Engelberg: Mysteriöse Entführung eines Ukrainers lässt Einheimische rätseln  

Publiziert

EngelbergMysteriöse Entführung eines Ukrainers lässt Einheimische rätseln  

Die Mitteilung der Obwaldner Staatsanwaltschaft über die Entführung eines Ukrainers in Engelberg sorgt für viele Fragezeichen. Auch am Freitag gibt es nichts Neues. Ein Ex-Kriminalkommissar schätzt die Situation ein.   

1 / 4
Auch am Freitag will sich in Engelberg kaum jemand über die Entführung des Mannes aus der Ukraine äussern.  

Auch am Freitag will sich in Engelberg kaum jemand über die Entführung des Mannes aus der Ukraine äussern.  

20min/gwa 
Die Bewohner und Bewohnerinnen stellen sich gewisse Fragen über die Entführung. 

Die Bewohner und Bewohnerinnen stellen sich gewisse Fragen über die Entführung. 

20min/Fiona Gaudenzi 
Aus ermittlungstaktischen Gründen kann die Staatsanwaltschaft Obwalden am Freitag auf Anfrage nichts Neues mitteilen. 

Aus ermittlungstaktischen Gründen kann die Staatsanwaltschaft Obwalden am Freitag auf Anfrage nichts Neues mitteilen. 

20min/Fiona Gaudenzi 

Darum gehts

  • Im Zusammenhang mit der Entführung eines ukrainischen Staatsangehörigen in Engelberg stellen sich viele Fragen. 

  • Auch die Bewohner und Bewohnerinnen im Klosterdorf sind verunsichert und wollen keine Fragen beantworten. 

  • Ein ehemaliger Kriminalkommissar sagt, dass die Tat einen kriminellen Hintergrund haben könnte. 

  • Bei den Tätern könnte es sich laut dem Ex-Kriminalkommissar um unbekannte, professionelle Täter aus dem Ausland handeln. 

Bekannt ist, dass ein Ukrainer, der seit mehreren Jahren in der Schweiz lebt, am 24. Februar, kurz nach Mitternacht, von Unbekannten aus der Tiefgarage seines Wohnorts entführt wurde. Dies teilte die Kantonspolizei Obwalden am Donnerstag mit. Auf die Frage, ob bereits Hinweise auf die unbekannten Täter eingegangen sind, teilt die Staatsanwaltschaft am Freitag mit: «Die Suche nach der möglichen Täterschaft läuft, es können deshalb noch keine Angaben zur Täterschaft gemacht werden. Über Hinweise zum Aufenthaltsort der Täterschaft geben wir aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskünfte.»  

Nach wie vor herrscht auch Unklarheit über das Motiv für die Entführung des Mannes. «Nach den bisherigen und derzeitigen Erkenntnissen bestehen keinerlei Hinweise auf ein politisches Motiv. Es ist keinerlei Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt auszumachen», schreibt die Staatsanwaltschaft weiter. Offen lässt sie etwa auch, in welchem Kanton der Mann aufgefunden wurde und in welcher Verfassung er sich befand.

Experte ordnet ein

Äusserst wortkarg sind auch die Bewohner von Engelberg, wie ein Besuch im Klosterdorf zeigt: Die Leute wollen oder können keine Fragen beantworten oder finden die «Heimlichtuerei der Polizei komisch». Ein Mann äusserte sich, dass mehr Patrouillen der Polizei unterwegs sind. Ein weiterer Engelberger erzählt, dass ein Haus im Dorf von der Polizei genaustens durchsucht worden ist, will aber nicht verraten, wo. 

«Ich schliesse auf einen kriminellen Hintergrund, in den der Mann verwickelt sein könnte.» 

Markus Melzl, ehemaliger Kriminalkommissar und Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt.

Markus Melzl, der ehemaliger Kriminalkommissar und Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt, ordnet die Meldung ein: «Ich schliesse auf einen kriminellen Hintergrund, in den der Mann verwickelt sein könnte.» Melzl vermutet, «dass dem Mann in der Tiefgarage aufgelauert und er danach gegen seinen Willen ins Auto gezerrt und entführt wurde.» Weil danach aus dem familiären Umfeld eine Vermisstmeldung bei der Polizei einging, geht Melzl davon aus, dass die Tat von Angehörigen nicht beobachtet worden war, sonst hätten sie bei der Polizei eine Meldung über eine Entführung des Mannes gemacht.

Auch, dass der Mann seit seinem Auffinden nun an einen «sicheren Ort» gebracht wurde, ist eher ungewöhnlich. «Ich gehe von einem erheblichen Risiko aus, dass ihm an seinem Wohnort etwas passieren könnte, oder dass nach seinem Leben getrachtet wird», sagt Melzl weiter. Ausserdem könnte es sich um eine unbekannte, professionelle Täterschaft aus dem Ausland handeln. Dies liege im Bereich des Möglichen, weil die Staatsanwaltschaft Obwalden bei den Ermittlungen «im Austausch mit anderen Polizeikorps und auch internationalen Behörden steht.»    

   

  

     

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung