Corona-Faktencheck – Nein, der Biontech/Pfizer-Impfstoff enthält keinen 5G-Code

Corona-FaktencheckNein, der Biontech/Pfizer-Impfstoff enthält keinen 5G-Code

Echt oder fake? Diese Frage stellt man sich angesichts der unzähligen Meldungen zum Coronavirus Sars-CoV-2 und seinen Auswirkungen auf die Welt regelmässig. Hier erfährst du, was dahinter steckt.

von
Fee Anabelle Riebeling
Jean-Claude Gerber
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27. Februar 2022: Nein, der Biontech/Pfizer-Impfstoff enthält keinen 5G-Code
27. Februar 2022: Nein, der Biontech/Pfizer-Impfstoff enthält keinen 5G-Code

Auf Social Media kursiert ein Video, in dem ein italienischer Impfnachweis zu sehen ist, auf dem sich der Hinweis «5G» befindet. Daraus schliessen einige, es gebe einen Zusammenhang zwischen der Impfung und dem 5G-Netz. Das ist falsch.

Screenshot Facebook
Zwar ist das Zertifikat echt, wie das ausstellende Spital gegenüber Correctiv.org bestätigt. Das «5G» sei jedoch nachträglich hinzugefügt worden.

Zwar ist das Zertifikat echt, wie das ausstellende Spital gegenüber Correctiv.org bestätigt. Das «5G» sei jedoch nachträglich hinzugefügt worden.

Wikimedia Commons/Marcuscalabresus/CC BY-SA 4.0
Wer genau hinschaut, erkennt, dass das «5G» in einer anderen Schriftart verfasst wurde und dickere Buchstaben hat. Einen weiteren Hinweis auf Manipulation nennt die Facta.news-Redaktion: Der über das Video gelegte Satz ‹Finalmente cielo dicono› sei im Internet eine sehr beliebte Parodie auf Verschwörungen.

Wer genau hinschaut, erkennt, dass das «5G» in einer anderen Schriftart verfasst wurde und dickere Buchstaben hat. Einen weiteren Hinweis auf Manipulation nennt die Facta.news-Redaktion: Der über das Video gelegte Satz ‹Finalmente cielo dicono› sei im Internet eine sehr beliebte Parodie auf Verschwörungen.

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Sonntag, 27.02.2022

Nein, der Biontech/Pfizer-Impfstoff enthält keinen 5G-Code

Auf Social Media kursiert ein 10-sekündiger Clip, in dem ein italienischer Impfnachweis zu sehen ist, auf dem sich der Hinweis «5G» befindet. Manche Impfgegnerinnen und Impfgegner werten ihn als Beweis dafür, dass es zwischen den Covid-19-Impfungen und dem Mobilfunkstandard einen Zusammenhang gibt. Doch das Dokument wurde manipuliert.

Der Impfnachweis selbst ist echt, wie das ausstellende Spital IRCCS Policlinico San Donato gegenüber den Faktencheckerinnen und Faktencheckern von Correctiv.org bestätigt hat. Darauf zu erkennen sind – neben dem ominösen «5G»-Nachweis – der Name der geimpften Person sowie Angaben zu den drei Impfdosen. Demnach hat ein gewisser Antonino Parise zweimal den Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten (am 16. Juni und 21. Juli 2021) und als Booster das Vakzin von Moderna (am 28. Januar 2022).

Mehrere Hinweise für Manipulation

Kein Bestandteil des Originaldokuments ist laut dem Spital dagegen der «5G»-Hinweis, der rechts neben dem neunstelligen «Codice AIC/MAH Code» steht, einem Identifikationscode, der von der italienischen Arzneimittelagentur AIFA für pharmazeutische Produkte ausgestellt wird. Nichts damit zu tun haben die Signalbalken und das «5G», die auch nur bei der zweiten Impfdosis auftauchen. Das ist merkwürdig. Schliesslich hat der Impfnachweis-Inhaber zweimal Comirnaty erhalten. Entsprechend müsste der Hinweis auch zweimal aufgeführt sein.

Wer ganz genau hinschaut, erkennt zudem, dass das «5G» in einer anderen Schriftart verfasst wurde als die Zahlen, zu denen es angeblich gehört. Ausserdem sind die Buchstaben dicker. «Ein Hinweis darauf, dass das ‹5G› nachträglich hinzugefügt worden sein könnte», heisst es auf Correctiv.org.

Einen weiteren Hinweis auf Manipulation nennt die italienische Faktencheck-Redaktion Facta.news: «Wir gehen davon aus, dass es sich ursprünglich um einen satirischen Inhalt handelte, da der Satz ‹Finalmente cielo dicono› eine im Internet sehr beliebte Parodie auf Verschwörungen ist.»

Copy-Paste ohne Überprüfung

Ob Parise, dessen Name sich auf dem Dokument befindet, auch Urheber des kurzen Videos ist, ist offen. Fest steht aber, dass das Video wieder einmal deutlich macht, dass Informationen, die der eigenen Meinung entsprechen, in den sozialen Medien von manchen ohne genaue Betrachtung und ohne Überprüfung geteilt werden. Anders ist es nicht zu erklären, dass das Video auf Facebook und Telegram oft zusammen mit dem Hinweis gepostet wird, dass der vermeintliche 5G-Code bei der dritten Impfung verabreicht wird. Denn davon ist in dem Video an keiner Stelle die Rede. (fee)

Freitag, 25.02.2022

Nein, TV-Beitrag beweist nicht, dass Queen mit Ivermectin behandelt wird

«Die Queen nimmt Ivermectin» – dieses Gerücht kursiert seit dem 21. Februar in den sozialen Medien und auf Twitter. Es ist jedoch falsch.

Auslöser für die Behauptung, die britische Königin würde mit dem Medikament Ivermectin gegen Covid-19 behandelt, ist ein am 21. Februar ausgestrahlter Beitrag des australischen TV-Senders Channel 9. Darin wird an der Stelle, wo es um die mögliche Behandlung der 95-jährigen Queen geht, eine Packung Stromectol eingeblendet. Das Medikament enthält den Wirkstoff Ivermectin, von dem seit Monaten fälschlicherweise immer wieder behauptet wird, er wirke effektiv gegen Covid-19. Für Anhänger der mehrfach widerlegten These (siehe Faktencheck vom 19. November 2021 und hier) war die Sache damit sofort klar, wie der Post von Facebook-User Da Olli zeigt: «Die Queen nimmt das (verpönte) Wurmkurmittel Ivermectin.»

Doch dem ist nicht so, wie die Sendungsverantwortlichen tags darauf klarstellten: Man habe eigentlich auf das Präparat Sotrovimab hinweisen wollen, das direkt vor dem Stromectol zu sehen sei. Die Aufnahme von Letzterem sei im Schnitt versehentlich hinzugekommen. «Wir behaupten nicht, dass die Queen Ivermectin nutzt.» Die Richtigstellung wiederholte der Sender gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Zahlreiche Gegenbelege

Das für die Verbreitung von Falschinformationen bekannte Portal Report24 zeigt sich davon unbeeindruckt. Mit den Worten «Alle rudern zurück, doch die Bilder sprechen eine andere Sprache …» suggeriert es, der Sender sei eingeknickt, weil der Beitrag nicht gut angekommen sei. Zudem schreibt die Report24-Autorin Vanessa Renner, es gebe keine Beweise dafür, dass die Queen nicht doch Ivermectin nehmen würde.

Die gibt es zwar tatsächlich nicht, ebensowenig wie eine Stellungnahme des britischen Königshauses. Aber es gibt zahlreiche Punkte, die dagegen sprechen. So gibt es keine ausreichend starken wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit von Ivermectin gegen das Coronavirus beim Menschen. Erst vor wenigen Tagen kamen malaysische Forschende im Fachjournal «Jama Internal Medicine» zu dem Schluss, dass Ivermectin keinerlei Wirkung erzielt. Zudem ist der Wirkstoff nicht zur Behandlung von Covid-19 zugelassen.

Neben Gesundheits- und Arzneimittelbehörden und der WHO warnt auch der Hersteller von Ivermectin, das Pharmaunternehmen MSD, vor der Verwendung von Ivermectin: «Es gibt keine aussagekräftige Evidenz für die Anwendung von Ivermectin bei Sars-CoV-2.» Im Einklang mit den gängigen medizinischen Empfehlungen spreche man sich daher klar gegen die Einnahme bei Covid-19 aus.

Wirbel um japanische Studie

Zuletzt hatte eine Studie der japanischen Pharmafirma Kowa für Wirbel gesorgt. Dies, weil sie falsch zitiert wurde: Anders als von der Nachrichtenagentur Reuters zunächst fälschlicherweise behauptet, war die «antivirale Wirkung» von Ivermectin gegen Sars-CoV-2 nicht in einer Phase-III-Studie beim Menschen, sondern nur in einer Laborstudie festgestellt worden. Daraus lassen sich keine Schlüsse auf eine mögliche Wirksamkeit beim Menschen ziehen (siehe Faktencheck vom 10. Februar).

Kowa untersucht derzeit in einer Phase-III-Studie am Menschen eine mögliche Wirksamkeit von Ivermectin gegen Covid-19. Die Studie soll aber erst am 31. März abgeschlossen sein. (fee)

Donnerstag, 24.02.2022

Ja, Menschen mit Blutgruppe 0 sind vor Covid-19 besser geschützt

Schon im Jahr eins der Pandemie kam es zu der Annahme, dass sich Personen, die die Blutgruppe 0 haben, seltener mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizieren. Das stimmt. Schützen sollten sich diejenigen dennoch.

Erste Hinweise dafür, dass die Blutgruppe für das Ansteckungsrisiko bei Covid-19 eine Rolle spielen könnten, stammen bereits aus dem März 2020. Damals berichteten chinesische Forschende in einer Preprint-Studie, dass Menschen mit der Blutgruppe A ein erhöhtes Risiko haben. Das ginge aus Patientendaten aus chinesischen Spitälern hervor.

Hinweise verdichten sich

Im Herbst 2020 erschienen im Fachjournal «Blood Advances» gleich zwei Studien zum Thema. Die eine basierte auf Daten aus Dänemark, die andere auf Daten aus Kanada. Beide sahen Menschen mit der Blutgruppe 0 punkto Infektionsgefahr im Vorteil. Letztere deutete zudem darauf hin, dass Personen mit den Blutgruppen A und AB ein erhöhtes Risiko für schwere klinische Folgen haben könnten.

Gut ein Jahr später bestätigten Forschende des Kantonsspitals St. Gallen die kursierenden Annahmen – mit einem deutlichen und statistisch messbaren Ergebnis: «Personen mit Blutgruppe 0 haben ein nur rund halb so grosses Risiko, sich mit SARS-Cov-2 anzustecken», erklärte der Infektiologe Philipp Kohler in der SRF-Sendung «Puls».

Auf den Verlauf einer Ansteckung hat die Blutgruppe laut einer Studie von Forschenden der Universität Graz dagegen keinen Einfluss. «Auch Menschen mit Blutgruppe 0 können schwer erkranken», weiss Molekularbiologin Eva-Maria Matzhold.

Mögliche Erklärung

Warum Menschen mit Blutgruppe 0 besser vor Covid-19 geschützt sind, ist noch nicht gänzlich geklärt. Doch das Team um Matzhold hat zumindest eine Vermutung. So könnte die bekannte Abstossreaktion unter den verschiedenen Blutgruppen eine Rolle spielen. Ein Aspekt, der etwa beim Blutspenden relevant ist.

Peter Ellis, Dozent für Molekulargenetik und Fortpflanzung an der britischen University of Kent, teilt diese Meinung. Er hat sich dem Thema für seine im Fachjournal «Epidemics» veröffentlichte Studie mithilfe von Modellrechnungen genähert – und geht sogar noch einen Schritt weiter.

«Super-Empfänger» und «Super-Verbreiter»

Demnach hält er es für möglich, dass Personen mit Blutgruppe 0 seltener erkranken, weil sie Viruspartikel von Infizierten mit einer anderen Blutgruppe abstossen – genauso wie sie auch bei der Bluttransfusion nur das Blut der eigenen Blutgruppe erhalten können. Personen vom Typ A und AB seien dagegen «Super-Empfänger». Sie können das Blut – und damit auch das Virus – ungeachtet der jeweiligen Blutgruppe bekommen.

Analog dazu seien Menschen mit Blutgruppe 0, die im Bezug auf Bluttransfusionen und Organspenden als «Super-Spender» gelten, im Zusammenhang mit Covid-19 möglicherweise als «Super-Verbreiter» zu betrachten, so Ellis. Wie gross das Risiko für Personen mit Typ A und B sei, hänge davon ab, welcher Typ in der Bevölkerung häufiger vorkommt. «Die Häufigkeit der Blutgruppen kann teilweise die unterschiedliche Schwere der Epidemie in den verschiedenen Regionen der Welt erklären.» (fee)

Dienstag, 22.02.2022

Nein, es gibt keine weltweiten Prozesse wegen Covid-19-Verbrechen

Auf Social Media und einschlägigen Portalen wird verbreitet, ein internationales Gericht untersuche «Covid-Verbrechen gegen die Menschlichkeit». Das stimmt aber nicht.

Prozesse weltweit würden sich bald mit den im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit befassen. Darauf weist unter anderem der Wettinger Arzt Thomas B., der in der Vergangenheit schon mehrfach als Coronaskeptiker und Massnahmengegner in Erscheinung getreten ist, in einem Mail an verschiedene Schweizer Redaktionen hin. Auch 20 Minuten zählte zu den Empfängern.

Die angeblichen «Eröffnungsplädoyers» sind unter anderem auf dem für die Verbreitung von Desinformation bekannten Portal Uncutnews.ch zu sehen. Ein Ausschnitt aus dem eigentlich rund 90-minütigen Clip befindet sich auf Bitchute.com. Die Videoplattform ist laut den Faktencheckerinnen und Faktencheckern von Mimikama.at bekannt dafür, «Hassrede und Verschwörungsmythen, aber auch rechtsextreme Inhalte zu verbreiten.» Wer dort veröffentliche, sei in nicht seltenen Fällen von etablierten Anbietern gelöscht worden.

Mehrfach widerlegte Behauptungen

Der von Binder mitgeschickte Link führt zu der Website hinter dem «Musterverfahren». Dort erfährt man, dass die Verantwortlichen der sogenannten Grand Jury «die Regierungen der Welt unter den kontrollierenden Einfluss korrupter und krimineller Machtstrukturen» sehen und die Pandemie für «seit Jahren geplant», sowie inszeniert halten. Man habe «durch falsche Tatsachenbehauptungen» absichtlich eine Massenpanik geschürt, um «die Bevölkerung dazu zu bewegen, den sogenannten ‹Impfungen› zuzustimmen.» Diese hätten sich «weder als wirksam noch als sicher, sondern als äusserst gefährlich, ja sogar tödlich erwiesen.»

Bei allen Punkten handelt es sich um bereits mehrfach widerlegte Behauptungen, die Coronaleugner, Impfkritiker und Massnahmengegner immer wieder vorbringen (siehe Faktenchecks vom 21. Oktober, 21. November, 1. und 12. Dezember, 9. Januar, 7. Februar).

Die Verantwortlichen sind, anders als echte Gerichte, nicht neutral unterwegs. Das zeigt auch der Blick auf die 12 Juristinnen und Juristen, die hinter der Aktion stehen. Darunter befindet sich unter anderem die Berliner Rechtsanwältin Viviane Fischer, die gemeinsam mit Reiner Fuellmich, der ebenfalls zu den Zeichnenden zählt, «den verschwörungsideologischen ‹Corona-Ausschuss›» gegründet hat, wie Tagesspiegel.de schreibt. Fischer war auch an der von Fachleuten heftig kritisierten «Pathologie-Konferenz» beteiligt.

Gerichte lehnten Klagen ab

Dass es wie von Fischer und ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern angekündigt zu einem internationalen Tribunal kommt, ist so gut wie ausgeschlossen. Eine Erklärung dafür liefern sie selbst in ihrem Willkommens-Text auf der Startseite. Dort heisst es, man habe diesen Weg «ausserhalb des bestehenden Systems» einschlagen müssen, «da es uns nicht gelungen ist, ein Gericht zu finden, das die tatsächlichen Beweise anhören will.»

Dass dies in Zukunft anders sein könnte, ist mehr als fraglich. Schliesslich sind die geäusserten Vorwürfe überholt. (fee)

Montag, 21.02.2022

Nein, eine Covid-19-Impfung führt nicht zu einer HIV-Infektion

Impfgegnerinnen und -gegner behaupten derzeit, das nach einer Covid-19-Impfung vom Körper gebildete Spike-Protein enthalte HI-Viren. Das ist falsch. Ihren Ursprung hat die Behauptung in einem längst zurückgezogenen Bericht indischer Forschender von Januar 2020.

Das Team des Indian Institute of Technology hatte damals erklärt, vier Stellen im Erbgut von Sars-CoV-2 gefunden zu haben, die dem des HI-Virus ähneln würden. Ihre Arbeit, die nicht nach wissenschaftlichen Qualitätsstandards begutachtet worden war, befeuerte prompt Spekulationen, dass das Virus im Labor entstanden sei.

Doch der Bericht liess ausser Acht, dass die angeblich auffälligen Sequenzen keineswegs typisch für HIV sind. Vielmehr kommen sie im Erbgut vieler Lebewesen vor, wie die Faktencheckerinnen und -checker der Nachrichtenagentur DPA schreiben. Bereits im Februar 2020 zogen die indischen Forschenden den Bericht zurück und erklärten, sie wollten damit keinen Verschwörungstheorien Vorschub leisten.

Sequenzen auch in anderen Viren

Eine kurz darauf im Fachjournal «Emerging Microbes & Infections» veröffentlichte Studie stellte klar, es gebe keine Hinweise darauf, dass die Sequenzen spezifisch für HIV seien oder dass das neuartige Coronavirus Einfügungen des HI-Virus enthalte. Die Sequenzen kämen in vielen Arten von Viren vor.

Die Erkenntnis hielt den inzwischen verstorbenen Nobelpreisträger Luc Montagnier nicht davon ab, im April 2020 aufgrund der angeblichen HIV-Sequenzen im Coronavirus zu behaupten, es stamme aus dem Labor. Der deutsche Virologe Christian Drosten bezeichnete die Aussage Montagniers in seinem NDR-Podcast als «kompletten Unsinn». Der indische Bericht sei zurückgezogen worden. «Dieses Thema ist einfach erledigt. Das ist auch erledigt, wenn ein im Ruhestand befindlicher Nobelpreisträger in einer Talkshow darüber spricht», so Drosten.

Auch übertragen auf die nach einer Impfung gebildeten Spike-Proteine bleibt die Behauptung, dass diese HIV-Sequenzen enthielten, irreführend. Dass eine solche Impfung HIV auslöst, kann als ausgeschlossen gelten, so die DPA. (jcg)

Sonntag, 20.02.2022

Nein, es gibt keine «fast 100-prozentige Todesrate» bei Ungeborenen von geimpften Schwangeren

Die Covid-Impfung stellt keine Gefahr für Schwangere dar, sondern schützt werdende Mütter und ihre Babys vor schweren Verläufen der Krankheit, wie diverse Studien belegen (siehe Faktencheck vom 11. Februar und vom 17. Februar 2022). Trotzdem versuchen Impfgegnerinnen und -gegner, mit immer neuen Behauptungen Zweifel zu säen. So etwa der für Desinformation bekannte Blog «Unser Mitteleuropa» mit einem Artikel mit der Schlagzeile «Schock-Enthüllung bei Pfizer-Impfstoffstudien: Fast 100-prozentige Todesrate (!) unter ungeborenen Kindern bei Schwangeren!» Doch die Behauptung ist grundfalsch.

Zuerst einmal handelt es sich bei dem Pfizer-Dokument nicht um eine klinische Studie. Sondern um eine «kumulierte Analyse von Berichten über unerwünschte Ereignisse nach der Zulassung». In diesem Bericht analysiert Pfizer zuhanden der US-Arzneimittelbehörde FDA Verdachtsfälle in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Covid-Impfung. Die Fälle stammen aus dem Zeitraum nach der Zulassung des Pfizer/Biontech-Impfstoffs Comirnaty im Dezember 2020 und dem 28. Februar 2021.

Rechnung geht nicht auf

Das Dokument listet 270 Meldungen mit Bezug auf Schwangere auf. Allerdings bezieht sich nur ein kleiner Teil tatsächlich auf Komplikationen der Schwangerschaft. Für 238 dieser Schwangerschaften lag zu dem Zeitpunkt des Berichts noch kein Ergebnis über den Ausgang vor. Bei 28 Schwangerschaften wurde der Tod des Fötus respektive des Neugeborenen gemeldet.

Der Blogautor machte es sich nun sehr einfach und zählte von den 270 Fällen die 238 mit unbekanntem Ausgang ab und kam so auf 32 Fälle. 28 sind 87,5 Prozent von 32. Und so verkündete «Unser Mitteleuropa», dass «in mindestens 87,5 Prozent der Fälle Schwangere ihre Kinder nach der Corona-Impfung verloren» hätten. Das ist unsinnig, da die Schwangerschaften mit unbekanntem Ausgang ausser Acht gelassen wurden, wie correctiv.org schreibt.

Kein Beleg für mögliche Impffolgen

Ausserdem wurde nicht berücksichtigt, dass in den USA bis zum 16. Februar 2021 laut der Seuchenschutzbehörde CDC mindestens 30’494 schwangere Frauen gegen Covid-19 geimpft wurden – also deutlich mehr, als im Bericht von Pfizer aufgeführt. Zudem ist bei keinem der im Pfizer-Bericht gemeldeten Fälle erwiesen, ob sie etwas mit der Impfung zu tun hatten, wie die Faktencheckerinnen und Faktenchecker der Nachrichtenagentur DPA schreiben.

Von der reisserischen Schlagzeile einer «fast 100-prozentigen Todesrate» bleibt somit bei nüchterner Betrachtung nichts übrig. Dass die so offensichtlich falsche Behauptung von «Unser Mitteleuropa» stammt, passt im Übrigen zum Programm des Blogs. Laut netzpolitik.org verbreitet die Website «ein Potpourri rechter Desinformation». Andreas Peham, der die rechte Szene für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands beobachtet, sieht den Blog «an der Grenze zum Neonazismus angesiedelt».

Wer sich über Impfungen vor, während oder nach der Schwangerschaft informieren möchte, sollte dies auf seriösen Websites wie etwa swissmom.ch tun oder sich von einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt beraten lassen. (jcg)

Freitag, 18.02.2022

Nein, Biontech klagt nicht gegen Dänemark

Auf Facebook und Twitter kursiert seit Anfang Februar ein vermeintlicher Beitrag des Nachrichtenportals n-tv.de, laut dem die Unternehmen Biontech und Pfizer angeblich Klage gegen die dänische Regierung einreichen wollen. Der Grund: Wegen der aufgehobenen Corona-Massnahmen würden sich immer weniger Däninnen und Dänen impfen lassen, wodurch den Firmen viel Geld entginge. Doch das ist Quatsch.

Weder handelt es sich bei dem Post um einen Beitrag von n-tv.de, noch ist an der darin aufgestellten Behauptung irgendetwas dran. Der angebliche Artikel lässt sich zudem weder über die Suchfunktion des Nachrichtenportals noch über Google oder Duckduckgo finden.

Schon die genaue Betrachtung des Posts zeigt, dass es sich nicht um einen Screenshot von n-tv.de handeln kann: Die Reiter stimmen nicht mit dem Layout des Nachrichtenportals überein. Auch eine Parodie-Kategorie gibt es dort nicht. Zudem ist die Schriftart, in der das Wort «Parodie» verfasst wurde, nicht die, die n-tv.de verwendet. Auch der Aufbau des geposteten Beitrags ist anders als der von echten Beiträgen auf n-tv.de.

«Eine Fälschung»

Wer noch genauer hinschaut, bemerkt, dass der angebliche Artikel Rechtschreibfehler enthält: Statt von «Wahrscheinlichkeit» ist von «Wahrscheinlichleit» die Rede. Bei «Covid 19» fehlt der obligatorische Bindestrich. Und beim «auf Grund» nutzt der oder die Verfasserin nicht die vom Duden empfohlene und von n-tv.de konsequent genutzte Schreibweise «aufgrund». Zudem ist die Ausdrucksweise ungelenk.

Um in ihrer Bewertung des angeblichen Artikels ganz sicher zu gehen, haben die Faktencheckerinnen und Faktenchecker der Nachrichtenagentur AFP bei den drei in dem Artikel erwähnten Institutionen nachgefragt. Alle drei – Biontech, n-tv.de und der Europäische Gerichtshof – dementierten die Behauptung und bezeichneten den Post als Fälschung. (fee)

Donnerstag, 17.02.2022

Ja, eine Corona-Impfung der Mutter kommt auch den Babys zugute

Hartnäckig verbreiten Impfgegnerinnen und -gegner die Falschbehauptung, dass die Covid-Impfung für Schwangere und deren ungeborene Kinder gefährlich sei. Doch das stimmt nicht und wurde bereits mehrfach widerlegt. Im Gegenteil: Von der Impfung gegen Covid-19 profitieren nicht nur die werdenden Mütter, sondern auch ihr Nachwuchs, wie eine aktuelle Studie aus den USA belegt.

Forscher des Massachusetts General Hospital (MGH) fanden bei sechs Monate alten Babys, die von geimpften Müttern geboren wurden, nachweisbare Mengen an schützenden Antikörpern. Die im «Journal of the American Medical Association (JAMA)» veröffentlichte Studie umfasste Mütter, die mit zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs geimpft oder in der 20. bis 32. Schwangerschaftswoche infiziert wurden.

Die Titer – oder Antikörperspiegel – waren bei geimpften Müttern und in ihrem Nabelschnurblut bei der Geburt höher als bei den mit Sars-CoV-2 infizierten Studienteilnehmerinnen. Nach zwei Monaten hatten 98 Prozent der Säuglinge (48 von 49), die von geimpften Müttern geboren wurden, nachweisbare Spiegel des schützenden Immunglobulins G (IgG), des am häufigsten im Blut gefundenen Antikörpers. Nach sechs Monaten untersuchten die Forscher 28 der Säuglinge geimpfter Mütter und stellten fest, dass 57 Prozent (16 von 28) immer noch nachweisbares IgG hatten. Bei Babys von ungeimpften Müttern war das nur bei 8 Prozent (eins von zwölf) der Fall.

Anreiz für die Impfung

Laut Andrea Edlow, Spezialistin für Perinatalmedizin am MGH und Co-Autorin der Studie, sei unklar, wie hoch der Titer sein müsse, um einen Säugling vollständig vor Covid zu schützen. Das gilt auch in Bezug auf Erwachsene. «Wir wissen aber, dass der Anti-Spike-IgG-Spiegel mit dem Schutz vor schweren Krankheiten in Zusammenhang steht.»

«Die Beständigkeit der Antikörperantwort zeigt, dass die Impfung nicht nur Müttern dauerhaften Schutz bietet, sondern auch, dass die Antikörper bei einem Grossteil der Säuglinge bis zu einem Alter von mindestens sechs Monaten bestehen bleiben. Viele Interessierte, von Eltern bis zu Kinderärztinnen und -ärzten, wollen wissen, wie lange mütterliche Antikörper bei Säuglingen nach der Impfung bestehen bleiben, und jetzt können wir einige Antworten geben. Wir hoffen, dass diese Ergebnisse einen weiteren Anreiz für Schwangere darstellen, sich impfen zu lassen.»

Schwangere besonders gefährdet

«Schwangere Frauen haben ein extrem hohes Risiko für schwerwiegende Komplikationen durch Covid», sagt Galit Alter, Co-Autor der Studie (siehe Faktencheck vom 11. Februar 2022). «Und angesichts des Rückstands bei der Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen für Säuglinge sollten diese Daten Mütter dazu motivieren, sich während der Schwangerschaft impfen zu lassen, um die Abwehrkräfte ihrer Babys gegen Covid zu stärken.»

Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt die Covid-Impfung «allen Frauen ab der zwölften Schwangerschaftswoche – das heisst: ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel». Sie sei aber grundsätzlich auch früher möglich. (sp/jcg)

Mittwoch, 16.02.2022

Nein, Studie beweist nicht, dass der Lockdown sinnlos war

Massnahmen-Gegnerinnen und -Gegner verbreiten eine «Meta-Analyse», die angeblich zeigt, dass die Lockdowns in Europa und den USA «quasi keinen Effekt» auf die Anzahl der Corona-Toten hatten. Dafür hätten die Lockdowns dazu beigetragen, «die Wirtschaftstätigkeit zu verringern, die Arbeitslosigkeit zu erhöhen, die Schulbildung zu verringern, politische Unruhen zu verursachen, zu häuslicher Gewalt beizutragen und die liberale Demokratie zu untergraben», zitiert Bild.de die Arbeit.

Doch der Schluss lässt sich nicht ziehen, wie sich mehrere Fachleute nach den ersten Berichten über die Untersuchung beeilten zu sagen: «Einen viel grösseren methodischen Quatsch kann man nicht machen», erklärte Andreas Peichl, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) gegenüber Br.de. «Eine Bachelorarbeit hätte man mit der Studie nicht bestanden», so sein Urteil.

Keine wirkliche Meta-Analyse

Die Untersuchung der drei Autoren, von denen tatsächlich nur einer – Steve H. Hanke – von der Johns-Hopkins ist, weist Mängel auf: Anders als eigentlich bei Meta-Analysen üblich, haben die drei Autoren nicht alle veröffentlichten und vor allem von anderen Fachleuten begutachteten Studien in die Auswertung miteinbezogen, wie Forbes.com schreibt. Es habe vielmehr eine Auswahl von 24 Arbeiten stattgefunden, die an keiner Stelle begründet würde.

Bei einigen Arbeiten handele es sich auch nicht um echte Studien, sondern nur um «Arbeitspapiere», so «Forbes» weiter. Der Grossteil der berücksichtigten Untersuchungen stamme zudem von Ökonomen. «Dies ist merkwürdig, da die wichtigsten Studien von Epidemiologen, medizinischen Forschern und anderen Experten für öffentliche Gesundheit durchgeführt wurden.»

«Einiges an Gammelfleisch»

An der Auswahl der berücksichtigten Arbeiten stösst sich auch der Ökonom Andreas Backhaus von der LMU: «Die Köche dieser Meta-Studie behaupten, dir bestes Fleisch aus der Oberschale [Huft] hinzuhalten, das sie dann zu Hackfleisch machen. Tatsächlich werfen sie aber nur einen Fetzen Oberschale rein, darunter befindet sich etwas Gulasch und einiges an Gammelfleisch», twitterte er. Das Ergebnis werde so verzerrt.

«Unüblich und unwissenschaftlich»

Die Kernaussage, Lockdowns verhinderten kaum Todesfälle, bezeichnet Max Geraedts, Leiter des Instituts für Versorgungsforschung und Klinische Epidemiologie an der Universität Marburg, gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur DPA als «so nicht haltbar». Es gebe eine Fülle wissenschaftlich qualitativ hochwertiger Studien, die nicht berücksichtigt worden seien.

Einen weiteren Kritikpunkt äussert Friedemann Weber, Virologe an der Universität Giessen, laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA: Die Arbeit von Hanke und seinen Kollegen sei nicht, wie von den Verbreitern der Meldung suggeriert, in einem Fachjournal veröffentlicht worden, sondern auf der Webseite des Johns Hopkins Institute für Applied Economics, dessen Gründer und Co-Direktor Hanke ist. «Studien im Eigenverlag herauszugeben ist absolut unüblich und unwissenschaftlich.» So umginge man den Peer-Review und damit «eine der wichtigsten Massnahmen zur Qualitätssicherung in der Wissenschaft.»

Autoren nicht neutral

Für Volkswirtschaftler Peichl sieht alles danach aus, als habe das Studienergebnis von vornherein festgestanden: «Die Studie wurde passend dazu gemacht.» Hinweise darauf liefert auch ein Blick auf das Twitter-Profil von Hauptautor Hanke, wo er regelmässig zum Ausdruck bringt, was er von den Corona-Massnahmen hält. Italiens Corona-Massnahmen habe er etwa jüngst als «faschistisch» bezeichnet, so die DPA. Als Projektleiter beim libertären US-Thinktank Cato Institute setze er sich zudem gegen staatliche Interventionen in Wirtschaft und Gesellschaft ein. Und als Regierungsberater mache er sich seit Jahrzehnten weltweit für die Privatisierung öffentlicher Ressourcen und Dienstleistungen stark.

Ungeachtet dieser Studie hat WHO-Experte David Nabarro bereits Ende 2020 erklärt, dass Lockdown-Massnahmen in Pandemien ein «allerletztes Mittel» sein sollten. (fee)

Dienstag, 15.02.2022

Nein, dieses Diagramm beweist nicht, dass Masken nutzlos sind

In den sozialen Medien wird ein Diagramm geteilt, das angeblich beweisen soll, dass das Tragen von Masken gegen Covid-19 überhaupt nichts bringt. Das stimmt aber nicht.

In dem Diagramm werden die Corona-Fallzahlen der US-Bundesstaaten Arizona und Kalifornien von Januar 2020 bis Januar 2022 verglichen. Die Kurven verlaufen nahezu parallel – obwohl Kalifornien am 15. Dezember 2021 eine Maskenpflicht eingeführt hat, währenddessen Arizona darauf verzichtet hat. «Warum haben dann beide Staaten während des Wintereinbruchs genau die gleichen Ergebnisse erzielt?», fragt Twitter-Nutzer @ianmSC, ein bekennender Maskengegner.

Das für die Verbreitung von Verschwörungstheorien bekannte Portal Report 24 hat den Post aufgenommen und folgert, Masken hätten «nachweislich keinerlei Einfluss darauf, ob sich Viren weiterverbreiten oder nicht.» Sie seien lediglich dazu geeignet, «die Unterwürfigkeit der Bürger gegenüber dem System zu zeigen – oder zu erzwingen.» Beide Aussagen sind falsch.

Masken schützen wirklich

Dass Masken das Risiko einer Infektion reduzieren, wurde mehrfach bewiesen (hier, hier oder hier). Selbst das Bundesamt für Gesundheit, das zu Beginn der Pandemie fälschlicherweise das Gegenteil behauptete, attestiert Masken eine schützende Funktion. Besonders in geschlossenen und schlecht belüfteten Bereichen seien sie wichtig.

Wie gut die Bedeckungen von Mund und Nase vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen, hängt vom Typ der Maske ab. Das zeigte erst kürzlich eine Studie von Forschenden des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen (MPIDS). Demnach liegt bei einer korrekt sitzenden FFP2-Maske die Ansteckungsgefahr bei 0,1 Prozent, wenn sich ein Infizierter und ein Gesunder 20 Minuten auf kurzer Distanz in einem Innenraum begegnen. Damit seien sie 75 Mal wirkungsvoller als OP-Masken.

Doch auch diese böten einen deutlichen Schutz: Bei ihnen liegt die Ansteckungswahrscheinlichkeit bei zehn Prozent, wenn sich eine infizierte und eine gesunde Person 20 Minuten auf kurzer Distanz im Innenraum sehen.

In Kalifornien leben die Menschen enger beieinander

Wie ist dann die ähnliche Entwicklung der Fallzahlen zu erklären? Eindeutig lässt sich das nicht sagen. Möglich ist etwa, dass die Menschen im «Golden State» Kalifornien die Maskenpflicht sehr locker ausgelegt haben oder die Masken nicht richtig trugen.

Weiter eine Rolle gespielt haben dürfte auch die Besiedlung der beiden Bundesstaaten. So ist es in Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA, deutlich enger: Während dort im Schnitt 91,3 Einwohner auf einen Quadratkilometer kommen, sind es in Arizona bloss 24 Einwohner. Zudem gibt es im Golden State mindestens 75 Städte mit mehr als 100’000 Einwohnern, in Grand Canyon State dagegen nur zehn. Auch die Einwohnerzahlen der beiden grössten unterscheiden sich mit rund 1,6 Millionen in Phoenix (Arizona) und knapp vier Millionen in Los Angeles (Kalifornien) deutlich. Die Gefahr, dort einer oder einem Infizierten zu begegnen, dürfte ungleich höher sein. (fee)

Montag, 14.02.2022

Nein, Genesene sind nicht grundsätzlich besser vor Covid-19 geschützt

In den sozialen Medien behaupten User, Studien würden belegen, dass von Covid-19 Genesene besser vor einer erneuten Ansteckung geschützt seien als Personen, die bislang nur dagegen geimpft worden seien. Die Posts haben Titel wie «Natürliche Immunität ist besser als Impfung».

Diese Studien beziehungsweise Vorab-Studien gibt es tatsächlich, etwa aus Israel oder den USA. Allerdings sind diese veraltet. Sie stammen aus der Zeit, als noch die Delta-Variante dominierte. Mittlerweile sorgt aber die Omikron-Mutante für die meisten Infektionen. Und damit hat sich das Blatt offenbar gewendet. Für Omikron deuten erste Studien nämlich darauf hin, dass insbesondere bei milden Verläufen keine robuste Immunantwort ausgebildet wird.

Ungeimpfte sind nach Omikron-Infektion weniger gut geschützt

Für eine bisher nur als Preprint verfügbare Studie haben Forschende der University of California untersucht, wie gut Geimpfte, Geboosterte und Menschen mit Durchbruchsinfektionen in der Lage waren, Omikron-Antigene zu neutralisieren. Dabei zeigte sich, dass zweifach Geimpfte, die sich mit Omikron infizierten, mehr als fünf Mal so viele Antikörper hatten wie Menschen, die nur zweimal geimpft waren. Allerdings hatten sie nur ein Drittel so viele Antikörper wie bereits geboosterte Personen.

Forschende vom Institut für Virologie an der Medizinischen Universität Innsbruck wiesen nach, dass Ungeimpfte, die sich mit Omikron infiziert hatten, kaum über neutralisierende Antikörper gegenüber anderen Sars-CoV-2-Varianten verfügen. Geimpfte dagegen weisen eine hohe Immunantwort auf. Ebenso jene, die vor der Omikron-Ansteckung schon einmal mit einer anderen Variante infiziert waren.

Studienleiterin Janine Kimpel empfiehlt Ungeimpften, die von Omikron genesen sind, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Auch der deutsche Immunologe Carsten Watzl, der nicht an der Untersuchung beteiligt war, spricht sich dafür aus.

Keine pauschale Aussage möglich

«Ob Genesene oder Geimpfte besser geschützt sind, hängt von der Variante ab», erklärte Reinhold Förster, Immunologe an der Medizinischen Hochschule Hannover, gegenüber Br.de. Im Grunde müsse mit jeder Mutation des Coronavirus neu bewertet werden, was besser vor einer (erneuten) Infektion schützt: die verfügbaren Impfungen oder eine vorherige Infektion.

Abschliessend sagen lasse sich das immer erst, nachdem eine neue Variante die bisher vorherrschende verdrängt habe, so Förster. In dem Zeitraum, in dem das Ursprungsvirus und die Alpha-Variante vorherrschten, schützten die Impfungen besser als eine durchgemachte Infektion. Mit dem Auftauchen von Delta kehrte sich das um. «Man hatte den besten Schutz, wenn man sich mit Delta infiziert hatte – und vielleicht dazu noch geimpft war.» Wie das mit Omikron ist, wisse man erst im Sommer definitiv. (fee)

Samstag, 12.02.2022

Nein, Maske-Tragen belastet den Körper nicht

Einige Gerüchte rund um die Corona-Pandemie halten sich genauso lange wie das Virus selbst. Etwa das, wonach Masken zu wenig Sauerstoff durchlassen und somit eine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Allerdings ist die Sorge unbegründet.

Die Behauptung wurde bereits mehrfach widerlegt – unter anderem von Forschenden der Empa (siehe Faktencheck vom 18. Dezember 2021). Ein Team der Uniklinik Tübingen bestätigt dies nun in einer im «International Journal of Environmental Research and Public Health» veröffentlichten Studie.

«Keine relevante Veränderung physiologischer Parameter»

Um herausfinden, wie sich das Tragen einer Maske auf den Körper auswirkt, hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 20 Männer und 19 Frauen an vier Tagen auf einem Ergometer radeln lassen – mal ohne Maske, mal mit Stoffmaske, mal mit Hygiene- und mal mit FFP2-Maske mit Ausatmungsventil. Dabei wurden verschiedene Parameter wie Sauerstoff- und Kohlenstoffdioxidgehalt im Blut, die Atemfrequenz und die Leistung auf dem Ergometer untersucht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren unterschiedlichen Alters und deckten unterschiedliche Fitness-Level ab.

Ergebnis: «Selbst bei anstrengender körperlicher Aktivität hat das Maskentragen keine relevante Veränderung physiologischer Parameter zur Folge», heisst es in einer Mitteilung des Klinikums. Konkret: Änderungen gab es weder beim Sauerstoff- noch beim Kohlenstoffdioxidgehalt im Blut. Auch Atemfrequenz oder die Leistungen seien im üblichen Rahmen geblieben. «Ein sehr schönes Ergebnis», so Forschungsgruppenleiter Benjamin Steinhilber vom Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Versorgungsforschung gegenüber Swr.de. Das Ergebnis sei trotz kleiner Stichprobe statistisch relevant.

Man muss sich mehr anstrengen

Dass die Teilnehmenden dennoch einen Unterschied feststellten und sich erschöpfter fühlten, ist dem Umstand geschuldet, dass die Anstrengung beim Tragen von Masken grösser gewesen sei. Also dass man sich etwas mehr anstrengen muss, um die gleiche Menge Sauerstoff wie ohne Maske einatmen zu können. Die Gruppe um Steinhilber untersucht in einem nächsten Schritt, wie sich das Tragen von Masken während 130-minütigen Tätigkeitssimulationen auswirkt. (fee)

Freitag, 11.02.2022

Ja, das Coronavirus kann Ungeborene töten

Entgegen der Empfehlung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern warten einige Schwangere die Geburt ab, bevor sie sich gegen Covid-19 impfen lassen. Zu gross ist ihre Angst, dass die Impfung dem Ungeborenen schaden könnte. Dabei ist die Sorge nachweislich unbegründet – und das nicht impfen lassen potenziell gefährlich für das Ungeborene. Das zeigt eine aktuelle Studie aus den USA.

Für die im Fachjournal «Archives of Pathology & Laboratory Medicine» veröffentlichte Arbeit, hatte das Team um den Pathologen David Schwartz aus Atlanta in zwölf Ländern Plazenta- und Autopsiegewebe von 64 Totgeburten und vier Neugeborenen analysiert, die kurz nach der Geburt gestorben waren. In allen Fällen handelte es sich um die Kinder von ungeimpften Frauen, die sich während der Schwangerschaft mit Corona infiziert hatten.

Coronavirus zerstört die Plazenta

Dabei zeigte sich, dass das Virus nicht nur den Fötus selbst infizieren, sondern auch in die Plazenta eindringen und sie zerstören kann, was zum Tod des Fötus führen kann. «Die pathologischen Anomalien, aus denen sich die Sars-CoV-2-Plazentainfektion zusammensetzt, verursachen eine weit verbreitete und schwere Zerstörung der Plazenta, was zu einer verminderten Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Mutterkuchens führt.» Bei infizierten Frauen führe dies zu Totgeburten, zitiert die Deutsche Presse-Agentur DPA aus der Studie.

Bei den untersuchten Proben waren im Schnitt 77,7 Prozent des Plazentagewebes geschädigt. Es ist unklar, ob auch Omikron-Infektionen das Risiko einer Totgeburt erhöhen. Die Studie wurde vor dem Auftreten der hochinfektiösen Variante durchgeführt.

Fachleute raten Schwangeren zur Impfung

Das Bundesamt für Gesundheit weist darauf hin, dass auch für die Schwangeren selbst das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf grösser ist, was wiederum «einen negativen Einfluss auf die Schwangerschaft sowie das ungeborene Kind haben kann.» Darum wird die Impfung «allen Frauen ab zwölf Schwangerschaftswochen – das heisst: ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel – empfohlen.» Sie sei aber grundsätzlich auch früher möglich.

Anders als bei der Infektion gibt es bei der Impfung «keinerlei Hinweise darauf, dass es zu Fehlbildungen kommen kann. Weder bei der Impfung, noch bei einer Covid-Infektion», erklärte Gabriella Stocker, stellvertretende Chefärztin Geburtshilfe am Stadtspital Zürich Triemli, gegenüber 20 Minuten. Da die Daten zur Impfung von Schwangeren und Stillenden mit den mRNA-Vakzinen am umfangreichsten seien, würden diese Impfstoffe empfohlen. (fee)

Donnerstag, 10.02.2022

Nein, diese Studie beweist nicht die Wirksamkeit von Ivermectin gegen Covid-19

Eine Falschbehauptung in einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters liess Corona-Skeptikerinnen und -Skeptiker Ende Januar jubeln. Demnach hätte eine klinische Phase-III-Studie in Japan bestätigt, dass das Medikament Ivermectin beim Menschen gegen die Omikron-Variante des Coronavirus helfe. Doch das stimmt nicht.

Richtig ist, dass die japanische Pharmafirma Kowa die Wirksamkeit des Medikaments, das sowohl beim Menschen als auch beim Tier gegen Parasiten eingesetzt wird, gegen das Coronavirus testet. Am 31. Januar teilte das Unternehmen mit, dass bei der Verwendung von Ivermectin eine «antivirale Wirkung» gegen die Omikron-Variante festgestellt worden sei – wie früher bereits gegen Alpha, Beta, Gamma und Delta. Allerdings nicht in einer Phase-III-Studie am Menschen, sondern in einer nicht-klinischen Studie. Das Unternehmen bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, dass dies bedeute, dass es sich um eine Studie im Labor und nicht an menschlichen Patienten handle. Es können daraus also keine Schlüsse auf eine mögliche Wirksamkeit beim Menschen gezogen werden.

Umgehende Richtigstellung von Reuters

Reuters korrigierte noch am selben Tag den Fehler und schrieb, dass es sich um eine «nicht-klinische» Forschung gehandelt habe. Die Nachrichtenagentur stellte in der korrigierten Meldung klar: «In der ursprünglichen Reuters-Meldung wurde fälschlicherweise behauptet, dass Ivermectin in klinischen Studien der Phase III, die am Menschen durchgeführt werden, gegen Omikron ‹wirksam› war.» Auch auf Twitter publizierte Reuters ein Korrigendum und fügte die Warnung der Weltgesundheitsorganisation WHO vor der Verwendung von Ivermectin an.

Kowa untersucht derweil tatsächlich in einer Phase-III-Studie am Menschen eine mögliche Wirksamkeit von Ivermectin gegen Covid-19. Diese Studie soll laut dem japanischen Unternehmen aber erst am 31. März abgeschlossen sein.

Deshalb gilt nach wie vor, dass es keine ausreichend starken wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit von Ivermectin gegen das Coronavirus beim Menschen gibt, wie das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) schreibt (siehe auch Faktencheck vom 19. November 2021). Ebenfalls gilt weiterhin, dass die unkontrollierte Anwendung lebensgefährlich ist. Das RKI warnt deshalb wie die WHO, die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), die US-Arzneimittelbehörde FDA, das österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen, das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic und der Hersteller Merck Sharp & Dohme (MSD) selbst vor der Anwendung ausserhalb klinischer Studien. (jcg)

Mittwoch, 09.02.2022

Nein, Männer können durch die Impfung der Partnerin nicht impotent werden

Viele Gerüchte halten sich, auch wenn sie schon längst widerlegt wurden. Das gilt auch für jene, die sich auf Covid-19 oder die Impfstoffe dagegen beziehen. Mitunter werden sie sogar mit neuen, aber nicht weniger falschen Behauptungen kombiniert. Ein solches Beispiel hat etwa Twitter-User @drxeno2 gepostet. Es stammt, wie viele unwahre Behauptungen, von Telegram.

In dem zitierten Post schildert ein ungeimpfter Mann Erektionsprobleme, die ihn seit der zweiten Biontech/Pfizer-Impfung seiner Frau plagen. Nach dem Booster sei es schlimmer geworden und «die Probleme verfestigten» sich. Anders als seine Frau sehe er da einen Zusammenhang.

Zwei Gerüchte zu einem gemacht

Der Post verquickt zwei bereits mehrfach widerlegte Behauptungen über die Covid-19-Impfstoffe auf mRNA-Basis: Dass Geimpfte das Spike-Protein des Coronavirus ausstossen und an Ungeimpfte weitergeben (siehe Faktencheck vom 5. Oktober 2021), und dass die Vakzine der männlichen Potenz schaden (siehe Faktencheck vom 21. Oktober 2021).

Für beide Gerüchte gibt es keinerlei Belege: Die Idee des Impfstoff-Sheddings, also dass Geimpfte ungeimpfte Personen krank machen, entbehrt laut dem deutschen Paul-Ehrlich-Institut «jeder wissenschaftlichen Grundlage». Und auch die auf die US-Rapperin Nicki Minaj zurückgehende Behauptung von den Impfstoff-bedingten Erektionsproblemen ist ohne Grundlage: «Störungen der männlichen Potenz sind keine bekannten Nebenwirkungen der Covid-19-Impfstoffe», teilt Swissmedic auf Anfrage von 20 Minuten mit.

Covid-19 schlägt auf die Potenz

Erektionsstörungen können jedoch eine Folge der Covid-19-Infektion sein, wie Daniel Eberli, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsspital Zürich, im Oktober 2021 zu 20 Minuten sagte. Seit Beginn der Pandemie «gibt es eindeutig mehr erektile Funktionsstörungen».

Eine im «Journal of General Internal Medicine» veröffentlichte Studie stützt Eberlis Aussage. Diese zeigte nämlich, dass die Verkaufszahlen von Potenzmitteln in den USA zwischen Februar und Dezember 2020 massiv angestiegen sind – und damit zu einem Zeitpunkt, als die mRNA-Impfstoffe noch gar nicht verfügbar waren. Sowohl der Biontech/Pfizer- als auch der Moderna-Impfstoff wurden erst im Dezember 2020 zugelassen. (fee)

Dienstag, 08.02.2022

Nein, nach der Corona-Impfung ist keine «Entgiftung» nötig

Ein unter Impfgegnerinnen und -gegnern geteilter Artikel warnt davor, dass nach einer Erkrankung an Covid-19 oder einer Impfung gegen das Coronavirus «gefährliche Spike-Proteine» im Körper zirkulieren. Sie können Zellen, Gewebe und Organe schädigen, wird behauptet. Deshalb müsse man den Körper «entgiften». Doch das stimmt nicht.

Spike-Proteine sind Stacheln, mit denen das Coronavirus Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt und sie infiziert. Die mRNA-Impfstoffe bringen Muskelzellen dazu, Kopien der Spike-Proteine – ohne weitere Virusbestandteile – zu produzieren. Die infolge der Impfung produzierten Spike-Proteine werden dann vom Immunsystem erkannt, das daraufhin Antikörper und T-Zellen bildet.

Die so entstandenen Spike-Proteine bleiben aber in den Muskelzellen, in die sie injiziert wurden. «Wir haben nach der Impfung kein freies Spike-Protein, das durch den Körper mäandert und unsere Gefässe zerstört», erklärte Annette Beck-Sickinger, Leiterin der Forschungsgruppe Biochemie und Bioorganische Chemie an der Universität Leipzig, der Nachrichtenagentur AFP. Der Dortmunder Immunologe Carsten Watzl sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Es ist kein lösliches Protein, es schwimmt also nicht in grossen Mengen im Organismus herum.»

Im Körper verbleibt es nur so lange wie andere vom Körper gebildete Proteine. Die genaue Dauer ist nicht bekannt, wird aber auf wenige Wochen geschätzt, wie die US-Organisation Infectious Diseases Society of America und die US-Seuchenschutzbehörde CDC schreiben. Der Abbau geschieht ganz natürlich durch Zellerneuerung oder eine Interaktion mit Immunzellen.

Keine verlässlichen Studien

Zur Ausleitung sind Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel also weder nötig noch wirksam. Auch bei einer Covid-19-Infektion nützen und helfen sie nichts, wie die Konsumentenschützerinnen und -schützer der deutschen Verbraucherzentralen schreiben. Demnach gebe es noch keine verlässliche Studie, die eine schützende Wirkung von bestimmten Pflanzen, Vitaminen oder Mineralstoffen gegen das Virus beweisen würde.

Der Artikel sollte spätestens dann in Zweifel gezogen werden, wenn zur «Entgiftung» auch Hydroxychloroquin und Ivermectin empfohlen werden. Ersteres ist ein unter anderem von Donald Trump angepriesenes Malariamittel, das erwiesenermassen nicht gegen das Coronavirus wirkt, jedoch zu Herzrhythmusstörungen und Augenkrankheiten führen kann. Ivermectin, ein Entwurmungsmittel für Haus- und Nutztiere, ist bei Corona-Erkrankungen nicht nur nutzlos, sondern auch gefährlich und kann bei hoher Dosierung toxisch wirken. Der Hersteller Merck Sharp & Dohme (MSD) selbst warnt vor der Anwendung bei Menschen (siehe Faktencheck vom 19. November 2021).

Die im Artikel genannten Ratschläge sollen von einem sogenannten «World Council of Health» stammen. Zwar gibt es ein gleichnamiges Gremium innerhalb der WHO, doch damit hat dieser «Weltgesundheitsrat» nichts zu tun, wie die DPA schreibt. (jcg)

Montag, 07.02.2022

Nein, der Biontech-Geschäftsbericht beweist nicht, dass die Pandemie geplant war

Im Geschäftsbericht 2019 des deutschen Covid-19-Impfstoff-Entwicklers Biontech meinen Impfgegnerinnen und Impfgegner den Beweis dafür gefunden zu haben, dass die Corona-Pandemie geplant war. Denn darin wird der Corona-Impfstoff erwähnt, von dem man jedoch erst Anfang 2020 wusste, dass es einen solchen brauchen werde.

Die Behauptung wird unter anderem auf Tiktok (siehe Bildstrecke), per Mail und auf der für die Verbreitung von Falschinformationen bekannten Website Report24 geteilt. Auf Letzterer heisst es, «eine kluge deutsche Bürgerin» wäre auf die Ungereimtheit gestossen. Doch so wie von ihr und den Verbreiterinnen und Verbreitern der Behauptung dargestellt ist die Sache gar nicht.

Daten missinterpretiert

Richtig ist: Der Covid-19-Impfstoff BNT162 wird auf Seite sechs des Biontech-Geschäftsberichts 2019 im Abschnitt «Pipeline» erwähnt. Aber wie bei Geschäftsberichten üblich, wurde auch dieser erst im Folgejahr geschrieben. Abgeschlossen wurde er am 15. Mai 2020, wie auf Seite 197 nachzulesen ist. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Sars-CoV-2 bereits weltweit ausgebreitet, die Weltgesundheitsorganisation WHO den Covid-19-Ausbruch zur Pandemie erklärt und die Impfstoffentwicklung mit Hochdruck eingesetzt. Mit Wahrsagerei, wie Report24 und die Social-Media-Posts suggerieren, hat das Ganze nichts zu tun.

Auch auf Seite sechs ist das klar ersichtlich. Dort machen die Autorinnen und Autoren des Berichts deutlich, dass sich die Angaben zur Impfstoffentwicklung auf die Zeit nach 2019 beziehen. Das Sternchen hinter der BNT162 führt zu einer Fussnote, die den Hinweis «seit 2020» enthält. Vier Seiten später heisst es zudem «Als Anfang des Jahres 2020 der Ausbruch eines neuen Virus aus China öffentlich bekannt wurde, haben wir nicht gezögert.» Knapp vier Monate später erhielt Biontech bereits die Genehmigung für eine klinische Studie mit seinem Impfstoffkandidaten. Darauf wird im Geschäftsbericht Bezug genommen.

Dass die Mainzer Firma so schnell Erfolge erzielte, war nur dank des Projekts Lightspeed möglich – weil Biontech alle Kräfte gebündelt hat und viel Geld zur Verfügung gestellt wurde (siehe Faktencheck vom 3. Dezember 2021). (fee)

Sonntag, 06.02.2022

Nein, ein Bericht beweist nicht, dass Booster das Krebswachstum beschleunigen

«Jetzt bewiesen: Die Booster-Impfung ‹boostert› den Krebs!» – so lautet der Titel eines Posts, der seit einigen Wochen in den sozialen Medien und auf Telegram kursiert. Doch der als Beweis angeführte Fachartikel aus dem Fachjournal «Frontiers in Medicine: Pathology» beweist gar nichts dergleichen. Das sagt auch der Mann, um den es in dem Fallbericht geht: der belgische Immunologe Michel Goldman, der auch als Autor am Artikel beteiligt war.

Ein Einzelfall

In dem Text wird geschildert, dass der 66-Jährige rund ein halbes Jahr nachdem er zwei Dosen des Covid-19-Impfstoffs von Biontech/Pfizer erhalten hatte, einen Arzt aufgesucht hat. Dies, weil seine Lymphknoten geschwollen waren. Bei der Untersuchung zeigte sich, dass dies auf eine spezielle Form von Lymphdrüsenkrebs zurückging: das sogenannte angioimmunoblastische T-Zell-Lymphom, kurz AITL.

Nach der Boosterimpfung habe die Schwellung eines Lymphknotens noch einmal deutlich zugenommen, woraufhin weitere Untersuchungen – auch mit bildgebenden Verfahren – stattfanden, heisst es in dem Bericht. Die Aufnahmen zeigten eine «deutliche Zunahme der Anzahl, Grösse und Stoffwechselaktivität der bereits existierenden geschwollenen Lymphknoten» acht Tage nach der dritten Dosis. Zudem seien weitere Veränderungen zu sehen.

Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass es weitere Studien brauche, um feststellen zu können, ob von diesem Einzelfall auf andere Patientinnen und Patienten geschlossen werden könne.

Krebs war wohl schon vor der Impfung da

Goldman bestätigt diese Aussage in einem Videointerview mit den Faktencheckerinnen und Faktencheckern von Correctiv.org. Gefragt, ob sein Fall zeige, dass mRNA-Impfungen zu Krebswachstum führen würden, erklärte er: «Nein. Der Artikel liefert nur Hinweise darauf, dass die Verabreichung eines mRNA-Impfstoffs die Entwicklung eines bereits bestehenden Lymphoms beschleunigen könnte.» Etwa, dass der Tumor in der Nähe der Einstichstelle schneller gewachsen sei als an anderen Körperstellen. Auch der zeitliche Rahmen könnte darauf hindeuten. Belegt sei das aber nicht. Es handele sich lediglich um eine Hypothese.

Wie die Rechercheplattform schreibt, geht Goldman davon aus, dass der Krebs mit «99-prozentiger Wahrscheinlichkeit» schon vor der Impfung bestand. Für das Entstehen dieser Krebsart sei eine Genmutation verantwortlich, die er bereits vor der Impfung hatte.

Dass seine Geschichte von Impfgegnerinnen und Impfgegnern missbraucht wird, um Stimmung gegen die Covid-19-Impfungen zu machen, kommt für den 66-Jährigen nicht unerwartet. Doch es sei ihm wichtig gewesen, darüber zu berichten, um «so die Erforschung der Nebenwirkung von mRNA-Impfstoffen weiter voranzubringen».

Krebspatienten wird zur Impfung geraten

Trotz seiner Erfahrungen rät Goldman Krebspatienten zur Covid-19-Impfung: «Diese Komplikation ist extrem selten, Impfungen hingegen sind sehr wichtig, um stark gefährdete Menschen gegen einen schweren Verlauf von Covid-19 zu schützen.»

So sieht es auch Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (Ekif). Auf Krebsliga.ch sagte er: «Ich empfehle krebsbetroffenen Menschen, sich impfen zu lassen und mit dem Arzt den dafür besten Zeitpunkt zu bestimmen. Die allfälligen Nebenwirkungen der Corona-Impfung seien seines Erachtens «nichts im Vergleich zur Gefahr, schwer an Corona zu erkranken». (fee)

Samstag, 05.02.2022

Nein, Covid-19-Booster überfordern das Immunsystem nicht

«Wir sollten vorsichtig sein, das Immunsystem nicht zu überfordern mit immer neuen Impfungen.» Das sagte Marco Cavaleri, Leiter der Abteilung Biologische Gesundheitsbedrohungen und Impfstrategien bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA, im Januar an einem Point de Presse (siehe Video). Er warnte davor, dass viele Impfungen in kurzer Zeit das Immunsystem erschöpfen könnten.

Seine Äusserung liess nicht nur Impfgegnerinnen und -gegner aufhorchen, sondern auch jene, die bereits gegen Covid-19 geboostert wurden oder kurz vor der dritten Dosis stehen. Doch: Konkreter Grund zur Sorge besteht laut anderen Fachleuten nicht.

Keine Belege

Cavaleri dürfte mit seiner Aussage auf die Befürchtung angespielt haben, dass der wiederholte Kontakt mit Antigenen, wie sie in Impfstoffen enthalten sind, zu einer sogenannten T-Zellen-Anergie führen könnte. Das vermutet Sarah Fortune, Professorin für Immunologie und Infektionskrankheiten an der Harvard TH Chan School of Public Health, auf Dw.com. Belege, dass wiederholte Covid-19-Impfungen zu einer T-Zell-Anergie führen, gebe es allerdings nicht. Man wisse aber von HIV und Krebs, «wo das Antigen ständig vorhanden ist, nicht nur bei wiederholten Impfungen», dass es dazu kommen könne.

An und für sich sei eine T-Zellen-Anergie etwas Gutes, so das Nachrichtenportal: Sie verhindere, dass die T-Zellen den eigenen Körper angreifen und schütze somit vor dem Entstehen einer Autoimmunerkrankung. Bei Covid-19 wäre eine solche jedoch kontraproduktiv. Denn es sind die T-Zellen, als Teil des immunologischen Gedächtnisses, die vor schweren Verläufen schützen.

Mehrfach Geimpfte nicht schlechter geschützt

«Sie können Krankheitserreger langfristig erkennen und unschädlich machen. Grätscht man in diesen Prozess zu oft und zu früh rein, kann er gestört werden», erläutert Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie und Mitglied des Corona-Expertenrats der deutschen Bundesregierung, im Interview mit Spiegel.de: «Man kann sich das so ähnlich vorstellen wie bei der Desensibilisierung von Allergikern. Ihre Immunreaktion wird durch den ständigen, gezielten Kontakt mit einem Allergen irgendwann schwächer.»

Dreifach – oder so wie in Israel vierfach – Geimpfte hält Falk jedoch nicht für schlechter geschützt: «Man müsste schon einige Male hintereinander im Abstand von nur wenigen Monaten boostern, bis eine Erschöpfung einsetzt. Mit einer vierten Dosis macht man erst mal nichts kaputt.» Allerdings erziele man mit einer solchen in der breiten Masse auch keine grosse Wirkung. Das zeigten Daten aus Israel.

Längere Abstände zwischen den Impfdosen

Um das allfällige Risiko einer T-Zellen-Anergie möglichst klein zu halten, spricht sich Reinhard Obst, Immunologe an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, für etwas längere Abstände zwischen den einzelnen Dosen aus: «Die Idee, alle vier Monate oder sogar öfter zu impfen, ist neu. Der Gedanke an die [mögliche] Erschöpfung der T-Zellen sollte ein Grund sein, innezuhalten», zitiert ihn Dw.com.

Auch Holden Maecker, Professor für Immunologie an der Stanford University, der ebenfalls von dem Portal angefragt worden war, hält ein nicht zu schnelles Nachimpfen für sinnvoll: Mehrere Studien zeigten, dass das Immunsystem nach einer Impfung Zeit brauche, um ein Gedächtnis aufzubauen. Den Sinn der Booster stellt er dagegen nicht in Frage: «Die jährliche Grippeimpfung schadet uns nicht und alles deutet bisher darauf hin, dass gelegentliche Auffrischungsimpfungen gegen Covid-19 hilfreich sind.» (fee)

Freitag, 04.02.2022

Nein, vor dem Booster braucht es keinen Antikörpertest

In den sozialen Medien und auch in den Kommentarspalten von 20 Minuten schreiben einige Personen, dass sie zwar zweifach geimpft sind, sich aber ohne Antikörpermessung vorweg nicht boostern lassen wollen. Schliesslich könnte ihr Antikörperspiegel noch hoch genug sein, um das Coronavirus Sars-CoV-2 in Schach zu halten. Die dritte Dosis könnte bei ihnen also (noch) überflüssig sein.

Fachleute wie Carsten Watzl, Professor für Immunologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, sehen das anders: Bisher sei nicht klar, mit welcher Anzahl an Antikörpern man sicher vor Corona geschützt ist. Zudem gilt der Booster in einigen Ländern als Teil der Grundimmunisierung.

Auch Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (Ekif), hält eine Antikörper-Bestimmung nur bei Personen mit sogenannten immunologischen Erkrankungen, die Einfluss auf die Immunantwort haben, für sinnvoll. «Wer von keiner Vorerkrankung weiss, braucht das nicht zu machen

Keinerlei Sicherheitsbedenken

Doch was passiert, wenn jemand mit einem hohen Antikörperspiegel den Booster erhält? Nichts, so Immunologe Watzl in einem Instagram-Live mit dem Wissenschafts-Influencer Marc Raschke: «Es ist leider ein Gerücht, das wieder gestreut wurde. Und es ist eine reine Fehlinformation, dass es irgendwie gefährlich sei, sich boostern zu lassen, wenn du viele Antikörper hast.»

Auch die Fachleute vom deutschen Robert-Koch-Institut (RKI) sehen es so: «Sicherheitsbedenken für eine Auffrischimpfung bei noch bestehender Immunität gibt es nicht», heisst es im «Epidemiologischen Bulletin 2/2022». Daher empfiehlt das Institut auch nicht, vor dem Impfen eine Antikörper-Bestimmung vornehmen zu lassen.

Booster-Empfehlung in der Schweiz

In der Schweiz empfehlen die Ekif und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) «allen Personen ab 16 Jahren eine Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff, wenn die Grundimmunisierung vier Monate oder länger zurückliegt.» Für Zwölf- bis 15-Jährige wird die Auffrischungsimpfung ebenfalls empfohlen, aber nur, wenn der Booster den Schutz vor einer milden Infektion erhöht und das Risiko der Virusübertragung auf enge Kontakte reduziert werden soll.

Ausgenommen von dieser Empfehlung sind jeweils Personen, bei denen nach Abschluss der Grundimmunisierung eine «bestätigte Sars-CoV-2-Infektion» auftrat, heisst es in der «Empfehlung einer Auffrischimpfung gegen Covid-19 mit einem mRNA-Impfstoff (Stand 21.01.22)». (fee)

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