Vorsätzliche Tötung: Mutter erstickte Sohn: Acht Jahre Freiheitsstrafe
Aktualisiert

Vorsätzliche TötungMutter erstickte Sohn: Acht Jahre Freiheitsstrafe

Das Basler Strafgericht hat am Freitag eine Frau, die im Dezember 2005 in Riehen BS ihren 12-jährigen Sohn getötet hatte, der vorsätzlichen Tötung schuldig gesprochen. Es verurteilte sie zu acht Jahren Freiheitsstrafe.

Die 54-jährige Frau hatte während der Mittagsstunden des 2. Dezember 2005 ihren Sohn mit einer Haushaltleine erdrosselt und mit den Händen erwürgt. Der Bub starb an Ersticken. Nach der Tötung versuchte die Frau auf verschiedene Weise, sich selbst umzubringen; Polizei und Sanität fanden sie in der Badewanne mit einem Plastiksack über dem Kopf und mehreren Elektrogeräten im Wasser.

Die Frau lebte vom Ehemann und Vater des Sohnes getrennt und befand sich in einer labilen psychischen Verfassung; sie hatte sich in einer ausweglosen Situation gesehen, um ihren Arbeitsplatz gefürchtet und Angst vor der Einweisung in eine stationäre Therapie gehabt. Das Gericht ging von einer grossen seelischen Belastung aus.

Nicht entschuldbar

Eine dadurch begründete Entschuldbarkeit verneinte das Gericht jedoch. Das Gefühl der Ausweglosigkeit habe sich aus der psychischen Verfassung der Frau ergeben, doch die äusseren Umstände hätten die Lage nicht aussichtslos erscheinen lassen, hielt die Gerichtspräsidentin in der mündlichen Begründung fest. Das Gericht gelangte deshalb zu einem Schuldspruch wegen vorsätzlicher Tötung.

Zudem sei das Opfer keine hilflose Person gewesen, die ohne die Angeklagte völlig allein gewesen wäre, sagte die Präsidentin weiter. Die Betreuung des Sohnes wäre auch bei einem Spitalaufenthalt der Mutter gewährleistet gewesen. Die Frau konnte auf die Unterstützung durch den Vater des Kindes und ihren Bekanntenkreis zählen.

Tiefe Verzweiflung

Die Frau selbst hatte geltend gemacht, sie habe den Sohn aus tiefster Verzweiflung umgebracht. Mit dem Urteil folgte das Gericht aber dem Antrag des Staatsanwaltes. Im Strafmass von acht Jahren ist eine leichtgradige Verminderung der Zurechnungsfähigkeit berücksichtigt, wobei sich das Gericht auf ein Gutachten stützte.

Die Verteidigung hatte auf den milderen Tatbestand des Totschlags und vier Jahre Freiheitsstrafe plädiert. Der Vater des Buben hatte auf Forderungen verzichtet. Die Angeklagte befindet sich seit dem Tattag in Haft und hat im Frühling 2006 den vorläufigen Strafvollzug angetreten. (sda)

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