Morges VD: Mutter entführte Camille vor 11 Jahren – die Schweiz lieferte sie nun an Frankreich aus

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Morges VDMutter entführte Camille vor 11 Jahren – die Schweiz lieferte sie nun an Frankreich aus

Camille war erst fünf Jahre alt, als die Französin Priscilla M. mit ihr in den Kanton Waadt flüchtete. Die Mutter wurde am Dienstag an Frankreich ausgeliefert.

von
Karin Leuthold
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Ein Bild aus dem Jahre 2011: Camille war erst fünf Jahre alt, als sie verschwand.

Ein Bild aus dem Jahre 2011: Camille war erst fünf Jahre alt, als sie verschwand.

Twitter/116000 Enfants Disparus
Am 22. Februar 2022 wurde sie in Morges VD wiedergefunden. 

Am 22. Februar 2022 wurde sie in Morges VD wiedergefunden. 

Titelblatt Var-Matin
Am 2. August lieferte die Schweizer Justiz ihre Mutter an Frankreich aus, die heute 16 Jahre alte Camille bleibt vorerst in der Schweiz. Sie will nicht zu ihrem Vater zurückkehren.

Am 2. August lieferte die Schweizer Justiz ihre Mutter an Frankreich aus, die heute 16 Jahre alte Camille bleibt vorerst in der Schweiz. Sie will nicht zu ihrem Vater zurückkehren.

Twitter/116000 Enfants Disparus

Darum gehts

  • Camille wurde im Alter von fünf Jahren von ihrer Mutter in die Schweiz entführt.

  • Im vergangenen Februar entdeckte sie die Schweizer Polizei.

  • Ihre Mutter kam in Untersuchungshaft, Camille wurde unter Beistandschaft gestellt.

Die Schweiz hat am Dienstag eine seit elf Jahren flüchtige französische Staatsangehörige an Frankreich ausgeliefert. Wie «Le Matin» schreibt, handelt es sich dabei um die Mutter von Camille. Priscilla M. war 2011, im Rechtsstreit mit ihrem Ex-Mann, mit der damals fünfjährigen Tochter aus ihrer Heimat geflohen. Die Mutter hatte sich mit dem Kind im Kanton Waadt niedergelassen, um einer strafrechtlichen Verurteilung zu entgehen. Am 22. Februar wurde die Flüchtige jedoch in der Region Morges aufgefunden – durch eine banale Verkehrskontrolle wurde sie schliesslich identifiziert.

Die französische Justiz hatte die Frau wegen Kindesentzug und Verleumdung zu sechs Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Da das erste Urteil bereits verjährt ist, hat die verurteilte Priscilla M. noch fünf Jahre zu verbüssen. 

Camille will nicht zum Vater

Die Mutter von Camille, die seit der Festnahme über fünf Monate im Gefängnis La Tuilière in Lonay VD in Untersuchungshaft sass, wurde nun den französischen Behörden übergeben. Ihre Tochter aber bleibt in der Schweiz: Mitte März hatte das Friedensgericht in Morges angeordnet, dass das Mädchen das Land vorerst nicht verlassen darf, Camille geht in Morges zur Schule. 

Seit sie gefunden wurde, hat ihr Vater Alain Chauvet, der in der Nähe von Paris lebt, noch immer keinen Kontakt zu ihr aufnehmen dürfen, ausser durch Briefe, die er ihr geschrieben hat und die ihr übermittelt wurden. Wie «24 Heures» berichtet, erklärte die Teenagerin vor Gericht, sie wolle ihren Vater nicht treffen und auch nicht mit ihm nach Frankreich zurückkehren. Camille wurde unter Beistandschaft gestellt.

«Man hat ihr beigebracht zu lügen»

Camilles Vater, ein Militäringenieur, sprach in einem Interview vergangenen März mit dem französischen Sender BFMTV von einer «religiösen und sektiererischen Einflussnahme», in der seine Tochter jahrelang gefangen sei: «Man hat ihr beigebracht zu lügen. Man hat ihr beigebracht, die Polizei zu meiden. Stellen Sie sich die Erziehung eines Kindes vor. Man hat ihr alles beigebracht, was man nicht tun sollte», sagte Chauvet. 

Priscilla M. und ihr Ex-Mann hatten sich 2008 getrennt und während drei Jahren das Sorgerecht um Camille geteilt, bevor M. mit der gemeinsamen Tochter verschwand. 

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