Aufruhr in Brasilien: Muttermilch-Rekord geknackt - Häme geerntet
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Aufruhr in BrasilienMuttermilch-Rekord geknackt - Häme geerntet

Eine Amme aus dem brasilianischen Pernambuco hat einem Kinderspital über 335 Liter Muttermilch gespendet. Als sich ein TV-Komiker darüber lustig machte, war Schluss mit ihrer Geduld.

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So präsentierte sich Michele Maximino Anfangs Oktober in brasilianischen Medien. Kurz darauf wurde sie in einer Sendung verspottet. (Screenshot: O Globo)

So präsentierte sich Michele Maximino Anfangs Oktober in brasilianischen Medien. Kurz darauf wurde sie in einer Sendung verspottet. (Screenshot: O Globo)

In der ersten Oktoberwoche hatte sie es geschafft - der bisherige Rekord war gebrochen. Die Brasilianerin Michele Rafaela Maximino hat insgesamt 335.2 Liter Muttermilch gespendet. Der bisherige Rekord war in den Händen der US-Amerikanerin Sara Pascale, die 331.22 Liter Milch gegeben hatte. Jetzt soll Pascale durch die Frau aus Pernambuco im Guinness Buch der Rekorde ersetzt werden.

Als die erfreuliche Meldung die Runde durch brasilianische Medien machte, stellte sich Maximino stolz für Interviews zu Verfügung. Begleitet von einem provokativen Bild, in dem die Leser ihre mit Muttermilch gefüllten Brüste sehen können, gab die Frau Details zu ihrer wohltätigen Aufgabe. Sie produziere täglich bis zu drei Liter Milch, die sie dem Spital Jesus Nazareno spende. «Ich war Krankenpflegerin», meint die 31-jährige Mutter dreier Kinder gegenüber der Zeitung «O Presente». «Aber ich hab meinen Beruf aufgegeben, um Hausfrau zu sein und für andere zu spenden. Jetzt habe ich mehrere Familien.»

Beleidigt und traurig

Bis zu diesem Punkt eine wunderschöne Geschichte. Maximino rechnete aber nicht mit der Boshaftigkeit von TV-Komiker Danilo Gentili. In seiner Sendung «Agora É Tarde» («Jetzt ist es zu spät») machte sich Gentili über den Rekord lustig. Er verglich Maximino mit einem Porno-Schauspieler und machte fiese Witze über die Grösse ihrer Brüste. «Gemessen in Muttermilch, haben wir es mit Kid Bengala (ein lokaler Exponent des sogenannten Pornogrinds, Anm. d. Red.) zu tun», so der Komiker weiter.

Doch damit nicht genug: Der Moderator Marcelo Mansfield, Gentilis Partner in der Sendung, spottete über Maximinos Milchproduktion. Er liess eine Tetra-Packung mit dem Gesicht der Amme basteln. Das ging für die Frau definitiv zu weit: Michele Maximino reichte Klage gegen die beiden TV-Männer ein.

Mit der Presse in ihrem Land will sie nicht mehr reden. Ihr Ehemann äusserte sich gegenüber «Rede Zumi Notícias»: «Meine Frau ist nach der Verspottung sehr traurig und beleidigt. Sie hat nur Gutes getan.»

Maximino hat nun entschieden, ihre Milch nicht mehr zu spenden. Für die Kinderabteilung des Spitals Jesus Nazareno hat dies verheerende Konsequenzen, denn mit ihrer rekordverdächtigen Milchproduktion war Maximino für 90 Prozent der gesamten Vorräte der Klinik verantwortlich. Seit einigen Tagen wird sie psychologisch betreut. Die Klage werde sie jedoch keinesfalls zurücknehmen.

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