Aktualisiert 21.06.2011 17:22

SparenMysteriöse Fonds, knausrige Sparkonti

Schweizer haben von Finanzfragen keine Ahnung – und investieren trotzdem. Das ist nicht ganz ungefährlich. Die wichtigsten Tipps.

von
Gérard Moinat
Schweizer sollten sich das Investieren ihrer Fünfer und Fünfziger besser durch den Kopf gehen lassen.

Schweizer sollten sich das Investieren ihrer Fünfer und Fünfziger besser durch den Kopf gehen lassen.

Nicht einmal jeder dritte Schweizer weiss bei Finanzfragen gut oder sehr gut Bescheid. Das zeigt eine Umfrage von AXA Investment Managers Schweiz.

Nach der Befragung von rund tausend Schweizern kommen die Studienautoren zum Schluss, dass sich deren Wissensniveau bezüglich Investmentfonds auf «eher niedrigem Niveau» befindet. 20 Minuten Online nimmt sich deshalb den häufigsten Fragen an.

Fonds scheinen mir zu kompliziert. Soll ich stattdessen Kassenoblis kaufen?

«Zwar erscheinen Kassenobligationen oder Sparkonti auf den ersten Blick als einfache und sehr sichere Anlageformen», sagt Rolf Biland, Leiter Anlagestrategie beim Vermögenszentrum VZ. Bei Kassenobligationen droht jedoch das Risiko, dass sie sich nach einiger Zeit und einem höheren Zinsniveau als unattraktiv herausstellen. «Sobald der Coupon der Kassenobligation von den Kapitalmarktzinsen überholt wird, hat man ein Problem», warnt Biland. Denn mit einem Zinsanstieg zieht auch die Inflation an – das Ersparte wird rascher entwertet als Zinsen aufs Konto fliessen.

Investieren 2.0

Mit dem Sparkonto habe ich einen solchen Ärger nicht…

Stimmt. Aber die Ertragsmöglichkeiten sind begrenzt. Der höchste Zinssatz auf Sparkonti in der Schweiz beträgt derzeit minimale 1,30 Prozent.

Sind Einzelaktien nicht überschaubarer als ein komplexer Fonds?

«Einzelanlagen erfordern ein massiv höheres Finanz-Know-How als Fonds und sind erst noch risikoreicher», warnt der VZ-Experte. Denn eine Risikoverteilung oder Diversifikation ist viel schwieriger und teurer – und deshalb «kaum eine Variante für Ungeübte». Trotzdem geben in der AXA-Studie (vgl. Box) lediglich 16 Prozent der Schweizer an, Fonds zu besitzen. 2007 waren es noch 20 Prozent.

Warum soll ich in einen Fonds investieren?

Gerade in Zeiten tiefer Zinsen ist es deutlich ertragsreicher, das Geld breit gestreut in Anlageklassen wie Obligationen, Aktien, Immobilien oder ausländische Währungen zu investieren. Das geht am leichtesten über Fonds.

Warum nicht das Geld in ein strukturiertes Produkt investieren?

«Strukturierte Produkte sind meist teuer, schlecht diversifiziert und der Käufer trägt erst noch das Emittentenrisiko», sagt Damian Gliott von Vermögenspartner in Winterthur. Das heisst: Zum Kursrisiko kommt noch das Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Herausgebers hinzu.

Es gibt so viele Fonds. Wie finde ich den richtigen für mich?

Bei der Auswahl des passenden Fonds müssen verschiedene Punkte beachtet werden. Wichtig ist gemäss Biland, nicht wie in einem Supermarkt blindlings einzelne Produkte aus dem Regal zu nehmen oder bestimmten Trends nachzujagen. Sondern: «Anlagen müssen gesamthaft mit den Zielen eines Anlegers zusammenpassen.»

Und wie finde ich heraus, ob ein Fonds meine Ziele trifft?

Sie müssen Fragen, wie «Was macht der Fonds? Worin investiert er? Stimmt das für mich? Habe ich ein gutes Gefühl dabei?» beantworten können. Daneben rät Biland, Zeit zu investieren, um die Kosten und Qualität eines Fonds genau unter die Lupe zu nehmen.

Was sind die grössten Anlagefehler?

Viele Anleger kennen nicht einmal den Namen geschweige denn den Inhalt ihrer Finanzprodukte, erzählt Biland. «Ich erlebe immer wieder, wie viele bei wichtigen Anlageentscheiden leichtfertig vorgehen. Bei einem Autokauf hingegen monatelang akribische Vorbereitung betreiben.»

Wie kann ich mich denn besser informieren?

Heute kann man sich die Möglichkeiten des Internets zu Nutze machen und Produkte vergleichen. Früher habe man Fonds einfach bei der Hausbank gekauft. Heute sei das Bewusstsein, dass es Fonds auch andernorts zu kaufen gibt, viel grösser, sagt der VZ-Experte. Das sei insofern gut, als dass die Selektion des Hausbank-Produkts oft sehr zufällig erfolge und deshalb «grundverkehrt» sein könne. Beruhigend ist hierbei zumindest die Erkenntnis der AXA-Studie, dass der Falschaussage «Fonds kann man nur bei der Hausbank kaufen» nur noch jeder Zehnte aufsitzt.

Kassenobligationen

Obligationen, die laufend von Banken ausgegeben werden. Die Laufzeit beträgt meist zwei bis acht Jahre, höchstens aber zehn Jahre. Jedes Jahr fällt ein festgesetzter Zins — oder eben Coupon — an. Den Coupon konnte ein Inhaber früher vom Wertpapier abschneiden und so den Zins einfordern.

Strukturierte Produkte

Kombination von zwei oder mehreren Finanzinstrumenten, die zusammengefasst ein neues Anlageprodukt bilden. Mindestens eines der beiden Instrumente muss dabei ein Derivat sein; also ein synthetisches Finanzprodukt, das mit einem oder mehreren zugrunde liegenden Basiswert (wie Aktien, Anleihen, Indizes etc.) verbunden ist.

Sparkonti

Spareinlage in der Form eines Bankkontos. Dem Sparzweck entsprechend, ist beim Sparkonto im Vergleich zum Privatkonto die Verfügbarkeit limitiert. Dafür wird das Sparkonto höher verzinst. Zahlungen zu tätigen ist damit jedoch nicht möglich.

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