Corona-Faktencheck - Nein, die Covid-Impfung beeinträchtigt nicht die Reparatur von DNA-Schäden

Corona-FaktencheckNein, die Covid-Impfung beeinträchtigt nicht die Reparatur von DNA-Schäden

Echt oder fake? Diese Frage stellt man sich angesichts der unzähligen Meldungen zum Coronavirus Sars-CoV-2 und seinen Auswirkungen auf die Welt regelmässig. Hier erfährst du, was dahinter steckt.

von
Fee Anabelle Riebeling
Jean-Claude Gerber
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28.11.2021: Nein, die Covid-Impfung beeinträchtigt nicht die Reparatur von DNA-Schäden
Eine im Fachjournal «Viruses» publizierte Studie zeigt laut Impfgegnern und -gegnerinnen, dass die Covid-19-Impfungen die Reparatur von DNA-Schäden im Körper verhindern. Doch das stimmt nicht.

28.11.2021: Nein, die Covid-Impfung beeinträchtigt nicht die Reparatur von DNA-Schäden

Eine im Fachjournal «Viruses» publizierte Studie zeigt laut Impfgegnern und -gegnerinnen, dass die Covid-19-Impfungen die Reparatur von DNA-Schäden im Körper verhindern. Doch das stimmt nicht.

Getty Images/Science Photo Library RF
Die Studie sagt nichts dergleichen. An keiner Stelle geht es um mögliche Folgen der Covid-19-Impfung. Damit zeigt sie auch nicht, dass die nach einer Impfung produzierten Spikeproteine in den Zellkern eindringen können. Weiter weist die Studie grobe Mängel auf.

Die Studie sagt nichts dergleichen. An keiner Stelle geht es um mögliche Folgen der Covid-19-Impfung. Damit zeigt sie auch nicht, dass die nach einer Impfung produzierten Spikeproteine in den Zellkern eindringen können. Weiter weist die Studie grobe Mängel auf.

Screenshot Viruses 2021, H. Jiang & Y.-F. Mei
So haben die Studienautoren etwa mit nur einer Zelllinie gearbeitet. Normalerweise würden «Zellkultur-Studien immer mit mindestens zwei, besser drei Modell-Zelllinien gemacht», erklärt die österreichische Forscherin Sylvia Kerschbaum-Gruber. Auch die Wahl der Zelllinien irritiere: «Warum hier ausgerechnet embryonale Nierenzellen verwendet wurden, wird nicht erklärt. Normalerweise versucht man immer die Zellen zu verwenden, die auch relevant sind.»

So haben die Studienautoren etwa mit nur einer Zelllinie gearbeitet. Normalerweise würden «Zellkultur-Studien immer mit mindestens zwei, besser drei Modell-Zelllinien gemacht», erklärt die österreichische Forscherin Sylvia Kerschbaum-Gruber. Auch die Wahl der Zelllinien irritiere: «Warum hier ausgerechnet embryonale Nierenzellen verwendet wurden, wird nicht erklärt. Normalerweise versucht man immer die Zellen zu verwenden, die auch relevant sind.»

Screenshot Viruses 2021, H. Jiang & Y.-F. Mei

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Freitag, 26.11.2021

Doch, der Chef von Biontech ist sehr wohl geimpft

Das Video stammt von Dezember 2020, trotzdem wird es von Impfskeptikerinnen und -skeptikern noch immer geteilt. Darin soll Biontech-Gründer seine Absicht kundgetan haben, sich und seine Mitarbeiter nicht impfen zu lassen, auch nicht mit dem selbst entwickelten Impfstoff. Natürlich stimmt das so nicht, ist aber ein gutes Beispiel dafür, wie hartnäckig sich Falschinformationen in den Sozialen Medien halten und ohne Zusammenhang immer wieder gepostet werden, um Menschen zu verunsichern.

Die Aussage im Video wurde aus einem 4:35 Minuten langen Interview herausgeschnitten, das Ugur Sahin der «Tagesschau» der ARD am 21. Dezember 2020 gegeben hatte. Also zwei Tage bevor in der Schweiz die erste Person überhaupt gegen das Coronavirus geimpft wurde. Man stand damals mit dem Impfen also noch ganz am Anfang. Da die Mengen stark begrenzt waren, waren die Impfdosen in allen Ländern – auch in Deutschland – zuerst besonders gefährdeten Personen vorbehalten.

Auf die Frage, ob er denn geimpft sei, antwortete Sahin damals: «Ich möchte mich natürlich liebend gerne auch impfen lassen, wir müssen nur sehen, dass wir die rechtlichen Grundlagen dabei befolgen.» Damit spielte Sahin darauf an, dass aufgrund der Beschränkung auf Risikopersonen noch nicht klar war, ob er und seine Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt überhaupt Anspruch auf eine Impfung hatten. Sein Abwarten hatte damals also nichts mit einer Skepsis gegenüber dem damals eben erst von der Europäischen Arzneimittel-Agentur und Swissmedic zugelassenen Impfstoff zu tun.

«Aussagen wissentlich verändert»

Auch die Sahins Aussage, es sei wichtig, dass keine Mitarbeiter ausfallen, wurde von den Impfgegnerinnen und- gegnern fahrlässig als Zeichen für eine angebliche Gesundheitsgefahr durch den Impfstoff interpretiert. Dabei drückte Sahin das genaue Gegenteil aus, nämlich, dass er fürchte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten ausfallen, wenn sie nicht geimpft sind. Das Unternehmen konnte sich keine Ausfälle erlauben, da es galt, innert eines Jahres 1,3 Milliarden Impfdosen für die Welt herzustellen.

Diesen Sachverhalt bestätigte Biontech bereits im Januar 2021 auf Anfrage der Faktencheckerinnen und -checker von Correctiv.org. «Die Aussagen von Herrn Sahin wurden wissentlich verändert», schrieb das Unternehmen. Man wolle Ausfälle von Mitarbeitern durch die Krankheit Covid-19 minimieren.

Ab dem 11. Januar 2021 konnten sich alle Biontech-Mitarbeiter auf freiwilliger Basis impfen lassen. Am 18. März gaben die Biontech-Gründer Sahin und Özlem Türeci bei «Bild live» bekannt, dass sie und ihre Mitarbeiter inzwischen eine Impfung aus dem eigenen Haus erhalten hätten. Anfang September sagte Katalin Kariko, Senior-Vize-Präsidentin bei Biontech und «Mutter der mRNA» im Interview mit 20 Minuten, dass sie bereits den Booster erhalten habe. (jcg)

Donnerstag, 25.11.2021

Nein, die zehn Astroworld-Besucher starben nicht wegen der Covid-Impfung

Die Massenpanik am Astroworld-Festival in Houston (US-Bundesstaat Texas) endete in einer Tragödie: Zehn Personen starben, viele wurden verletzt und mehrere Menschen fielen zu Boden, wo sie «eine Art Herzstillstand oder eine Art von medizinischem Vorfall» erlitten, wie unter anderem Houstonchronicle.com schreibt.

Tragisch ist aber auch, dass einige Gegnerinnen und Gegner der Covid-Impfung die Geschehnisse für ihre Zwecke nutzen. Eine Gruppe wertet das Ereignis etwa als Beweis dafür, dass gegen Covid-19 geimpfte Menschen über den angeblichen Inhaltsstoff Graphenoxid kontrolliert und getötet werden können. Andere sind davon überzeugt, dass es sich bei den Herzproblemen um eine Nebenwirkung der Impfungen handelt: «Könnt ihr euch daran erinnern, als früher bei Festivals reihenweise Jugendliche an einem Herzinfarkt verstarben? Ich auch nicht.» Für keine der beiden Spekulationen gibt es Belege, dafür gute Gegenargumente.

Behauptungen nicht haltbar

Gegen die erste Theorie spricht vor allem, dass in keinem der in den USA zugelassenen Covid-19-Impfstoffen (Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson) Graphenoxid enthalten ist. Das versichern nicht nur die Hersteller, sondern auch die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA und das deutsche Paul-Ehrlich-Institut PEI. Laut PEI-Sprecherin Susanne Stöcker wisse man auch nicht, welchen «potenziellen Nutzen der Zusatz von Graphen bei Impfstoffen haben sollte», heisst es in einem Faktencheck des Recherchezentrums Correctiv.org. Den gibt es offenbar auch nicht: Denn in keinem einzigen der weltweit verfügbaren Impfstoffe sei Graphenoxid enthalten, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters.

Auch die Behauptung, die Herzstillstände gingen auf die Impfung gegen Covid-19 zurück, hält der genaueren Betrachtung nicht Stand. So kam es auch schon bei früheren Grossveranstaltungen, wie etwa der Loveparade 2010 in Duisburg, zu Massenpaniken. In der Ruhrgebietsstadt wurden mehr als 600 Personen verletzt, 21 Menschen starben. Auch beim Loveparade-Unglück wurde bei einigen Betroffenen Herzversagen festgestellt – und das lange bevor es das Coronavirus Sars-CoV-2 und die Covid-19-Impfstoffe gab. Entsprechend muss etwas anderes die Probleme verursacht haben.

Was hat dann die Herzstillstände ausgelöst?

Wahrscheinlich sind die Herzstillstände auf eine traumatische Asphyxie zurückzuführen, die häufigste Todesursache bei Massenpaniken, so Correctiv.org. Es handelt sich dabei um ein Ersticken, das durch massive Verletzungen am Brustkorb ausgelöst wird. Etwa wenn man zu Boden stürzt und von anderen Menschen überrannt wird. «Der Brustkorb wird zusammengedrückt, es kommt zu Brüchen und Quetschungen. Die Lunge wird bis zum Zusammenfall geschädigt, die Opfer ersticken, weil sie keine Luft mehr bekommen», erklärte Michael Kappus, Chefarzt der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Klinikum Itzehoe, nach dem Loveparade-Unglück gegenüber Bild.de. Wenn auch das Herz so weit zusammengedrückt werde, dass es sich nicht mehr ausdehnen und mit Blut vollpumpen kann, «folgen das Herzversagen und der Tod.» (fee)

Mittwoch, 24.11.2021

Nein, die Coronaimpfung führt nicht zu Krebs

Impfgegnerinnen und -gegner argumentieren gerne damit, dass Corona-Impfstoffe Krebs verursachen können. Befeuert werden solche Ängste etwa vom Impfgegner Sucharit Bhakdi. In einem auf Facebook und Telegram vielfach geteilten Interview sowie in einem fast eine Million Mal angeschauten Youtube-Video mit der österreichischen Website Report 24 erklärte der Mikrobiologe, dass Krebszellen nach der Impfung freien Lauf hätten, weshalb es vermehrt zu neuen oder wiederkehrenden Krebserkrankungen komme. Dafür gibt es aber in keinem Land einen Beleg.

Sucharit Bhakdi lehrte bis 2012 an der Universität Mainz. Seit Beginn der Pandemie steht er in der Kritik wegen nicht belegbarer Behauptungen zum Coronavirus und zu Impfungen. Die Uni Mainz distanzierte sich mehrfach von seinen Aussagen. Im Sommer sorgte er mit antisemitischen Aussagen für Empörung. Dass er sein Interview auf Report 24 gab, ist kein Zufall. Die im März 2021 gegründete Website verbreitet regelmässig falsche Informationen über die Corona-Massnahmen und Impfungen, wie die Faktencheckerinnen und -checker von Correctiv.org aufgedeckt haben.

Bhakdi argumentiert, dass die nach der Impfung gebildeten Spike-Proteine das Immunsystem schwächten. Deshalb würden Kontroll-Lymphozyten, die Krebs- und Tumorzellen abtöten, nicht aktiviert. Lymphozyten sind weisse Blutkörperchen, die gezielt Fremdstoffe insbesondere von Infektionserregern sowie veränderte körpereigene Zellen abwehren.

Kein Verlust an Lymphozyten

Der Nachrichtenagentur AFP erklärte eine Sprecherin des Deutschen Krebsforschungszentrums (DFKZ), der behauptete Zusammenbruch des Immunsystems nach der Impfung sei nicht nachvollziehbar. «Unzählige Studien untersuchten insbesondere die von Herrn Bhakdi angeführten Lymphozyten im Nachgang einer Covid19-Impfung und fanden, nach meiner Kenntnis, keinerlei Anzeichen eines generellen Verlusts an Lymphozyten.»

Laut DFKZ aktiviert die Covid-19-Impfung verschiedene Arten von Lymphozyten und führt zu einem effektiven Schutz vor Sars-CoV-2. «Wäre es wahr, dass die Impfung einen gegenteiligen Effekt auf die Lymphozyten hätte, könnte sich folglich auch diese Impfwirkung nicht einstellen», so die Sprecherin.

Auch die Befürchtung, dass die Corona-Impfung eine Krebserkrankung wieder ausbrechen lassen könne, ist unbegründet. Impfstudien mit Krebspatienten und -patientinnen haben laut der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie keine Anhaltspunkte dafür geliefert, dass das möglich ist. Fachleute gehen daher nicht davon aus, dass eine Covid-19-Impfung eine Krebserkrankung auslöst oder verschlimmert. Die Krebsliga Schweiz empfiehlt Krebspatientinnen und -patienten ausdrücklich, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Keine DNA-Veränderung

Was ist dran am Gerücht, wonach mRNA-Impfstoffe die DNA verändern und so Krebs entstehen lassen? Nichts. Zwar sind Krebserkrankungen auf Veränderungen im Erbgut der Zellen, der DNA, zurückzuführen. Doch die Impfstoffe von Pfizer-Biontech sowie Moderna enthalten keine DNA, sondern mRNA. Diese Moleküle sind im Körper instabil und werden schnell abgebaut. Die Impf-RNA gelangt nicht in den Zellkern, wo sich das Erbgut befindet. Entsprechend ist kein Mechanismus denkbar, wie mRNA Krebs auslösen könnte, wie die Krebsliga schreibt.

Auch der Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson auf Basis von Adenoviren steht nicht im Verdacht, Krebs zu verursachen. Zwar werden dabei kleine DNA-Teile mit Informationen des Virus in die Zelle und in den Zellkern geschleust. Fachleute stufen dies jedoch als unbedenklich ein, da Menschen sich regelmässig mit Adenoviren zum Beispiel bei Erkältungen infizieren, ohne dass Spätfolgen – wie Tumorerkrankungen – bekannt wären. (jcg)

Dienstag, 23.11.2021

Nein, Covid-Impfungen werden nicht heimlich mittels PCR-Tests verabreicht

Während der eine Teil der Impfskeptiker und -gegner die Einführung einer Impfpflicht in der Schweiz befürchtet, schürt der andere Ängste, die Covid-19-Impfstoffe könnten Zögernden sowie Verweigerern heimlich verabreicht werden. Im Vorfeld der Demonstration gegen die Corona-Massnahmen am vergangenen Wochenende in Wien etwa machten in Whatsapp- und Telegram-Gruppen Warnungen vor «Impf-Helikoptern» und «Kanal-Impfungen» die Runde (siehe Bildstrecke). Doch das ist Quatsch.

Genauso wie die Behauptung, dass Impfstoffe mittels der Wattestäbchen von PCR-Tests verabreicht würden, wie dies der Blog Legitim.ch Anfang des Jahres behauptete. Demnach würden die Vakzine mithilfe sogenannter Theragripper in den Körper eingebracht. Diese transportierten Impfstoffe zur Darmwand und setzten sich dort fest. Richtig ist das nicht. Auch dass die Johns Hopkins University das bestätigt habe, wie von Legitim-Betreiber Jan Walter behauptet, ist falsch. Dennoch hält sich das Gerücht bis heute. Der Blog Michael-Mannheimer.net hat es gerade erst wieder geteilt. Michael Mannheimer heisst eigentlich Karl-Michael Merkle und darf laut Gerichtsurteilen als Neonazi bezeichnet werden, wie die Wochenzeitung «Die Zeit» (Pdf) in einem Dossier schreibt.

Nicht für Impstoffe, sondern Medikamente

Die Faktencheckerinnen und Faktenchecker von Correctiv.org haben die Johns Hopkins University mit den Aussagen zu den Theragrippern konfrontiert. Die US-Universität stellt klar: Theragripper gibt es. Es sind sternförmige Metallplättchen in der Grösse eines Staubkorns, die von einem dünnen Film und einer Wachsschicht umhüllt sind. Sie werden aber nicht in Impfstoffen oder im Zusammenhang mit Covid-19 verwendet.

Vielmehr handle es sich dabei um eine experimentelle Technologie, die an der der Johns Hopkins University entwickelt worden sei, um Medikamente zu verabreichen, wie die Hochschule in einer Mitteilung im November 2020 erklärte. Bislang wurde die Technologie jedoch nur an Tieren getestet, nicht am Menschen. Das zeigt eine im Fachjournal «Science Advances» veröffentlichte Studie zum Thema. Dabei wurden die Theragripper den tierischen Probanden rektal und nicht durch die Nase eingeführt. Ein Beleg für die von Jan Walter aufgestellten Behauptungen, dass die Theragripper auf PCR-Tests angewendet werden, um «heimliche Impfungen» durchzuführen, findet sich auch darin nicht. Genauso wenig wie in einem weiteren von ihm zitierten Artikel von Patrick Smith, einem Referenten der Universität.

Smith bestätigt das gegenüber Correctiv.org auch schriftlich: «Wir können mit Sicherheit sagen, dass Theragripper in keiner Weise als Impfstoff oder in Verbindung mit Covid-19 verwendet werden.» Auch für das angebliche Beweisfoto, das ein Wattestäbchen mit Theragrippern zeigt und auf das sich die Anhänger dieser offenkundigen Fake-News beziehen (siehe Bildstrecke), hat Smith eine Erklärung: «Das Foto mit dem Wattestäbchen sollte nur als Kontext und Kontrast dienen. Mit anderen Worten: Die winzigen Theragripper sind vor dem weissen Baumwollhintergrund einfach besser zu sehen.» (fee)

Montag, 22.11.2021

Nein, das Sperma von Ungeimpften ist nicht besser als das von Geimpften

Weil sie glauben, dass sich die Spike-Proteine, die durch die Impfung in der Zellaussenwand hergestellt werden, im ganzen Körper und damit auch im Sperma ausbreiten, lehnen manche Männer die Impfung gegen Covid-19 ab – aus Angst um ihre Fruchtbarkeit. Einige verkaufen ihr «ungeimpftes Sperma» sogar online zu horrenden Preisen. In den sozialen Netzwerken wird es von einigen als nächster Bitcoin gepriesen. Die schottische Moderatorin Gillian McKeith twitterte zu einem Spermien-Bild «Wenn du eine nicht geimpfte Version von dem hast, was du hier sieht ... Du kannst jeden Preis nennen. #HaltedieStellung Dein Land braucht dich.» (siehe Bildstrecke)

Dabei ist die Befürchtung, die Corona-Impfstoffe – allen voran die mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna – könnten Menge und Beschaffenheit von Sperma beeinflussen, längst widerlegt.

Von Kontamination keine Spur

Forschende der University of Miami etwa konnten in ihrer Studie bei den Probanden keinerlei Beeinträchtigungen des Spermas feststellen. Auch Rückstände der Impfung fanden sie nicht. Das Team um Daniel C. Gonzalez hatte dafür Samenproben von 45 Männern zwischen 18 und 50 Jahren verglichen, die entweder den Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna erhalten hatten. Die Proben wurden jeweils zwei bis sieben Tage vor der ersten Impfdosis und 70 Tage nach der zweiten Impfdosis analysiert. Alle Teilnehmer waren vor der Abgabe jeweils sieben Tage sexuell abstinent geblieben.

Den einzigen Unterschied, den Gonzalez und seine Kollegen haben ausmachen können, waren nach der Impfung signifikant erhöhte Spermienzahlen – auch bei den acht Teilnehmern, die vor der Immunisierung auffallend wenig Spermien hatten. Von einer Kontamination oder Verschlechterung des Spermas durch die Covid-19-Impfung kann also nicht die Rede sein.

So sieht es auch Andreas Obruca, ärztlicher Leiter des Kinderwunschzentrums an der Wien und Präsident der österreichischen IVF-Gesellschaft: Gegenüber Heute.at sagte er, dass eine Einschränkung der männlichen Fruchtbarkeit durch die Impfung ausgeschlossen werden könne. «Wir sprechen uns ganz klar und uneingeschränkt für eine Covid-19-Schutzimpfung für Männer aus.» Insbesondere Männern mit Kinderwunsch rät er dazu, «da eine Infektion mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Fertilitätseinschränkungen führen kann.» Anders als für die von Impfskeptikern und -gegnern verbreiteten Unfruchtbarkeitsszenarien gibt es hierfür wissenschaftliche Beweise. Auch in der Schweiz gibt es «eindeutig mehr Erektionsstörungen» seit Beginn der Pandemie. (fee)

Sonntag, 21.11.2021

«Impf-Spätfolgen wird es auch bei der Covid-Impfung nicht geben»

Fehlende Langzeitstudien und Angst vor möglichen Langzeitfolgen – diese Punkte führen einige Menschen als Grund dafür an, dass sie sich noch nicht haben impfen lassen. Etwa der deutsche Fussball-Nationalspieler Joshua Kimmich. Doch die Sorge ist unbegründet.

«Was man bei Impfungen unter Langzeitfolgen versteht, sind Nebenwirkungen, die zwar innerhalb von wenigen Wochen nach der Impfung auftreten, die aber so selten sind, dass es manchmal Jahre braucht, bis man sie mit der Impfung in Zusammenhang gebracht hat», zitiert die DPA den Immunologen Carsten Watzl. So sei es auch bei den Langzeitfolgen nach der Schweinegrippe-Impfung mit dem Pandemrix-Impfstoff gewesen. Zwar wurden nach 60 Millionen Verabreichungen tatsächlich mehr als 1300 Fälle der Schlafkrankheit dokumentiert. Doch diese, das zeigte eine im renommierten Fachjournal «Plos One» veröffentlichte Studie, entwickelte sich bereits kurz nach der Impfung. Nur diagnostiziert wurden diese erst später.

Dass erst lange nach der Impfung noch Nebenwirkungen auftreten, «das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19-Impfung nicht auftreten», so der Professor für Immunologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

Grosser Vorteil bei der Covid-19-Impfung

Der Grund: Anders als Medikamente können sich Impfstoffe nicht über Wochen im Körper anreichern, sondern werden schnell wieder abgebaut. Das geschieht innerhalb weniger Wochen. «Danach ist die Immunreaktion abgeschlossen und der Impfstoff ist aus dem Körper verschwunden.» Daher zeigen sich Wirkungen und eventuelle Nebenwirkungen rasch nach der Verabreichung. Vor der Zulassung der Impfstoffe haben die Behörden extra mehr als zwei Monate abgewartet, um mögliche Langzeitschäden abzuschätzen. Diese Zeit reicht aus, um etwaige Langzeitfolgen zu erkennen.

Der grosse Vorteil bei den Covid-19-Impfungen ist laut Watzl, «dass wir diesen Impfstoff in kurzer Zeit bei vielen Menschen angewendet haben». Weltweit seien es mehr als sechs Milliarden. Daher kenne man bereits mögliche seltene Nebenwirkungen wie Sinusvenenthrombosen. «Hätten wir jedes Jahr nur zehn Millionen Impfungen durchgeführt, könnte es sein, dass man diese Nebenwirkungen erst viel später erkannt hätte», so Watzl. «Wenn überhaupt sind die Covid-19-Impfstoffe in Bezug auf Langzeitfolgen (seltene Nebenwirkungen) also bereits besser erforscht als andere Impfungen.» (fee)

Samstag, 20.11.2021

Veränderte Mens? Die Covid-19-Impfung hat damit nichts zu tun

Früher, stärker, länger: Auf Social Media meldeten sich seit Start der Impfkampagnen in aller Welt immer mehr junge Frauen, die nach der Corona-Impfung plötzlich Veränderungen bei ihrer Mens festgestellt haben. Ein Zusammenhang lag für sie klar auf der Hand.

Impfgegner und -skeptikerinnen nutzen die unbelegten Erfahrungsberichte seither als Argument gegen die Covid-19-Vakzine. Frei nach dem Motto: Wenn der Impfstoff schon den weiblichen Zyklus durcheinanderbringt, dann wohl auch andere Körpervorgänge und -funktionen. Doch das stimmt nicht, wie eine Vorabstudie aus Grossbritannien zeigt, in die die Daten von 1273 Frauen zwischen 29 und 39 Jahren eingeflossen sind, die entweder den Impfstoff von AstraZeneca, Biontech/Pfizer oder Moderna erhalten hatten.

«Wir konnten keine starken Signale erkennen»

Laut der Studie besteht zwischen der Covid-19-Impfung und den vorübergehend veränderten Zyklen kein Zusammenhang. «Wir konnten keine starken Signale erkennen», sagt Victoria Male, Fortpflanzungsimmunologin vom Imperial College und Autorin der Studie. Auch die Tatsache, dass Menstruationsveränderungen nicht nach einem bestimmten Impfstoff oder einer Impfstofftechnologie auftraten, sondern nach allen Vakzinen gemeldet wurden, zeige, dass nicht dort die Ursache zu suchen ist. Was also könnte dann zu den beobachteten Veränderungen geführt haben?

Da kommen laut Male verschiedene Erklärungen infrage: Zum Beispiel könnte, wenn die Impfung vor dem Eisprung verabreicht wird, der Eisprung verzögert oder verhindert und der Zyklus verlängert werden. Auch der Gesundheitsstatus der Frau könnte eine Rolle spielen. So hatten Endometriose-Patientinnen signifikant häufiger eine früher einsetzende Periode als diejenigen, die nicht an dieser Erkrankung litten. Bei Frauen, bei denen das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) diagnostiziert wurde, setzte die Menstruation später ein.

Stützt frühere Überlegungen

Schon nach den ersten Meldungen hatten sich Medizinerinnen und Mediziner mit Vermutungen zu Wort gemeldet. Laut Daniel Surbek, Co-Klinikdirektor und Chefarzt Geburtshilfe und fetomaternale Medizin am Universitätsspital Bern, könnte etwa Stress eine Rolle spielen: «Der Menstruationszyklus ist ein komplexer physiologischer Vorgang, der primär hormonell gesteuert ist.» Durch körperlichen oder psychischen Stress, wie er rund um die Impfung vorkommt, könnte es zu einer Hormonveränderung kommen, die eine veränderte Menstruation zur Folge hat.

Auch das Immunsystem selbst könnte laut Surbek ausschlaggebend sein. Durch die Impfung wird es aktiviert und die Gebärmutterschleimhaut ist Teil davon: Sie besteht zum grossen Teil aus Immunzellen, die es beim Aufbau, Erhalt und Abbau der Gebärmutterschleimhaut braucht. «Nach einer Impfung zirkulieren viele chemische Signale im Körper, die das Potenzial haben, Immunzellen zu beeinflussen. Dies könnte dazu führen, dass sich die Gebärmutterschleimhaut ablöst und es zu Schmierblutungen oder einer verfrühten Periode kommt», erklärte Male schon damals. (fee)

Freitag, 19.11.2021

Ivermectin ist ein gutes Medikament – aber nicht bei Covid-19

In gewissen Kreisen gilt Ivermectin – ein Mittel gegen Parasiten, das sowohl beim Menschen als auch beim Tier eingesetzt wird – als Präparat der Wahl, wenn es um die Vorbeugung und Bekämpfung von Covid-19 geht. Auch der emeritierte Bankenprofessor Martin C. Janssen aus Zürich warb schon für das Medikament, genauso wie der Chef der rechtspopulistischen FPÖ in Österreich, Herbert Kickl, der mittlerweile positiv getestet wurde. «Bei rechtzeitiger Einnahme» sei es «sehr effektiv». Richtig ist das aber nicht. Trotzdem ist das Entwurmungsmittel in Österreich teilweise ausverkauft.

Doch weder eignet sich Ivermectin zur Vorbeugung noch zur Behandlung von Covid-19. Im schlimmsten Fall droht eine Vergiftung. Da sind sich anerkannte Wissenschaftler einig. Und auch der Hersteller MSD selbst hat mittlerweile eine Warnung ausgesprochen: «Es gibt keine aussagekräftige Evidenz für die Anwendung von Ivermectin bei Sars-CoV-2.» Im Einklang mit den gängigen medizinischen Empfehlungen spreche man sich daher klar gegen die Einnahme bei Covid-19 aus.

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Was steckt eigentlich in dem Medikament Ivermectin, auf das Impfskeptiker und -gegner anstelle der Impfungen setzen?

Was steckt eigentlich in dem Medikament Ivermectin, auf das Impfskeptiker und -gegner anstelle der Impfungen setzen?

REUTERS
Eine Antwort darauf liefert Sigrid Neuhauser, stellvertretende Leiterin des Instituts für Mikrobiologie der Universtität Innsbruck, auf Twitter.

Eine Antwort darauf liefert Sigrid Neuhauser, stellvertretende Leiterin des Instituts für Mikrobiologie der Universtität Innsbruck, auf Twitter.

Twitter/gebirgsziege
Die Erklärung Neuhausers dürfte nicht allen gefallen.

Die Erklärung Neuhausers dürfte nicht allen gefallen.

Twitter/gebirgsziege

Überdosis und Todesfälle

Tatsächlich gibt es für die Annahme, dass Ivermectin im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus eine Rolle spielt, keine wissenschaftliche Grundlage. Zwar gab es eine Studie, die dies angeblich belegte. Allerdings fand diese in Zellkulturen statt. Ob die festgestellte Wirkung auch bei einem infizierten Menschen funktioniert, zeigte die Arbeit nicht. Zudem hatten die Forschenden mit einer Dosis gearbeitet, die so hoch war, «dass sie Menschen nicht gegeben werden kann», so die österreichische Wissenschaftlerin Sylvia Kerschbaum-Gruber in ihrer Instagram-Story zum Thema.

Viele weitere Studien zur Wirksamkeit von Ivermectin im Zusammenhang mit Covid-19 bestätigten die Erkenntnisse nicht. Einige kamen sogar zum gegenteiligen Ergebnis, wie Mangala Narasimhan, Direktor der Critical Care Services bei Northwell Health in New York, gegenüber Healthline.org sagte: «Einige klinische Studien zeigten keinen Nutzen oder eine Verschlimmerung der Krankheit nach Ivermectin-Einsatz.» Wieder andere seien zu dem Schluss gekommen, dass die Gabe des Mittels zu einer besseren Erholung, verringerten Entzündungsmarkerwerten und zu einer niedrigeren Sterblichkeit führt. «Allerdings hatten die meisten dieser Studien unvollständige Informationen und erhebliche methodische Einschränkungen.»

Sicher ist indes: Auf eigene Faust auf Ivermectin zu setzen ist keine gute Idee. So kam es bereits zu Todesfällen. In Österreich landete bereits eine Frau nach einer Überdosis auf der Intensivstation.

Gute Ergebnisse aus Afrika?

Dabei ist Ivermectin eigentlich ein gutes Mittel – für Tiere und Menschen. Im Jahr 2015 haben die Entwickler des Medikaments, der Japaner Satoshi Ōmura und der Amerikaner William C. Campbell, den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin verliehen bekommen.

Verabreicht wird Ivermectin unter anderem bei einem Befall mit Fadenwürmern und Krätzmilben. Auch bei Kopfläusen hilft es. Die Effekte beruhen auf der Bindung an Chloridkanäle, was zur Lähmung und zum Tod der Parasiten führt. In Afrika, aber auch in anderen Entwicklungsländern, wird das Medikament in der Humanmedizin gegen Flussblindheit und Elephantiasis eingesetzt. Von dort werden auch positive Effekte bei der Behandlung von Covid-19 vermeldet. Das dürfte laut Kerschbaum-Gruber aber darauf zurückzuführen sein, dass der menschliche Körper Covid-19 besser übersteht, wenn er nicht auch noch eine parasitäre Erkrankung bekämpfen muss. Und die sind in diesen Ländern verbreitet. (fee)

Donnerstag, 18.11.2021

Nein, nicht die Impfungen sind schuld an der aktuellen Corona-Welle

Die Corona-Situation ist auch diesen Winter nicht gut. Die Positivitätsrate, also der prozentuale Anteil an durchgeführten, positiv ausgefallenen Tests, liegt aktuell bei 12,9 Prozent (Stand: 18. November 2021). Dabei gilt: Je höher die Positivitätsrate, desto mehr Fälle werden übersehen – desto höher ist die Dunkelziffer. Die Zahl der tatsächlich Infizierten in der Schweiz dürfte also deutlich höher sein als die vom BAG veröffentlichte. Entsprechend düster sind die Aussichten, die die Covid-Science-Taskforce am 16. November veröffentlichte: «Simulationsstudien des ECDC sagen für europäische Länder mit einer Impfdeckung ähnlich der Schweiz voraus, dass die Maximal-Last der Hospitalisierungen bis Ende November 2021 die Maximal-Last des letzten Jahres übersteigen könnte.»

Manch einer interpretiert dies als Beweis dafür, dass die Impfungen nichts bringen. Andere teilen sogar die Behauptung, dass die Impfung die Krankheit schlimmer machen könnte. Etwa der Tiktoker Andreas Spitteler, der laut seinem Facebook-Account die «Baumschule – dritter Ast rechts» besucht hat. Doch die viral gehenden Theorien sind falsch. Nicht die Impfstoffe, sondern folgende Punkte führen dazu, dass die nunmehr fünfte Welle Fahrt aufnimmt:

  1. Im letzten Herbst und Winter kursierten in der Schweiz vor allem der Wildtyp des Virus und die Alpha-Mutante. Diese wurden mittlerweile vollständig von der Delta-Variante verdrängt. Das Problem: Die zuerst in Indien nachgewiesene Delta-Variante ist deutlich infektiöser als die beiden anderen. Sie ist besser darin, sich über Tröpfchen und Aerosole zu übertragen. Das heisst, sie breitet sich schneller aus und erweist sich als unempfindlicher gegen die verfügbaren Impfstoffe. Sprich: Auch wenn du alle Massnahmen befolgst, ist das Risiko, dich zu infizieren, grösser als noch vor einem Jahr.

  2. Nach 20 Monaten Corona sind viele Menschen pandemiemüde. Kontakte einschränken, Reisen vermeiden und Abstand halten? Das fällt alles zunehmend schwer. Zudem verlassen sich viele darauf, ja bereits doppelt geimpft zu sein. Das führt in vielen Bereichen dazu, dass wir uns wie vor Corona verhalten. Das ist menschlich, aber in einer Pandemie auch sehr gefährlich. Denn das Virus hat kein Verständnis für unsere Befindlichkeiten, sondern nutzt jede Gelegenheit, die sich ihm bietet, sich auszubreiten.

  3. Die verfügbaren Impfungen schützen, sind aber gegen die dominante Delta-Variante weniger wirksam als gegen das Ursprungsvirus oder die Alpha-Mutante. Der Impfschutz ist also nicht mehr ganz so hoch. Zudem nimmt der Schutz vor Ansteckung – nicht aber der Schutz vor einem schweren Verlauf – mit der Zeit ab. Beides führt zu einer höheren Zahl von Impfdurchbrüchen. Und einen Booster, der nach aktuellem Stand der Wissenschaft Teil der Grundimmunisierung ist, ist hierzulande – anders als in anderen Ländern – noch nicht für alle verfügbar. Israel etwa hat mit seiner Hilfe die vierte Welle erfolgreich gebrochen. Unter den schweren Verläufen finden sich praktisch nur noch Ungeimpfte.

  4. Die Impfquote der Schweiz ist mit 65,02 Prozent schlicht nicht hoch genug. Das zeigt der Vergleich mit Ländern wie zum Beispiel Spanien oder Portugal. Dort sind fast alle Menschen vollständig geimpft (Spanien: 79,2 Prozent, Portugal: 86,6 Prozent), die 7-Tage-Inzidenz ist relativ niedrig und es gibt so gut wie keine Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Auch die Lage auf den Intensivstationen ist vergleichsweise entspannt: Der Anteil von Covid-Patientinnen und -Patienten liegt unter fünf Prozent. In der Schweiz liegt er dagegen derzeit bei 16,3 Prozent. (fee)

Donnerstag, 04.11.2021

Nein, die Covid-19-Impfstoffe versagen nicht

Auch gegen Covid-19 geimpfte Personen können sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizieren. In der Regel bleiben sie asymptomatisch oder haben einen leichten Verlauf. Einige wenige erkranken aber so schwer, dass sie hospitalisiert oder sogar intensivpflichtig werden. Meldungen solcher sogenannter Impfdurchbrüche lassen Impfgegner und -skeptiker zu dem Schluss kommen, dass die Impfungen nichts bringen würden.

Die Annahme ist jedoch falsch. Richtig ist: Keine Impfung auf dieser Welt bietet ein Rundum-sorglos-Paket. Auch die Covid-19-Vakzine nicht: «Wir wussten von Anfang an, dass die Impfung nicht zu 100 Prozent wirksam ist: Selbst in den Zulassungsstudien hatten sich vollständig Geimpfte infiziert», erklärt Carsten Watzl, Immunologe am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der Technischen Universität Dortmund und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Eben weil der Impfstoff – grob vereinfacht – zu 80 bis 90 Prozent wirkt. Dass sich Menschen trotz doppelter Impfung infizieren, ist also keineswegs überraschend, sondern zu erwarten gewesen.

Warum kommt es bei steigender Impfquote zu immer mehr Impfdurchbrüchen?

Der Anteil Ungeimpfter an den Spital- und Intensivpatienten ist grösser als der der Geimpften. Doch auch ihr Anteil wird weiter steigen. Darauf weisen Expertinnen und Experten schon länger hin. Denn steigt der Anteil der Geimpften in der Bevölkerung an, werden zwar insgesamt weniger Menschen krank. Allerdings wird der Anteil der Geimpften an den Erkrankten nach und nach immer höher. Weil es eben immer weniger Nicht-Geimpfte gibt. «Wenn alle Personen einer Population geimpft sind – die Impfquote also bei 100 Prozent liegt – beträgt der Anteil der Impfdurchbrüche an den Erkrankten 100 Prozent», erklärt das deutsche Robert-Koch-Institut.

Unnütz ist die Impfung deswegen jedoch nicht. Auch dass der Schutz vor der Ansteckung mit der Zeit abnimmt, ist keine Katastrophe. Denn der Schutz vor einem schweren Verlauf bleibt hoch. Laut dem Robert-Koch-Institut verhindert die Impfung Infektionen mit einem tödlichen Verlauf bei Menschen unter 60 Jahren zu 99 Prozent. Bei den Älteren immer noch zu 90 Prozent.

«Wenn zwei Dosen nicht wirken, warum sollte dann die dritte etwas bringen?»

Auch die Tatsache, dass über eine dritte Dosis diskutiert wird, bedeutet nicht, dass die Covid-19-Impfstoffe unter den Erwartungen liegen oder, dass Gegner der Covid-19-Impfungen mit ihrer Aussage «Wenn zwei Dosen nicht wirken, warum sollte dann die dritte etwas bringen?» recht haben. Denn jede weitere Impfung schützt stärker als die vorangegangene, weil sich die Impfdosen gewissermassen kumulieren, wie Daniel Speiser, Immunologe am Universitätsspital Lausanne, zu 20 Minuten sagte.

Zudem sind weitere Dosen nichts Unbekanntes. Denn auch bei anderen Krankheiten braucht es für eine Grundimmunisierung mehrere Teilimpfungen. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt die routinemässige Auffrischung der Impfung etwa gegen Diphtherie, Keuchhusten und Wundstarrkrampf (Tetanus). Diese Teilimpfungen werden abhängig von der Impfung und dem Impfstoff in Zeiträumen von mehreren Wochen bis zu mehreren Monaten gegeben.

Auch der Impfschutz gegen die Grippe sollte jährlich erneuert werden. Dabei handelt es sich jedoch genau genommen nicht um eine Auffrischungsimpfung, sondern um eine Grundimmunisierung. Dies, da sich die Viren fast jedes Jahr verändern und somit immer wieder ein neuer Impfstoff benötigt wird. (fee)

Donnerstag, 21.10.2021

Sars-CoV-2 schlägt auf die Potenz – die Impfung nicht

Rapperin Nicki Minaj teilte kürzlich auf Twitter, dass ein Freund ihres Cousins nach der Impfung impotent geworden sei. Seine Verlobte habe daraufhin die Hochzeit abgeblasen. Zwar beeilten sich Medizinerinnen und Mediziner aus aller Welt, die Meldung als Quatsch abzutun. Aber das Gerücht, die Covid-19-Impfungen würden Erektionsstörungen verursachen, war geboren – und hält sich seitdem. Stimmen tut es aber nicht.

So wurden allein in Europa bislang mehr als eine halbe Milliarde Impfdosen verabreicht. Auffällige Meldungen von Erektionsstörungen, Testosteronmangel oder Unfruchtbarkeit sind weder der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA noch dem Schweizerischen Heilmittelinstitut bekannt. «Störungen der männlichen Potenz sind keine bekannten Nebenwirkungen der Covid-19 Impfstoffe», teilt Swissmedic auf Anfrage von 20 Minuten mit. «Derzeit liegen weder aus Studien noch aus Spontanmeldungen Daten vor, die einen Zusammenhang nahelegen.»

Verschiedene Arten von Problemen

Ganz anders sieht das punkto der Auswirkungen einer Covid-19-Infektion aus. Bereits mehrere Studien zeigen, dass das Coronavirus sexuelle Lust und Gesundheit von Männern beeinträchtigen kann. Neben Erektionsstörungen sind Hodenschmerzen, -schwellungen und -schädigungen dokumentiert. Ebenso die Unfähigkeit, einen Orgasmus zu erreichen, niedriger Testosteronspiegel und psychische Probleme.

Laut einer im Fachjournal «The World Journal of Men’s Health» veröffentlichten Studie, lassen sich bei einigen genesenen Männern auch nach sechs bis acht Monaten nach der eigentlichen Erkrankung noch Sars-CoV-2-Partikel in Penis und Hoden nachweisen. Auch fanden sie Hinweise auf eine «endotheliale Dysfunktion» – Erektionsprobleme, die auf die Schädigung der Endothelien zurückzuführen sind. Die Endothelzellen kleiden wie eine Tapete sämtliche Blutgefässe und Schwellkörper in unserem Körper aus, wo sie die Durchblutung regeln. Das ist auch für die Erektionsfähigkeit beim Mann wichtig.

Nachfrage nach Potenzmitteln angestiegen

Dass das Coronavirus Sars-CoV-2 Auswirkungen auf die sexuelle Gesundheit haben kann, bestätigt auch Daniel Eberli, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsspital Zürich gegenüber 20 Minuten: Seit Beginn der Pandemie «gibt es eindeutig mehr erektile Funktionsstörungen.» Das zeige auch eine kürzlich im «Journal of General Internal Medicine» veröffentlichte Studie, laut der in den USA die Verkaufszahlen von Potenzmitteln wie Viagra oder Cialis im Jahr 2020 sprunghaft angestiegen sind. «Das ist natürlich ein indirektes Zeichen, das man ernst nehmen muss», so Eberli.

Der Urologe glaubt derzeit nicht, dass das Long Covid im Genitalbereich von dauerhafter Natur ist: «Grundsätzlich bleiben wir momentan noch positiv, aber sicher kann man das natürlich noch nicht sagen.» (fee)

Montag, 18.10.2021

Hat Norwegen Covid-19 als genauso gefährlich wie die Grippe eingestuft?

Den September 2021 werden wohl viele Skandinavier und Skandinavierinnen in guter Erinnerung behalten: Gleich mehrere Länder gingen einen Schritt in Richtung mehr Normalität. Dänemark hat sämtliche Corona-Massnahmen für beendet erklärt, dessen nördliche Nachbarn haben sich von einem grossen Teil der Beschränkungen verabschiedet. So gibt es in Schweden nur noch «besondere Hinweise» für Teil- und Ungeimpfte. Und Norwegen verzichtet etwa auf die Ein-Meter-Abstandsregel und Teilnehmerbeschränkungen bei Veranstaltungen und privaten Treffen. In beiden Ländern gilt: Wer sich krank fühlt, soll zuhause bleiben. Wer Covid-positiv ist, muss zuhause bleiben.

Im Zuge der Lockerungen sind Meldungen in den sozialen Medien aufgetaucht, wonach Norwegen diesen Schritt gewagt hat, weil man dort dazu übergegangen sei, Covid-19 als genauso gefährlich wie die Grippe einzustufen. Doch das ist falsch, wie Correctiv.org schreibt. Mitarbeitende der Recherche-Plattform hatten zuvor direkt beim norwegischen Gesundheitsinstitut Folkehelseinstituttet (FHI) nachgefragt. Doch wie kommt die Behauptung dann zustande?

Aussage falsch interpretiert

Die Aussage beruhe wahrscheinlich auf einer falschen Interpretation eines Interviews, das der stellvertretende Direktor des FHI, Geir Bukholm, am 20. September der norwegischen Zeitung VG gab, zitiert Correctiv.org aus dem Antwortmail des FHI. Verantwortlich für die Missinterpretation dürfte vor allem die Überschrift «FHI: Vi kan nå sammenligne coronaviruset med influensa» – übersetzt: «FHI: Wir können das Coronavirus jetzt mit der Grippe vergleichen» – sein. Denn diesen Vergleich hat Bukholm im Interview nicht gezogen.

Vielmehr sagte er laut der Zeitung VG: «Wir befinden uns jetzt in einer neuen Phase, in der wir das Coronavirus als eine von mehreren Atemwegserkrankungen mit saisonalen Schwankungen betrachten müssen.» Dies liege daran, dass die überwiegende Mehrheit der gefährdeten Personen geschützt ist. «Und obwohl die Infektion immer noch im Umlauf ist, bleibt die Zahl der Hospitalisierungen niedrig. Somit wird das Coronavirus nicht zu einer starken Belastung des Gesundheitswesens führen.» Bei den Geimpften, die sich infizieren und Symptome entwickeln können, habe die überwiegende Mehrheit leichte, erkältungsähnliche Symptome. «Damit reiht sich das Coronavirus in die Reihe anderer Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und saisonale Grippe ein.»

Impfquote erlaubt Öffnungsschritte

Entsprechend hat Norwegen nicht wie von einigen Personen im Internet die Gefährlichkeit des Coronavirus Sars-CoV-2 und Covid-19 herabgestuft, sondern kann aufgrund der hohen Impfquote im Land etwas entspannter damit umgehen. Laut Ourworldindata.org sind in dem skandinavischen Land mehr als 76 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft, 68,9 Prozent sind vollständig geimpft (Stand 16. Oktober 2021). Zum Vergleich: In der Schweiz haben bisher 65,69 Prozent der Gesamtbevölkerung zumindest eine Impfdosis erhalten, 61,3 Prozent der Gesamtbevölkerung sind laut BAG vollständig immunisiert. (fee)

Freitag, 08.10.2021

Geimpfte weisen eine 251-mal höhere Viruslast auf als Ungeimpfte? Falsch!

«Eine bahnbrechende Vorabveröffentlichung», «alarmierende Ergebnisse», «verheerend für die Covid-19-Impfstoffe» – mit solchen Worten wird seit einiger Zeit eine Arbeit von Forschenden der britischen Oxford University geteilt. Sie zeige, so heisst es in den dem Link zur Seite gestellten Posts und Artikeln, dass geimpfte Personen eine 251-mal höhere Sars-CoV-2-Belastung in der Nase haben als ungeimpfte Personen. Die Autorinnen und Autoren sollen unter streng kontrollierten Bedingungen in einem Spital das Versagen des Impfstoffs nachgewiesen haben. Die Vorabveröffentlichung ist echt, zeigt aber weder das eine noch das andere.

Die Daten, auf denen die Arbeit basiert, stammen aus einer Untersuchung von Forschenden der Oxford University Clinical Research Unit, die in einem Spital für Tropenkrankheiten in Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam durchgeführt wurde. Im Fokus standen dabei die Durchbruchsinfektionen bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Spitals, die alle den Impfstoff von AstraZeneca erhalten hatten. Im Untersuchungszeitraum (11. bis 25. Juni 2021) wurden 69 Beschäftige positiv auf die Delta-Variante von Sars-CoV-2 getestet. Von diesen nahmen 62 Personen an der klinischen Studie teil. «49 waren (prä)symptomatisch, einer benötigte eine Sauerstoffergänzung. Alle erholten sich ohne Komplikationen», heisst es im Abstract der Arbeit.

Delta ist deutlich infektiöser als das Ursprungsvirus.

Bei weiteren Untersuchungen der nachgewiesenen Virusproben zeigte sich, dass die «Viruslast der Fälle mit Impfdurchbrüchen der Delta-Variante 251-mal höher war als die der Fälle, die mit den alten Stämmen infiziert waren und zwischen März und April 2020 nachgewiesen wurden.» Zu einer Zeit also, in der noch keine Covid-19-Impfstoffe verfügbar waren. Die Fälle aus dem Vorjahr hatte das Forschungsteam zum Vergleich herangezogen. Damit zeigt die auf dem Preprint-Server des Fachjournals «The Lancet» und nicht im Journal selbst veröffentlichte Arbeit nur, was bereits bekannt ist: Delta ist deutlich infektiöser als das Ursprungsvirus.

Das Forschungsteam hat zwar tatsächlich die Daten von Geimpften und Ungeimpften miteinander verglichen, allerdings lässt dieser Vergleich keine Aussagen über unterschiedliche Viruslasten bei den beiden Gruppen zu, wie Jean-Daniel Lelièvre, Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten am Spital Henri-Mondor im französischen Créteil der Nachrichtenagentur AFP sagte: «Die Viruslast von Geimpften und Ungeimpften zu vergleichen, ohne sich auf die gleichen Stämme zu beziehen, ist wie ein Vergleich von Kartoffeln und Birnen.» Daraus zu schlussfolgern, dass Geimpfte eine 251-fach höhere Viruslast hätten, sei eine «Fehlinterpretation der wissenschaftlichen Daten.» Um einen derartigen Vergleich ziehen zu können, hätten die Forschenden Proben von geimpften und ungeimpften Patienten verwenden müssen, die sich im selben Zeitraum mit demselben Virusstamm infiziert haben.

Verantwortliche beziehen Stellung

Auch die Autorinnen und Autoren distanzieren sich von den falschen Behauptungen: «Die Unterschiede in der Viruslast waren auf die Fähigkeit der Delta-Variante zurückzuführen, höhere Viruslasten zu verursachen; sie hatten nichts mit dem Impfstatus der infizierten Person zu tun. Die Behauptung, dass geimpfte Personen im Vergleich zu ungeimpften Personen die 251-fache Menge an SARS-CoV-2 in ihren Atemwegen tragen, ist daher eine falsche Darstellung der Daten», heisst es in ihrem Statement. Und weiter: «Es gibt mehr als genug Beweise dafür, dass die Impfstoffe schwere Verläufe und Todesfälle verhindern können. Unsere Studie liefert keinen Beweis für das Gegenteil.»

Fakt ist: Geimpfte könne im Infektionsfall eine ähnlich hohe Viruslast in sich tragen wie Ungeimpfte. Aber sie bekämpfen das Virus schneller und sind dadurch weniger lange ansteckend. (fee)

Dienstag, 05.10.2021

Myokarditis-Studie verbreitet sich wie ein Lauffeuer – ist aber falsch

Eine Vorabstudie von kanadischen Forschenden hat in den sozialen Medien für ordentlich Aufregung gesorgt. Sie besagt nämlich, dass Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) nach den mRNA-Impfungen gegen Covid-19 in einem Verhältnis von 1:1000 auftreten. Der sogenannte Preprint wurde innert kurzer Zeit rund 16’000 Mal getweetet. Damit zählt die Arbeit zu den meistgeteilten auf Twitter. Doch es gibt ein Problem: Die Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren ist falsch. Darum haben sie die Vorabstudie auch wieder zurückgezogen und sich öffentlich entschuldigt.

Doch was genau ist passiert? Das Team aus Kanada hat mit den falschen Zahlen gerechnet: Statt in der Studie von 800’000 Geimpften auszugehen, die es im Untersuchungszeitraum vom 1. Juni bis 31. Juli tatsächlich gegeben hat, haben sie für ihre Berechnungen nur knapp 33’000 Geimpfte herangezogen. Entsprechend treten die Herzmuskelentzündungen nach der Covid-19-Impfung nicht im Verhältnis von 1:1000, sondern im Verhältnis 1:25’000 auf. Damit deckt sich das Ergebnis mit dem anderer Studien und den Erfahrungen in der Schweiz.

Das heisst: Tatsächlich kann es nach den Covid-19-Impfungen von Moderna und Biontech/Pfizer zu Herzmuskelentzündungen kommen. Allerdings nur in sehr seltenen Fällen. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit um ein Mehrfaches höher, wegen Covid-19 eine Myokarditis zu erleiden. Ausserdem besteht auch ohne Infektion oder Impfung die Gefahr, eine Myokarditis zu entwickeln – etwa, wenn man nach einer Erkältung zu früh beginnt, Sport zu treiben. (fee)

Nein, die Covid-19-Impfung lässt dich nicht magnetisch werden

Die Meldungen, dass die Covid-19-Impfungen Mikrochips enthalten, die so stark sind, dass der Impfarm magnetisch wird und sogar Kühlschrank-Magnete daran haften, halten sich hartnäckig. Richtig sind sie dennoch nicht.

In den in der Schweiz und der EU zugelassenen Impfstoffen befinden sich weder Mikrochips noch andere Metalle, die magnetisch sind. Entsprechend haben die Vakzine keinen Einfluss auf Magnete. Hinzu kommt, dass die Nadeln, mit welchen die Impfstoffe in den Arm gespritzt werden, sehr dünn sind. Das bedeutet: Selbst wenn damit ein metallisches Teilchen injiziert würde, wäre dessen Oberfläche zu klein, um einen Magneten daran haften zu lassen. Es ist also ausgeschlossen, dass an den Gerüchten etwas dran ist.

Dass die Magnete in den angeblichen Beweisvideos trotzdem ohne Zutun an der Haut haften, liegt vielmehr an der sogenannten Adhäsion. Diese Kraft sorgt dafür, dass zwischen Teilchen verschiedener Körper anziehende Kräfte wirken. Auch Schweiss, Feuchtigkeit oder Fette können dazu beitragen, dass Dinge an der Haut haften, wie Kriminalbiologe Mark Benecke schon im Jahr 2016 – und damit vor Auftauchen des Coronavirus Sars-CoV-2 – gegenüber 20 Minuten erklärte. (fee)

Für den angeblich magnetischen Arm gibt es andere Erklärungen als den Covid-19-Impfstoff.

20M/Tiktok/Instagram

Scheiden Geimpfte Spike-Proteine aus, die Ungeimpften schaden?

Geimpfte stellen eine Gefahr für die Ungeimpften dar – diese Warnung taucht in den sozialen Medien immer wieder auf. Die, die es teilen, fürchten sich vor dem sogenannten Impfstoff-Shedding: Also davor, dass bereits gegen Covid-19 Geimpfte das Spike-Protein des Coronavirus ausstossen und über Hautkontakt oder über die Luft an Ungeimpfte weitergeben. Dadurch würde es bei diesen – je nach Quelle – zu Hautausschlägen, unregelmässigen Menstruationen, Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten kommen. Allein auf Telegram gibt es mehrere Gruppen und Kanäle, die Berichte von den vermeintlichen Opfern des «Impfstoff-Sheddings» sammeln und Tipps dazu geben, wie man sich vor Geimpften schützen kann. Die Sorge geht so weit, dass sogar Maskengegnerinnen und -gegner darüber nachdenken, eine Maske zu tragen – nicht aus Angst vor Sars-CoV-2, sondern vor den Geimpften.

Dabei gibt es keinen Grund, sich vor den Geimpften zu fürchten. «Dieses Gerücht, wie so viele andere Gerüchte zu den COVID-19-Impfstoffen, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage», urteilt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das in Deutschland für die Erfassung und Bewertung möglicher Nebenwirkungen der Corona-Impfungen zuständig ist. Eine Ausbreitung des Virus über Geimpfte würde mindestens ein vollständiges Virus erfordern, dass sich ausbreiten könne. «In den aktuell zugelassenen COVID-19-Impfstoffen ist aber kein Sars-CoV-2 enthalten, nicht einmal das fertige Spike-Protein, sondern nur der Bauplan für das Spike-Protein», zitiert BR.de. Der Impfstoff rege laut dem US-Mediziner Zubin Damania die Zellen dazu an, das Spike-Protein zu produzieren. Dieses würde aber in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden abgebaut, so dass es kaum eine Möglichkeit zum «Abwerfen des Proteins» gebe – «selbst dann nicht, wenn es tatsächlich auftreten würde.» Das sei aber nicht der Fall. (fee)

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