrichtungskommando zusammengestellt haben.

Niznansky besass früher die slowakische Staatsbürgerschaft. Seit 1996 ist er Deutscher. 1962 war er durch ein slowakisches Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden.

Nach seiner Verhaftung in München hatte die Slowakei auf einen Antrag zur Auslieferung verzichtet mit der Begründung, dass man Niznansky als deutschen Staatsbürger nicht vor ein slowakisches Gericht stellen könne.

(sda)

Deine Meinung