Aktualisiert 04.03.2011 13:04

Alessia und LiviaMutter der Zwillinge gibt nicht auf

Die Mutter der vermissten Zwillinge bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche. Man solle sich beim geringsten Verdacht bei der Polizei melden.

Zwei Wochen nach ihrer Entführung herrscht über das Schicksal der sechsjährigen Waadtländer Zwillinge Alessia und Livia weiterhin Unklarheit. Am Wochenende suchte die Polizei in Korsika und auch in Italien nach den verschwundenen Mädchen.

Die Mutter der Zwillingsschwestern wandte sich am Sonntag auf dem Flughafen von Ajaccio erneut mit einem Aufruf an die Medien. Sie bat die Bevölkerung, mit der Polizei zusammenzuarbeiten: «Ich bitte Sie, rufen Sie die Polizei an, auch wenn Sie Zweifel haben oder wenn die Hinweise gering erscheinen.»

«Rufen Sie die Polizei an»

Die Mutter und ihr Bruder waren am Sonntag auf Korsika eingetroffen. Mit einem Polizeihelikopter wurden sie von der französischen Polizei über die Insel geflogen, um diverse Orte nach Spuren der Kinder abzusuchen.

Sie habe nur wenig gesehen, sagte die Mutter nach dem Flug. Sie hatte zwei Plüschtiere ihrer Kinder bei sich, und sie gab sich überzeugt, dass die Kinder noch leben. Sie seien lebend auf Korsika gesehen worden. Nach der Pressekonferenz verliess sie die Insel in einem Privatflugzeug mit unbekanntem Ziel.

Schwerpunkt der Suche war am Wochenende der Norden der Insel. Dort hatte der Vater, der seine Kinder am 30. Januar in St-Sulpice VD entführt hatte, die Insel mit einer Fähre wieder in Richtung Festland verlassen - offenbar ohne Kinder.

Zeugen erwähnen blonde Frau

In Macinaggio im Norden Korsikas hatte die Familie in der Vergangenheit Ferien gemacht. Zudem meldeten sich bei der italienischen Polizei mehrere Zeugen, welche die Zwillinge im Norden Korsikas in Begleitung einer blonden Frau gesehen haben.

Schon vergangene Woche waren Hinweise eingegangen, dass im Süden der Insel eine blonde Frau zusammen mit den Kindern gesehen worden sei. Die Aussagen der Zeugen werden aufgrund der gemachten Beschreibungen und Zeitangaben als glaubwürdig eingestuft.

Bei der Suche auf Korsika helfen auch zwei Beamte der Waadtländer Polizei sowie Kollegen der Polizei von Marseille. Die Ermittler schliessen noch immer nicht aus, dass der Vater möglicherweise die Leichen der Mädchen auf Korsika vergraben haben könnte.

In einem Brief hatte der Vater kurz vor seinem Selbstmord von der Tötung der Mädchen geschrieben.

Zeuge aus Ascoli

Der Augenzeugenbericht eines Barmannes aus Ascoli in Mittelitalien stellt dieses Szenario allerdings in Frage. Der Mann sagte aus, er habe den Vater und die Mädchen am 2. Februar gesehen. Fünf Gäste seiner Bar hätten seine Beobachtung bestätigt. Aus der Region um Ascoli stammt die Mutter der Zwillinge.

Andere Hinweise wecken aber auch an diesen Schilderungen Zweifel. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen wurde der Vater in Frankreich mehrmals von Überwachungskameras gefilmt. Doch auf keinem dieser Bilder sind die Mädchen zu sehen.

Deswegen gibt es auch Spekulationen, wonach der 43-Jährige die Kinder noch vor seiner Abreise bereits in der Schweiz umgebracht haben könnte. Etwa fand die Polizei die Auto-Kindersitze und Kuscheltiere der Mädchen im Haus des Vaters in St-Sulpice. Auch die Ausweise liess er zurück.

Aufschluss über Aufenthaltsorte des Vaters bis zu dessen Tod könnte das Navigationsgerät geben, das er unterwegs benutzt hatte. Nach dem Selbstmord des Vaters im süditalienischen Cerignola am 3. Februar wurde zwar das Auto gefunden, aber ohne das Gerät. Die italienische Polizei suchte in Cerignola danach.

(sda)

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