Wie Velofahren: Muttersprache – einmal gelernt, nie vergessen
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Wie VelofahrenMuttersprache – einmal gelernt, nie vergessen

Die Muttersprache hinterlässt im Gehirn unlöschbare Spuren. Selbst wenn wir mit ihr über 15 Jahre nicht in Kontakt waren, reagiert das Gehirn immer noch auf sie.

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Für unser Gehirn sind manche Informationen so wertvoll, dass sie nicht durch andere überschrieben werden, schreiben Forscher um Lara Pierce von der McGill-Universität im kanadischen Montreal in den «Proceedings of the National Academy of Sciences». Dazu zähle unter anderem die Muttersprache.

Dass diese schon sehr früh Spuren im Gehirn hinterlässt, ist schon länger bekannt. So lernen Kinder bereits im ersten Lebensjahr, ihren Klang von jenem anderer Sprachen zu unterscheiden – eine wichtige Basis, um dann Wörter und Strukturen lernen zu können.

Drei Gruppen

Unklar war hingegen, was passiert, wenn Kinder genau zu diesem Zeitpunkt – die Basis ist geschaffen, aber nicht vertieft – aus ihrer Umgebung genommen werden, beispielsweise bei einer Adoption. Während die einen behaupteten, dass die frühen Verknüpfungen durch spätere Eindrücke ersetzt werden, gingen die anderen davon aus, dass sie – wenn auch inaktiv – erhalten bleiben.

Letztere bekommen nun wissenschaftliche Rückendeckung von Lara Pierce und ihren Kollegen. Die hatten für ihre Studie drei Gruppen von Testpersonen chinesischer Herkunft zwischen 9 und 17 Jahren eingeladen. 21 von ihnen waren als knapp Einjährige adoptiert worden und sprachen seither ausschliesslich Französisch. Eine etwas kleinere Gruppe wuchs zweisprachig mit Chinesisch und Französisch auf, und die dritte Gruppe bestand aus nur Französisch sprechenden Kindern.

Eindeutiges Ergebnis

Ihnen allen wurden chinesische Wörter vorgespielt. Gleichzeitig zeichneten die Forscher die Gehirnreaktionen im Magnetresonanztomografen (MRT) auf. Dabei zeigte sich: Jene Probanden, die nie Kontakt mit Chinesisch hatten, zeigten erwartungsgemäss keinerlei Reaktion.

Ganz anders war das bei denjenigen, die als Babys Chinesisch gehört hatten: Ihr Gehirn reagierte sehr wohl – und zwar in jenen Hirnregionen, die für die Verarbeitung der chinesischen Sprache verantwortlich sind. Die Reaktion musste demnach daher kommen, dass das Gehirn die chinesischen Wörter wiedererkennen konnte.

Diese Erkenntnis könnte erklären, warum sich Menschen mit frühem Kontakt zu einer anderen Sprache beim Auffrischen derselben leichter tun als jene, die von null beginnen. Die Basis bleibe bestehen, so die Forscher. Ob diese Grundlage auch das Erlernen anderer Sprachen erleichtert, kann derzeit noch nicht gesagt werden.

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