Aktualisiert 17.07.2014 06:53

Stillen online

Muttermilch-Handel soll verboten werden

Auf einer deutschen Internetbörse bieten stillende Mütter ihre Milch für fremde Babys an. Nun können auch Schweizerinnen das Angebot nutzen. Dieses birgt allerdings Gefahren.

von
Romana Kayser
Frauen bieten sich Muttermilch zum Kauf an  das ist nicht nur umstritten sondern auch gefährlich.

Frauen bieten sich Muttermilch zum Kauf an das ist nicht nur umstritten sondern auch gefährlich.

Die Inserate überbieten sich gegenseitig: «Bio Muttermilch - von einer glücklichen Mutter», «Abgepumpte, eingefrorene, steril abgepackte Milch für Zuckerschnuten» oder «Liebevolle vegane Stillmama sucht hungrigen Fratz». Seit diesem Jahr bieten Frauen auf «Muttermilchbörse» ihre überschüssige Milch zum Kauf an - bis zu 10 Euro pro 100 ml verlangen sie dafür. Die Käuferinnen sind Frauen, die ihre Kinder nicht selbst stillen können, sie aber trotzdem mit gesunder Muttermilch ernähren wollen.

Ins Leben gerufen wurde die Muttermilchbörse von der Hamburgerin Tanja Müller. Auf ihrer Seite sollen sich Muttermilch-Anbietende und -Suchende finden. «Viele Frauen würden ihr Kind gerne mit Muttermilch füttern, leiden aber an Milchmangel. Gleichzeitig gibt es genug Mütter, die ihre überschüssige Milch nicht in den Abguss schütten wollen.» Seit Inbetriebnahme der Onlinebörse haben bereits 135 stillende Spenderinnen Anzeigen für ihre Milch geschaltet. Müller erhielt auch mehrere Anfragen von interessierten Schweizerinnen. Sie hat ihren Online-Handelsplatz deshalb nun auch auf die Schweiz ausgeweitet. Genutzt wurde das Angebot bisher aber noch nicht.

«Fremde Muttermilch gefährdet Babys»

Das Geschäft mit der Muttermilch ist umstritten. Die Geschäftsleiterin des Berufsverbandes Schweizerischer Stillberaterinnen, Christa Müller, warnt vor den Gefahren des Internet-Handels: «Über die fremde Muttermilch können ansteckende Krankheiten auf das Kind übertragen werden.» Sie kritisiert insbesondere, dass man beim Milcherwerb übers Internet keinerlei Kontrolle über den Gesundheitszustand der Mutter oder die Qualität der Milch habe. «Aus meiner Sicht ist es ein grosses Risiko, dem eigenen Kind Milch von jemandem zu verfüttern, den man überhaupt nicht kennt.»

Janine Grunert vom Kinderspitals Basel (UKBB) teilt diese Bedenken. Die Pflegefachfrau arbeitet für die Frauenmilchbank, in der stillende Mütter überschüssige Milch spenden können, die für die Versorgung von zu früh geborenen oder schwer kranken Babys verwendet wird. Bevor es zur Spende kommt, erfolgen Bluttests, die Aufnahme der Krankengeschichte sowie die bakteriologische Prüfung der Milch. Ohne diese akribischen Tests sei des Verabreichen fremder Muttermilch schlicht ein zu grosses Risiko für das Baby: «Das ist Kindeswohlgefährdung. Ich als Mama würde meine Milch nie online kaufen.» Weiter kritisiert Grunert, dass die hygienische Handhabung der abgepumpten Milch übers Internet nicht kontrollierbar sei: «Es können sehr schnell gefährliche Keime in die Muttermilch gelangen.»

Keine Kontrolle im Netz

Auf ihrer Homepage zeigt Tanja Müller mehrere Schritte zu einem möglichst sicheren Muttermilchkauf auf. Diese beinhalten unter anderem gegenseitiges Kennenlernen der Mütter, Bluttests, bakteriologische Prüfung und Pasteurisieren der Milch. Letztendlich basiert der Handel aber auf Vertrauensbasis: «Die kaufenden Mütter haben die Kontrolle in der Hand.» Sie geht davon aus, dass die Frauen nur das Beste für ihr Kind wollen und entsprechend vorsichtig sind, «sonst würden sie einen Muttermilchkauf gar nicht erst in Betracht ziehen».

Der Online-Handel mit Muttermilch ist in der Schweiz erlaubt, weil Muttermilch lebensmittelrechtlich nicht geregelt ist. Grunert von der Frauenmilchbank UKBB sieht hier aber dringenden Handlungsbedarf: «Muttermilch gehört unters Lebensmittelgesetz und zwar mit ganz strengen Regeln.» Unkontrollierter Konsum von Muttermilch unbekannter Frauen müsse verboten werden.

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