Aktualisiert 09.07.2015 14:13

Völlig dehydriertMutter verbietet Kind wegen Ramadan zu trinken

In Lausanne geriet eine Schülerin in Gefahr, weil sie trotz der Hitze keine Flüssigkeit zu sich nahm. Die Lehrer mussten einen Imam einschalten.

von
Mirko Martino
Demonstranten protestieren 2009 in Lausanne gegen das Minarett-Verbot. Im Waadtland leben rund 30'000 Muslime.

Demonstranten protestieren 2009 in Lausanne gegen das Minarett-Verbot. Im Waadtland leben rund 30'000 Muslime.

Statt im Klassenzimmer zu sitzen, gingen die Lehrer einer Schule in Lausanne Ende Juni mit ihrer Klasse nach draussen. Für eines der Kinder war der Ausflug jedoch eine Tortur: Das Mädchen dehydrierte wegen des warmen Wetters stark.

Die Lehrer versuchten zwar, dem Kind Wasser zu geben. Doch es weigerte sich, weil es den Ramadan durchziehen wollte. Gläubige Muslime dürfen während dieser Zeit von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken.

«Die Mutter ist ignorant»

Die Lehrer riefen die Mutter der Schülerin an. Doch auch sie wollte nicht, dass ihr Mädchen etwas trinkt. Schliesslich kontaktierten sie einen Imam, der es der Schülerin erlaubte, das Fasten zu brechen.

Hafid Ouardiri, Direktor der muslimischen Stiftung Fondation de l'Entre-Connaissance in Genf, kritisiert die Mutter gegenüber «20 Minutes» scharf: «Sie ist ignorant. Den Ramadan begeht man erst ab der Pubertät.» Grégory Stergiou, Präsident der Fondation Islamique in Vevey, ergänzt, dass «man im Fall von Krankheit das Fasten brechen darf».

«Lehrer kann Kind zwingen zu trinken»

Auch Olivier Duperrex, Leiter der Gesundheitsförderung der Waadtländer Schulen, findet den Widerstand der Mutter bedenklich: «Bei dieser Wärme kann ein Erwachsener seinen Rhythmus anpassen, ein Kind aber nicht. Es muss trinken.»

Die Lehrer hätten deshalb völlig richtig gehandelt, meint Julien Eggenberger von der Waadtländer Lehrergewerkschaft: «Wenn ein Kind sich weigert zu trinken, obwohl seine Gesundheit auf dem Spiel steht, kann ein Lehrer es auch dazu zwingen.»

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