Drama in Berlin: Mutter des getöteten Babys geständig
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Drama in BerlinMutter des getöteten Babys geständig

Am Sonntag hatte eine Frau einen Säugling aus dem Fenster im fünften Stock geworfen. Sie hat die Tat gestanden. Die Obduktion hat inzwischen ergeben, dass der Junge vor dem Sturz noch lebte.

Polizeibeamte stehen am Sonntag 20. November 2011 in Berlin-Charlottenburg vor der Wohnung, aus der ein Baby geworfen wurde.

Polizeibeamte stehen am Sonntag 20. November 2011 in Berlin-Charlottenburg vor der Wohnung, aus der ein Baby geworfen wurde.

Die Mutter des am Sonntag in einem Innenhof in Berlin-Charlottenburg tot aufgefundenen Babys hat gestanden, das Kind in ihrer Wohnung zur Welt gebracht und wenige Stunden später aus dem Fenster im fünften Stock geworfen zu haben. «Es wird wegen Totschlags ermittelt. Die 40-Jährige muss zunächst wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft bleiben», sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, auf dapd-Anfrage.

Die Obduktion des Babys hatte ergeben, dass der Junge vor dem Sturz noch lebte und der Aufprall zum Tod führte. «Zu dem Motiv der Tat haben wir zwar neue Erkenntnisse, die aber sehr privater Natur sind. Deshalb werden wir uns dazu nicht äussern», sagte ein Polizeisprecher. Anwohnern zufolge hatte die Frau versucht, ihre Schwangerschaft zu verstecken.

Ein 67-jähriger Bewohner des Mietshauses hatte die Leiche des Babys am Sonntag entdeckt, als er um 8.30 Uhr den Müll hinunterbringen wollte. Der tote Säugling lag nach Polizeiangaben in einer blauen Plastiktüte. Die Ermittlungen führten schnell zur Familie der Tatverdächtigen. So wurde das Kind direkt unter den Fenstern der Wohnung der Mutter gefunden. Vor der Wohnungstür wurden blutverschmierte Tücher entdeckt. Ein Spezialeinsatzkommando nahm die Mutter, ihren 44-jährigen Lebensgefährten und ihre 15-jährige Tochter fest.

Lebensgefährte wieder freigelassen

Der Mann, der offenbar der Vater des getöteten Kindes ist, wurde am Sonntagabend wie auch die 15-jährige Tochter wieder freigelassen. Der Lebensgefährte ist den Ermittlern zufolge bereits aufgrund von Gewaltdelikten polizeibekannt. Dabei soll es auch um Kindesmisshandlung gehen. Die Tochter kam laut Polizei bei Verwandten unter.

Erst im vergangenen Jahr hatte eine 20-jährige Frau ihr Neugeborenes in Charlottenburg aus dem Fenster ihrer Wohnung im ersten Stock geworfen. Nachbarn fanden den nackten Säugling am zweiten Weihnachtstag im Schnee und übergaben ihn Ärzten. Der Junge starb einen Tag später an den Folgen einer massiven Unterkühlung. Die Mutter, die als Motiv Überforderung angab, wurde im Juni wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. (dapd)

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