Gewaltverbrechen ausgeschlossen: Mutter von verstorbenem Behinderten festgenommen
Aktualisiert

Gewaltverbrechen ausgeschlossenMutter von verstorbenem Behinderten festgenommen

Nach dem Tod eines neunjährigen schwerstbehinderten Jungen im Kreis Euskirchen in Deutschland ist die alleinerziehende fünffache Mutter festgenommen worden.

Der 34-jährigen Frau aus Bad Münstereifel wird ebenso fahrlässige Tötung vorgeworfen wie ihrer 17 Jahre alten Tochter und einem 27 Jahre alten Bekannten, die gleichfalls vorläufig festgenommen wurden. Zwar könne ein Gewaltverbrechen ausgeschlossen werden, erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag in Bonn. Möglicherweise sei der Tod des Kindes aber auf mangelhafte Versorgung zurückzuführen.

Rettungskräfte und Polizei waren den Angaben zufolge am Sonntagnachmittag zu einer Wohnung im Stadtteil Ohlerath von Bad Münstereifel gerufen worden. Dort trafen sie zwei fünf und 17 Jahre alte Schwestern sowie deren drei- und neunjährige Brüder an. Der ältere Junge war bereits in einem lebensbedrohlich schlechten Zustand und starb kurz nach seiner Einlieferung in ein Krankenhaus. Eine Obduktion der Leiche am Montagvormittag ergab zwar keine Gewalteinwirkung, doch fanden die Ermittler Hinweise auf mangelhafte Versorgung des Kindes.

Laut Polizei bedurfte der Junge wegen der körperlichen und geistigen Schwerbehinderung ständiger Pflege. Dennoch sei seine Mutter Anfang April mit einem weiteren, zehnjährigen Sohn zu einer Reise ins Ausland aufgebrochen. Die Betreuung der Kinder sollte in dieser Zeit die 17-jährige Tochter übernehmen, die damit laut Polizei aber völlig überfordert war. In ihrer Not wandte sich die Jugendliche an den 27-jährigen Bekannten der Mutter. Dieser half ihr zwar zeitweise bei der Versorgung der Kinder. Die Pflege des schwerstbehinderten Neunjährigen überliess der Mann aber offenbar ganz dem Mädchen.

Nach ihrer Rückkehr aus dem Ausland am Sonntag wurde die Mutter dann festgenommen, anschliessend auch die Tochter und der Bekannte. Die übrigen Kinder der Familie wurden dem Jugendamt in Obhut gegeben. Ob die Behörde schon früher Hinweise auf Probleme in der Familie hatte, war zunächst unklar. (dapd)

Deine Meinung