Prozess im Aargau: Mutter stirbt, weil ihr falsches Medikament verschrieben wurde
Aktualisiert

Prozess im AargauMutter stirbt, weil ihr falsches Medikament verschrieben wurde

Eine Patientin hat nach der Einnahme eines Medikaments einen allergischen Schock erlitten. Jetzt müssen sich ein Arzt und eine Apothekerin vor Gericht verantworten.

von
Nadine Wozny
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Eine Frau ist gestorben, weil sie ein falsches Medikament geschluckt hatte.  (Symbolbild)

Eine Frau ist gestorben, weil sie ein falsches Medikament geschluckt hatte. (Symbolbild)

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Sie hatte einen allergischen Schock erlitten. (Symbolbild)

Sie hatte einen allergischen Schock erlitten. (Symbolbild)

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Ein Arzt und eine Apothekerin müssen sich vor dem Obergericht Aarau verantworten.

Ein Arzt und eine Apothekerin müssen sich vor dem Obergericht Aarau verantworten.

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Darum gehts

  • Im Mai 2015 ist eine Mutter gestorben, weil sie ein falsches Medikament geschluckt hatte.
  • Sie hat einen allergischen Schock erlitten.
  • Ein Arzt und eine Apothekerin stehen vor Gericht.
  • Das Urteil steht noch aus.

Vor den Augen ihres Sohnes (22) fängt eine Mutter (54) an zu husten, sie übergibt sich – bis sie schliesslich kollabiert. Die Frau fällt ins Koma, wenig später stirbt sie im Kantonsspital Aarau.

Was ist an diesem Tag im Mai 2015 geschehen? Gemäss der «Aargauer Zeitung» hat die Frau einen allergischen Schock erlitten. Sie hatte wegen einer akuten Bronchitis ein Antibiotikum, das ihr der Arzt verschrieben hatte, eingenommen.

Nun müssen sich der Arzt und die Apothekerin, die ihr das Medikament ausgehändigt hatte, vor Gericht verantworten. Es ist bereits ein Prozess in zweiter Instanz. Das Bezirksgericht Kulm hatte den Arzt freigesprochen, die Apothekerin wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft forderte damals für beide eine bedingte Geldstrafe von 250 Tagessätzen und eine Busse.

Beide sind verantwortlich.

Sohn der Verstorbenen

«In unseren Augen sind beide verantwortlich», sagt der Sohn zur Zeitung. Der Arzt ist sich jedoch keiner Schuld bewusst. Auf die Frage, ob sie Allergien habe, habe die Patientin mit «Nein» geantwortet, woraufhin er ihr das Medikament verschrieben habe.

Auch die Apothekerin will freigesprochen werden. Sie ist jedoch vom Computersystem der Apotheke auf die Allergien der Kundin hingewiesen worden. Die Frage, ob die Frau das Medikament vertrage, wurde bejaht. Die Apothekerin verzichtete trotz Warnhinweisen auf eine Nachfrage beim Arzt und gab das Medikament ab.

Das Obergericht hat in diesem Fall noch kein Urteil gefällt.

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