Hochsicherheitstrakt: Mutter sitzt mit ihrem Baby im Gefängnis
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HochsicherheitstraktMutter sitzt mit ihrem Baby im Gefängnis

In einer Zelle des Gefängnisses Champ-Dollon lebt eine Frau mit ihrem Kind. Sie wurde dort inhaftiert, weil das auf solche Fälle spezialisierte Gefängnis voll ist.

von
qll
Die Mutter und ihr Kind sitzen im Hochsicherheitstrakt des Genfer Gefängnisses Champ-Dollon.

Die Mutter und ihr Kind sitzen im Hochsicherheitstrakt des Genfer Gefängnisses Champ-Dollon.

Keystone/Salvatore di Nolfi

Eine Mutter lebt mit ihrem elf Monate alten Baby im Hochsicherheitstrakt des Genfer Gefängnisses Champ-Dollon. Die ausländische Inhaftierte – ohne Wohnsitz in der Schweiz – wurde am 23. Dezember in Haft gesetzt, wie «Tribune de Genève» schreibt. «Wir mussten sie hier einsperren, weil das Gefängnis von La Tuilière in Lonay VD, das auf diese Art von Fällen spezialisiert ist, voll ist», sagt ein Aufseher. Und weil das Genfer Frauengefängnis Riant-Parc 2014 geschlossen wurde, mussten andere Lösungen gefunden werden.

«Warum wurden sie nicht ins Curabilis in Publinge eingeliefert oder in der Universitätsklinik Genf (HUG) unter Beobachtung gestellt? Ist Champ-Dollon, das auch überfüllt ist, ein geeigneter Ort für sie?», fragt sich ein anderer Beamter. «Das Amt für Justizvollzug (OCD) hat die Situation schlecht eingeschätzt.»

Justizamt nimmt keine Stellung

Auf Anfrage der Zeitung gab die OCD-Medienstelle an, dass weder das Amt, noch die Direktion des Gefängnisses Champ-Dollon und auch nicht das Sicherheitsdepartement Auskunft über «individuelle Situationen» gebe.

Ohne den vorliegenden Fall im Besonderen zu erwähnen, erklärt

Laurent Gétaz, Leiter der Einheit Gefängnismedizin am HUG, ganz allgemein: «Es ergibt sich, dass Frauen während der Schwangerschaft oder in Begleitung eines Säuglings inhaftiert werden. Die Gefängnisbehörden tun das Notwendigste, um sie im Gefängnis La Tuilière unterzubringen.» Dort hat es zwei Mutter-Kind-Plätze, sprich speziell ausgestattete Zellen, die durch einen gemeinsamen Raum verbunden und von anderen Zellbereichen getrennt sind. «Falls es dort keinen Platz mehr gibt, werden die Mutter und das Kind in einem klassischem Gefängnis untergebracht», so Gétaz zur «Tribune de Genève».

Bis zum dritten Lebensjahr möglich

Der Arzt erklärt weiter, warum es dazu kommt, dass ein Baby mit der Mutter eingesperrt wird: «Die Nicht-Trennung von Mutter und Kind ist in der UNO-Konvention über die Rechte des Kindes verankert. Dieses Prinzip gilt auch für Mütter in Haft. Man muss wissen, dass das Trauma einer brutalen Trennung bei den Kindern zu einer Entfremdung führen könnte.»

In der Schweiz sieht das Strafgesetzbuch vor, dass Mütter mit ihrem Kind bis zum dritten Lebensjahr zusammen in einer Haftanstalt leben können, auch im Interesse des Kindes. Mit einer Ausnahme. «Die Entscheidung, das Kind bei seiner Mutter zu lassen, ist nur möglich, wenn es dadurch nicht gefährdet ist», erklärt Gétaz. Beide würden deshalb einer besonderen Beobachtung durch das Gefängnispersonal und der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde unterstehen.

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