Roggwil BE: Mutter zeigt Mobber ihres Sohnes an
Aktualisiert

Roggwil BEMutter zeigt Mobber ihres Sohnes an

In Roggwil werden Schüler der Primar- und Sekundarschule von ihren Mitschülern massiv gemobbt. Die Eltern werfen der Schulleitung Untätigkeit vor – und haben Anzeige erstattet.

von
Christian Holzer
Sekundarschulhaus Roggwil: Gemobbte Schüler, abgeschnittene Haare und dennoch reagiere die Schulleitung nicht, so die Vorwürfe der Betroffenen.

Sekundarschulhaus Roggwil: Gemobbte Schüler, abgeschnittene Haare und dennoch reagiere die Schulleitung nicht, so die Vorwürfe der Betroffenen.

Roggwil hat ein massives Mobbing-Problem. Im idyllischen Oberaargauer Dorf machen sich die Eltern derzeit Sorgen um ihre Kinder, denn ein Bericht des Regionalsenders Telebärn hat aufgedeckt, wie stark Kinder und Jugendliche dort geplagt werden.

«Mein Sohn wurde über Monate immer wieder angepinkelt, erpresst und geschlagen», erzählt Gabriella Schlegel. Nachdem ihr Epilepsie-kranker Sohn eines Tages nicht mehr konnte, sei alles ans Licht gekommen. Danach hätten sich auch andere Kinder bei ihren Eltern gemeldet und von Schlägen und blauen Flecken geredet. Was Schlegel schockiert: «Die Lehrer und die Schulleitung wussten davon und niemand hat uns informiert.» Die Familie tat sich mit anderen Eltern zusammen und ging auf die Schulleitung zu. «Dort wurden wir jedoch nur vertröstet und abgewimmelt», so Schlegel. Darum habe sie bei der Gemeinde eine aufsichtsrechtliche Anzeige gegen die Schulleitung erstattet. Gleichzeitig habe sie bei der Polizei Anzeige gegen zwei Mitschüler ihres Sohnes erstattet. Am Mittwoch habe ihr die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass gegen die beiden Mobber ihres Sohnes ein Verfahren wegen Nötigung, Erpressung und Körperverletzung eröffnet worden sei. Die Kantonspolizei Bern bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass im Zusammenhang mit einer Schule in Roggwil eine Anzeige eingegangen sei.

Neuntklässler krankgeschrieben

Doch nicht nur in der Mittelstufe werden Schüler massiv gemobt. Wie Telebärn erfuhr, herrschen im Sekundarschulhaus haarsträubende Zustände. «Mein Sohn besucht die Schule nicht mehr und ich werde ich auch nicht dazu zwingen», sagt Christine Vogel. Ihr Kind habe bereits gedroht, sich etwas anzutun, und verfüge heute über ein Arztzeugnis.

Auch eine Schülerin der selben Klasse ist vom Mobbing betroffen: «Es gibt seit der 7. Klasse zwei Klassenchats über mich, «Tamara fette Sau» und «Tamafant».» Alle seien im Chat – ausser sie selbst. Mitschüler hätten ihr auch schon die Haare abgeschnitten. Die Schulleitung würde das jedoch nicht interessieren: «Der Schulleiter macht nichts, er sagt immer, er habe keine Zeit oder es sei etwas im Gange», sagt Tamara.

Die Gemeinde habe die Krisenkommunikation übernommen, liess die Schulleitung verlauten. Dort ist man sich der Problematik bewusst, sagt Adrian Glur, Gemeinderat und Präsident der Bildungskommission, im TV-Interview:: «Wir haben bereits einen Zusatzkredit für externe Begleitung gesprochen.» Er gibt zu: «Angesichts der Vorfälle der letzten zwei Tage muss man von einer Mobbing-Kultur ausgehen.»

Neuer Anfang nach Mobbing

Im Dorf zeigt man sich schockiert über die Zustände an den Roggwiler Schulen: «Das macht mir Bauchweh. Mein Kind geht zwar erst in die 2. Klasse, aber wo soll das bloss enden?», sagt eine Mutter am Mittag vor dem Primarschulhaus. «Es muss sich dringend was ändern. Und zwar bevor etwas passiert», sagt eine andere.

Das wünscht sich auch Gabriella Schlegel. Für ihre Familie bringe es nichts mehr, dass nun alles an Licht käme: «Wir werden umziehen, die Vorbereitungen sind fast abgeschlossen.» Ihr Sohn brauche einen Neuanfang und sie befürchte, das die Sache noch lange nicht beendet sei. «Er wäre nächstes Jahr in die Oberstufe gekommen. Welche Zustände dort herrschen, wissen wir ja jetzt. Ich bin froh, haben wir diesen Entschluss gefasst», so die besorgte Mutter. Aber für alle anderen Kinder hoffe sie, dass die Schulleitung endlich aufwacht.

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