05.08.2020 10:38

Tutanchamun-AusstellungMutter muss für Baby 5.60 Franken Eintritt bezahlen

Eine Mutter musste Eintritt bezahlen, damit sie ihr sieben Wochen altes Baby in die Tutanchamun-Ausstellung in Zürich mitnehmen durfte. Sie findet das familienfeindlich.

von
Anja Zobrist
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Die beliebte Ausstellung wollte eine Leserreporterin am Dienstag mit ihren drei kleinen Kindern besuchen. Die Vorfreude wurde jedoch getrübt. (Symbolbild)
Die beliebte Ausstellung wollte eine Leserreporterin am Dienstag mit ihren drei kleinen Kindern besuchen. Die Vorfreude wurde jedoch getrübt. (Symbolbild)
Roland Schmid
Sie war erstaunt, dass sie für ihr sieben Wochen altes Baby ebenfalls Eintritt zahlen musste.
Sie war erstaunt, dass sie für ihr sieben Wochen altes Baby ebenfalls Eintritt zahlen musste.
Leserreporter
Bei anderen Kulturveranstaltungen habe sie die Erfahrung gemacht, dass kleine Kinder meist gratis dabei seien.
Bei anderen Kulturveranstaltungen habe sie die Erfahrung gemacht, dass kleine Kinder meist gratis dabei seien.
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Darum gehts

  • Eine Leserreporterin musste für ihren Säugling eine Eintrittskarte für eine Ausstellung kaufen.

  • Der Veranstalter begründet die Preispolitik mit der Corona-Pandemie.

  • Das Baby hat die Ausstellung verpasst, weil es geschlafen hat.

Der König von Ägypten weilt gerade in Zürich. Zumindest sein Grab und die hinterbliebenen Schätze. Rund 1000 Rekonstruktionen des Schatzes können in der Halle 622 bestaunt werden. Die beliebte Ausstellung wollte eine Leserreporterin am Dienstag mit ihren drei kleinen Kindern besuchen.

Die Vorfreude wurde jedoch getrübt, als sie sah, dass sie für ihr sieben Wochen altes Baby sowie ihre anderen zwei kleinen Kinder ebenfalls Eintritt zahlen musste – 5.60 Franken für jedes Kind unter sechs Jahren. «Das konnte ich kaum glauben. Tutanchamun würde sich im Grabe umdrehen. Ein Säugling bekommt nun wirklich nicht viel mit von einer Ausstellung. Der Baby-Eintritt grenzt an Abzocke.» Bei anderen Kulturveranstaltungen habe sie die Erfahrung gemacht, dass kleine Kinder meist gratis dabei sein können.

Corona-Aufschlag

Darko Soolfrank, Gründer der MAAG Music&Arts AG und Veranstalter der Ausstellung, begründet die Preispolitik mit der Corona-Pandemie: «Aufgrund des Coronavirus muss jede Person im Raum registriert sein und braucht deshalb ein Ticket.» Ein Ausstellungs-Slot dürfe nicht überbucht werden. Dieser Aufwand verursache zusätzliche Kosten.

«Damit wir jederzeit wissen, wie viele Personen sich in der Ausstellung befinden, muss jede Person ein elektronisches Ticket lösen. Dies betrifft nun aufgrund des Schutzkonzeptes auch Kleinkinder», sagt Soolfrank. «Die 4 Franken beinhalten den Eintritt beziehungsweise die Registration aufgrund des Coronavirus.» Hinzu komme eine System- und Servicegebühr von 1.60 Franken.

Veranstalter verteidigt Preise

Soolfrank findet die Ticketpreise für Kinder bis fünf Jahre berechtigt. «Wir hätten auch einen Eintritt von 17 Franken bis zu 16 Jahren verlangen können, so, wie es manch andere Veranstalter machen. Wir haben uns aber für einen zusätzlichen Kleinkinder-Tarif entschieden, der wenigstens unseren Aufwand deckt.

«Wir empfehlen Besucherinnen und Besuchern, die kein Verständnis für die coronabedingte Eintrittsgebühr für Kleinkinder aufbringen können, wenn möglich das Kind für die Besuchsdauer in Obhut zu geben.»

Das Baby hat die Ausstellung verpasst, weil es geschlafen hat. Doch die Leserreporterin ist sich sicher: «Im Unterbewusstsein hat es bestimmt dazugelernt.» Die Ausstellung fand sie aber toll gemacht: «Die rekonstruierte Grabkammer versetzt einen in die Zeit der alten Ägypter.»

Tutanchamun

Er gehört wohl zu den jüngsten Königen der Geschichte: Tutanchamun (circa 1332 bis 1323 v. Chr.) bestieg im Alter von neun Jahren den Thron. Dannzumal litt das Reich noch unter chaotischen Zuständen. Entstanden sind diese durch etliche Reformen seines Vaters Echnaton. Denn zu dieser Zeit verehrten die Ägypter mehrere Götter. Doch der Pharao zwang seinen Landsleuten eine monotheistische Staatsreligion auf. Das bedeutet, dass die Menschen ihre Gebete an einen einzigen Gott richten mussten. Das machte sein Sohn wieder rückgängig.

Tutanchamun starb der Überlieferung zufolge plötzlich und unerwartet. Bis heute ist sein Ableben ein Mysterium. Theorien gibt es zu Genüge: Malaria, Beinbruch und Wundbrand, er sei überfahren worden, oder gar, dass er bei der Jagd von einem Flusspferd getötet worden sei.

1922 entdeckte der britische Archäologe Howard Carter Tutanchamuns Grab im Tal der Könige im altägyptischen Theben. Ausgegraben wurden Hunderte Objekte aus der Zeit von Tutanchamun. Der wertvollste und mittlerweile vermutlich bekannteste Schatz war die Totenmaske des Königs, in der mehr als neun Kilogramm Gold verarbeitet wurden. Mittlerweile werden die Relikte des jungen Pharaos weltweit ausgestellt.

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786 Kommentare
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Lisa

06.08.2020, 18:11

Kinder gehören nicht ins Museum

Eidgenossin

06.08.2020, 18:07

Man geht nicht mit einem Baby ins Museum, dort möchten ander Leute ihre Ruhe haben! Der Preis finde ich ok denn der Kinderwagen braucht Platz welcher nicht vorhanden ist!

5.60

06.08.2020, 17:35

na und, steht ja auch 0-5J... nicht jeder museumsbesitzer mag das rumgeschreie von kidis