Mutmasslicher V-Mann Covassi sagt aus
Aktualisiert

Mutmasslicher V-Mann Covassi sagt aus

Überraschung in der Affäre um den angeblichen V-Mann Claude Covassi: Der 36-Jährige ist endlich von der Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) der Eidg. Räte angehört worden.

Covassi sei mit seinem Anwalt zu der Anhörung erschienen, bestätigte Ständerat Hans Hofmann (SVP/ZH), Präsident der GPDel, einen Bericht des «Blick» vom Mittwoch. Covassi, der für den Inlandgeheimdienst im Islamischen Zentrum Genf spioniert haben will, wurde während rund anderthalb Stunden befragt.

Zwei früheren Vorladungen der GPDel für den 5. Juli und für den 28. und 29. August hatte Covassi nicht Folge geleistet. Gründe für sein Fernbleiben nannte er damals nicht. Die GPDel beschloss daraufhin Ende August, den Genfer nicht mehr anzuhören. Nun ist sie auf ihren Entscheid zurückgekommen.

Eine dritte Chance

Covassi sei im November aus dem Ausland in die Schweiz zurückgekehrt und habe erneut um eine Anhörung gebeten, sagte GPDel- Sekretär Philippe Schwab auf Anfrage. Dabei habe er Angaben gemacht, die die Geschäftsprüfungsdelegation veranlasst hätten, ihm eine dritte Chance zu geben.

Weitergehende Angaben wollten weder Hofmann noch Schwab machen. Die GPDel werde nun ihre Untersuchung über die angebliche Spionagetätigkeit Covassis für den Inlandgeheimdienst abschliessen und danach über den Fall informieren, sagte Hofmann.

Spionage und Kompromittierung

Die Affäre war im vergangenen Frühling von Covassi selber ausgelöst worden. Der 36-jährige Genfer hatte gegenüber verschiedenen Medien erklärt, für den Inlandgeheimdienst (DAP) das Islamische Zentrum in Genf ausspioniert zu haben. Er habe dabei auch dem Leiter des Zentrums, Hani Ramadan, Verbindungen zu radikal- islamistischen Terroristen unterschieben sollen.

Covassi hatte jeweils erklärt, es gehe ihm darum zu zeigen, dass die Geheimdienste der Schweiz mit illegalen Methoden arbeiteten. Für diese Tätigkeit habe er Beweise, die er der GPDel vorlegen wolle. Covassi hatte die Schweiz nach Bekanntwerden seines «Geständnisses» verlassen.

Er kehrte auch nicht zurück, als am 27. Juni über seine Verwicklung in einen Fall von Anabolika-Handel verhandelt wurde. Covassi wurde in diesem Prozess in erster Instanz zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.

Strafanzeige von Ramadan

Hängig ist derzeit auch eine Strafanzeige gegen Unbekannt, die Hani Ramadan, der Leiter des Genfer Islamzentrums, Anfang Dezember eingereicht hat. Er will wissen, ob der Inlandgeheimdienst versucht hat, ihm eine Falle zu stellen. Die Anzeige lautet auf falsche Anschuldigung, Irreführung der Justiz, Amtsmissbrauch und Urkundenfälschung im Amt.

Der Inlandgeheimdienst, der so genannte Dienst für Analyse und Prävention, untersteht dem Eidg. Justiz- und Polizeidepartement von Christoph Blocher. Das Gegenstück zum DAP ist der Strategische Nachrichtendienst als Auslandgeheimdienst. Dieser untersteht dem Eidg. Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport von Samuel Schmid. (sda)

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