Aktualisiert 19.08.2008 14:54

Traurige Premiere

Mutter zahlte elf Jahre nichts für eigenes Kind

Ein Urteil mit Seltenheitswert: Eine Mutter erhält eine bedingte Geldstrafe, weil sie sich jahrelang um die Unterhaltszahlungen für ihr Kind gedrückt hat. Die Strafe fiel aber sehr milde aus.

von
Attila Szenogrady

Wehe, wenn ein geschiedener Vater nicht für den Unterhalt seiner Kinder aufkommt. Er wird eingeklagt und von den Gerichten zu teilweise empfindlichen Strafen verurteilt. Was im Kanton Zürich und in der ganzen Schweiz verhältnismässig häufig vorkommt.

Doch wie sieht es mit den Müttern aus? Sie werden nur in sehr seltenen Fällen zu Unterhaltszahlungen verpflichtet, geschweige denn strafrechtlich verfolgt. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Das Bezirksgericht Zürich hat kürzlich in einem Entscheid mit Seltenheitswert eine heute 42-jährige Mutter aus dem Kanton Aargau wegen Vernachlässigung von Unterhaltspflichten verurteilt.

Über 73 000 Franken nicht bezahlt

Fest steht, dass die Angeklagte im September 1996 von ihrem damaligen Mann geschieden wurde. Da sich der Ex-Ehepartner in finanziellen Nöten befand, verpflichtete das Gericht die Mutter, für ihren damals 5-jährigen Sohn aufzukommen. Sie sollte dem Kind monatliche Unterhaltsbeiträge von 500 Franken zukommen lassen, stand im Urteil.

Doch daraus wurde nichts. So überliess die Mutter ihren Sohn dem Vater und foutierte sich in der Folge um jegliche Leistungen. Laut Anklageschrift zahlte sie zwischen Oktober 1996 und Oktober 2007 über elf Jahre nichts. Was zu einer ansehnlichen Deliktsumme von 73 733 Franken führte.

Acht Monate unbedingt verlangt

Der zuständige Staatsanwalt Patrick Zanolla ging von einem schweren Verschulden der Mutter aus und verlangte in seiner im März 2008 erhobenen Anklage eine exemplarische Freiheitsstrafe von acht Monaten unbedingt.

Vor Gericht wies die im Raum Wohlen ansässige Angeklagte die Vorwürfe zurück und erklärte, dass sie bereits 1995 eine neue Familie mit zwei weiteren Kindern gegründet habe. Deshalb habe sie nicht mehr gearbeitet und habe gar kein Geld mehr verdienen können, erklärte sie. Zudem klagte die ehemalige Bardame über ihre aktuellen harten Lebensverhältnisse.

Symbolische Geldstrafe

In seinem nun eröffneten Urteil ist das Gericht bei der rechtlichen Würdigung der Anklage gefolgt. Es sprach die Frau schuldig. Bei der Strafzumessung hielten sich die drei Richterinnen aber sehr zurück. Mit einer bedingten Geldstrafe von fünf Tagessätzen zu 30 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren sprachen sie eine symbolische Sanktion aus. Selbst bei der Gerichtsgebühr von 3500 Franken kam die mehrfache Mutter glimpflich davon. Die Kosten wurden zwar der Angeklagten auferlegt, jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.

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