Femizid in Schafisheim AG: Mutter F. B. (44) stirbt nach häuslicher Gewalt im Spital
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Femizid in Schafisheim AGMutter F. B. (44) stirbt nach häuslicher Gewalt im Spital

Nachdem F. B. in einem Haus in Schafisheim von Sanitätern reanimiert wurde, ist die 44-Jährige nun im Spital verstorben. Für den Ehemann wurde U-Haft angeordnet.

von
Monira Djurdjevic
Dafina Eshrefi
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In der Nacht auf Freitag versuchte der 46-jährige N. B. mutmasslich seine Ehefrau zu töten.

In der Nacht auf Freitag versuchte der 46-jährige N. B. mutmasslich seine Ehefrau zu töten.

In diesem Haus hat der Ehemann (46) in der Nacht auf Freitag mutmasslich seine Frau (44) versucht zu töten.

In diesem Haus hat der Ehemann (46) in der Nacht auf Freitag mutmasslich seine Frau (44) versucht zu töten.

20m/Lynn Sachs
Die Frau wurde von der Sanität leblos vorgefunden, konnte aber reanimiert werden.

Die Frau wurde von der Sanität leblos vorgefunden, konnte aber reanimiert werden.

20m/Lynn Sachs

Darum gehts

  • In Schafisheim AG ist es am Freitag kurz nach Mitternacht zu einem Tötungsdelikt gekommen.

  • Die Frau befand sich auf der Intensivstation und ist an ihren Verletzungen gestorben.

  • Ihr Ehemann N. B. liess sich in der Tatnacht widerstandslos festnehmen.

Nach einem schweren Fall von häuslicher Gewalt in Schafisheim AG musste die 44-jährige Mutter F. B.* von den Rettungskräften reanimiert werden. Nun ist sie im Spital verstorben. «Wir haben gerade erst davon erfahren und sind alle am Boden zerstört», sagen Verwandte. Fiona Strebel, Sprecherin bei der Staatsanwaltschaft Aargau, bestätigt auf Anfrage, dass das Opfer inzwischen verstorben ist. «Wir haben es nun mit einem Tötungsdelikt zu tun. Eine Obduktion wurde angeordnet.»

Laut Polizei ist der mutmassliche Täter der Ehemann N. B.* (46). Die Staatsanwaltschaft hatte U-Haft beantragt. «Das Zwangsmassnahmengericht hat unseren Antrag gutgeheissen und Untersuchungshaft für die vorläufige Dauer von drei Monaten angeordnet.» Hintergrund und Hergang der Tat seien Gegenstand der laufenden Ermittlungen, so Strebel. «Der Ehemann ist im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt nicht vorbestraft. Bei der Staatsanwaltschaft ist nichts aktenkundig.»

Eines der Kinder setzte Notruf ab

Laut der Kantonspolizei Aargau hat am Freitag kurz nach Mitternacht eines der Kinder einen Notruf abgesetzt. Vor Ort fanden die Rettungskräfte eine leblose Frau im Bett vor. Der Sanität gelang es in der Folge, sie zu reanimieren. Der Ehemann N. B. liess sich widerstandslos festnehmen.

Femizid

Der Duden definiert Femizid als «tödliche Gewalt gegen eine Frau oder Frauen aufgrund des Geschlechts». Der Begriff stammt ursprünglich aus den USA, wurde aber um die Jahrtausendwende von lateinamerikanischen Aktivistinnen aufgenommen. Schätzungen gehen davon aus, dass in Lateinamerika alle zwei Stunden eine Frau durch einen Mann getötet wird. Die Definition in der spanischen Sprache geht noch ein Stück weiter als der deutsche Duden: Ein «Feminicidio» bezeichnet die Ermordung einer Frau durch einen Mann wegen «Machismo» oder Frauenfeindlichkeit.

Jede Woche erfolgt in der Schweiz ein Tötungsversuch in Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Alle zwei Wochen stirbt eine Frau, durchschnittlich sind es 25 Personen pro Jahr, die infolge häuslicher Gewalt ihr Leben verlieren. Das zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik für die Jahre 2009 bis 2018.

Ein Verwandter von F. B.* ist fassungslos. Die Familie habe immer einen glücklichen Eindruck gemacht, sagt er nach der Tat. «Sie haben zwei Töchter und einen Sohn. Sie gingen miteinander sehr liebevoll um.» Auch auf Facebook postete N. B. regelmässig Bilder von seiner Frau und den Kindern. Laut eines Cousins des mutmasslichen Täters steht die komplette Familie im Kosovo unter Schock. Er selbst kenne F. B. schon lange. «Wir sind alle zusammen aufgewachsen.» Von Eheproblemen sei nie die Rede gewesen, sagen mehrere Verwandte.

*Name der Redaktion bekannt

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirche

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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