Von wegen Muttersöhnchen: Muttis Liebe macht aus Buben echte Kerle
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Von wegen MuttersöhnchenMuttis Liebe macht aus Buben echte Kerle

Fürsorgliche Mütter verweichlichen ihre Söhne, heisst es. «Alles Humbug!», sagt eine US-Buchautorin. Die Kinder von Glucken seien später eigenständigere Menschen und bessere Partner.

von
fvo
Wer über Gefühle reden kann, hat mehr Erfolg im Liebesleben und im Beruf, meinst Buchautorin Kate Stone Lombardi. (Bild: Colourbox.com)

Wer über Gefühle reden kann, hat mehr Erfolg im Liebesleben und im Beruf, meinst Buchautorin Kate Stone Lombardi. (Bild: Colourbox.com)

Vom Ödipuskomplex will sie nichts wissen, Kate Stone Lombardi, Autorin von «The Mama's Boy Myth: Why Keeping Our Sons Close Makes Them Stronger». Es gebe keinen Grund, weshalb eine ausgeprägte Mutter-Sohn-Beziehung negativer ins Gewicht fallen solle als jede andere Eltern-Kind-Kombination. Man sei schliesslich auch nie darum besorgt, dass ein Vater, der intensiv Zeit mit seiner Tochter verbringt, das Mädchen vermännliche. Eine Mutter hingegen, die im Leben ihres Sohnes sehr präsent ist, hält man für eine Glucke, die ihren Jungen verweichliche. Dabei würden aus den Jungs keine Memmen, sondern Männer, die ihre Gefühle artikulieren können, auf andere eingehen und erfolgreicher durch Schule und Berufsleben schreiten.

Lombardi verweist auf verschiedene Untersuchungen. Einerseits zeigen die Ergebnisse einer Studie mit rund 6000 Kindern, dass männliche Babys ohne starke Bindung zu ihren Müttern später aggressiver werden. Wenn kleine Buben sich von ihren Müttern abwenden sollen, bevor sie dazu bereit sind, werden aus ihnen vielleicht taffe Menschen. Allerdings seien sie gemäss dem Soziologen Michael Kimmel, der sich mit dem Männerbild in Amerika befasst, auch ängstliche Kinder, die im erwachsenen Leben Angst vor Intimität und Betrug haben. Denn sie wurden von der ersten Frau abgewiesen, die sie gebraucht und geliebt haben.

Hartgesotten und depressiv

Die Gesellschaft lasse den Buben kaum Raum, ihre sensiblen und emotionalen Seiten auszuleben, schreibt Lombardi auf dem Newsportal «Time». Während die Kinder also von aussen Signale bekommen, harte Typen sein zu müssen, könne eine gute Beziehung zur Mutter dieser Desensibilisierung etwas entgegensetzen. Ermuntere man sie, ihre eigenen sowie die Gefühle anderer wahrzunehmen, werde ihre emotionale Intelligenz gefördert.

Die Jungen aber, die sich ohne Gegensteuer ins Klischeebild vom harten, starken Mann stürzen und gerade mal Gefühle wie Wut oder Aggression zulassen, hätten verstärkt mit Schul- und Verhaltensproblemen zu kämpfen. Eine Studie mit 426 New Yorker Schülern ergab, dass diejenigen Jungen, die ihren Müttern näher standen, sich nicht als harte Jungs definieren wollten. Gleichzeitig waren sie aber auch weniger ängstlich und erhielten bessere Noten. Lombardi ist überzeugt, dass aus den Muttersöhnchen, die sich nicht bloss auf physische Stärke und Dominanz verlassen, selbständigere Erwachsene werden, die besser für das Privat- und Berufsleben ausgerüstet sind.

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