Tödlicher Wanderunfall : «Mutter und Tochter waren bestens ausgerüstet und trugen Wanderschuhe»

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Tödlicher Wanderunfall «Mutter und Tochter waren bestens ausgerüstet und trugen Wanderschuhe»

Eine Mutter und ihre Tochter stürzten am Montag beim Aescher einen steilen Abhang hinunter. Die Absturzursache wird noch untersucht. 

von
Monira Djurdjevic
Vincent Vogler
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Eine Mutter (31) und ihre Tochter (5) stürzten einen steilen Abhang hinunter und konnten nur noch tot geborgen werden.

Eine Mutter (31) und ihre Tochter (5) stürzten einen steilen Abhang hinunter und konnten nur noch tot geborgen werden.

20 Minuten/Shannon Zangger
Das Unglück ereignete sich am Montag auf dem Wanderweg zwischen dem Aescher und der Altenalp.

Das Unglück ereignete sich am Montag auf dem Wanderweg zwischen dem Aescher und der Altenalp.

20 Minuten/Shannon Zangger
Die Absturzursache wird durch die Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden im Auftrag der Staatsanwaltschaft Appenzell Innerrhoden abgeklärt.

Die Absturzursache wird durch die Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden im Auftrag der Staatsanwaltschaft Appenzell Innerrhoden abgeklärt.

20 Minuten/Shannon Zangger

Darum gehts

  • Bei einem Wanderunfall beim Aescher starben am Montag zwei Personen. 

  • Die Absturzursache ist noch unklar und wird abgeklärt. 

  • Laut der Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden waren die tödlich verunglückten Personen bestens ausgerüstet und trugen Wanderschuhe.  

Eine Familie aus dem Kanton Thurgau war am Montag vom Aescher in Richtung Altenalp unterwegs. Dabei stürzten die 31-jährige Mutter und die fünfjährige Tochter auf dem Wanderweg einen steilen Abhang hinunter und konnten nur noch tot geborgen werden. Vater und Sohn haben laut der Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden den Absturz nicht miterleben müssen. Die Absturzursache ist weiterhin unklar und wird abgeklärt. Wie ein Sprecher auf Anfrage sagt, waren die tödlich Verunglückten aber bestens ausgerüstet und hätten Wanderschuhe getragen. 

«Gerne möchten wir unser tiefes Bedauern über diesen tragischen Unfall ausdrücken. Das Unglück macht uns sehr betroffen, insbesondere da ein Kind involviert ist», sagt Patricia Cornali, Sprecherin beim Verband Schweizer Wanderwege. Die konkrete Situation vor Ort könne man als Dachverband aber nicht beurteilen. «Grundsätzlich kontrollieren die regionalen Wanderweg-Verantwortlichen der kantonalen Wanderweg-Organisationen die Wege und schätzen diese ein.» 

Generell bestehe beim Wandern aber eine Eigenverantwortung, die eine sorgfältige Vorbereitung, ein angepasstes Verhalten und das Bewusstsein von Risiken beinhalte. «Auf Bergwanderwegen gibt es gewisse Risiken, deren man sich bewusst sein muss: Sie erschliessen teilweise unwegsames Gelände und können steil, schmal und manchmal exponiert verlaufen», so Cornali. 

«Zentral ist auch die Wahl der passenden Ausrüstung»

Leider seien sich viele Wanderinnen und Wanderer der Voraussetzungen und Risiken einer Bergwanderung nicht bewusst: «Wir beobachten jedoch, dass öfters Leute unterwegs sind, die nicht über die notwendige Ausrüstung verfügen, sich im Voraus nicht genügend um die Planung einer Wanderung kümmern oder sich unterwegs nicht den Anforderungen entsprechend verhalten», so Cornali. 

Der Verband versucht, die Wandernden mit verschiedenen Massnahmen dafür zu sensibilisieren. Wanderinnen und Wanderer sollten grundsätzlich eine Wanderung im Voraus immer sorgfältig planen. «Dazu gehört, sich detailliert über die Route und die Wetterverhältnisse zu informieren. Man sollte zudem realistisch einschätzen, ob die Route zu den eigenen Fähigkeiten passt», sagt Cornali.  

Zentral sei auch die Wahl einer passenden Ausrüstung. Dazu gehörten mindestens robuste Wanderschuhe mit solidem Profil, wetterfeste Kleidung inklusive Sonnen- und Regenschutz, genügend Proviant, ein aufgeladenes Mobiltelefon, eine kleine Notfallapotheke und bei Berg- und Alpinwanderwegen auch eine physische Wanderkarte. «Zuletzt heisst es, während der Wanderung aufmerksam zu bleiben, das Wetter zu beobachten, Müdigkeit und Energiereserven realistisch einzuschätzen und konzentriert zu bleiben», so Cornali. 

«Die Häufung der Unglücksfälle ist aussergewöhnlich»

Immer wieder kommt es in dieser Wanderregion zu tödlichen Unfällen. Erst Mitte Juli stürzte eine Frau beim Abstieg vom Aescher zum Seealpsee einen steilen Abhang hinunter. Rund eine Stunde später verunglückte ein Mann im gleichen Abschnitt tödlich. Ende Juni stolperte eine Frau beim Abstieg und stürzte ab. Laut Sepp Manser, Grossrat des Kantons Appenzell Innerrhoden und zuständig für die Wanderwege in der Region Schwende-Rüte, handelt es sich nicht um den gleichen Abschnitt, in dem sich der Unfall am Montag ereignete.

Die Häufung der Unglücksfälle in einem so kurzen Zeitraum im besagten Perimeter um die Ebenalp sei dennoch aussergewöhnlich. Der Bezirksrat will die Situation nun prüfen und auch die Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen in seine Überlegungen miteinbeziehen. «Mit dem momentanen Kenntnisstand Sofortmassnahmen einzuleiten, ist nicht möglich, da die Unfallursachen bislang unbekannt sind», so Manser.  

3 offizielle Wanderwegkategorien

Laut dem Verband Schweizer Wanderwege werden die Schwierigkeitsgrade von Wanderwegen in Form von drei offiziellen Wanderwegkategorien markiert. Gelb markierte Wanderwege stellen grundsätzlich keine weiteren Anforderungen an die Benützerinnen und Benützer, ausser die notwendige Aufmerksamkeit und Vorsicht. Weiss-rot-weiss signalisierte Bergwanderwege, wie der besagte Wanderweg beim Aescher, stellen höhere Anforderungen an die Wanderinnen und Wanderer: Fitness, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sowie stabile Wanderschuhe mit griffiger Sohle sind die minimalen Voraussetzungen. Die weiss-blau-weissen Alpinwanderwege haben den höchsten Schwierigkeitsgrad und stellen noch höhere Anforderungen an die Benützer und Benützerinnen.

Die Polizei gibt nach dem tödlichen Wanderunfall Auskunft. (Video: 20min/dsc)

Video: 20 Minuten

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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