«Havanna-Syndrom» – Mysteriöse Krankheit in US-Botschaften – nun auch Genf betroffen
Aktualisiert

«Havanna-Syndrom»Mysteriöse Krankheit in US-Botschaften – nun auch Genf betroffen

Tinnitus, Kopfschmerzen, Schwindel: Seit Jahren rätselt der US-Sicherheitsapparat, was hinter mysteriösen Krankheiten in US-Botschaften steckt. Bislang waren vor allem die Aussenposten in den USA feindlich gesinnten Staaten betroffen – neu gehört auch das Konsulat in Genf dazu.

von
Patrick McEvily
1 / 5
Die Ansammlung mysteriöser Beschwerden hat ihren Namen nach dem erstmaligen Auftreten eines Falls in der US-Botschaft in der kubanischen Hauptstadt Havanna im Jahr 2016 erhalten.

Die Ansammlung mysteriöser Beschwerden hat ihren Namen nach dem erstmaligen Auftreten eines Falls in der US-Botschaft in der kubanischen Hauptstadt Havanna im Jahr 2016 erhalten.

REUTERS
In der US-Vertretung in Genf ist es gemäss Insiderberichten im vergangenen Jahr zu Fällen des sogenannten «Havanna-Syndroms» gekommen.

In der US-Vertretung in Genf ist es gemäss Insiderberichten im vergangenen Jahr zu Fällen des sogenannten «Havanna-Syndroms» gekommen.

REUTERS
Betroffen sei auch die Botschaft in Paris.

Betroffen sei auch die Botschaft in Paris.

REUTERS

Darum gehts

  • Die mysteriösen Angriffe auf US-Botschaften und Konsulate gehen weiter.

  • Nun stellt sich heraus, dass auch das Konsulat in Genf betroffen ist.

  • Die Behörden haben nach wie vor keine Ahnung was hinter den Beschwerden steckt.

Seit Jahren rätselt der US-Sicherheitsapparat, was es mit Fällen des sogenannten «Havanna-Syndroms» auf sich hat. Mittlerweile sind Hunderte von Fällen notiert, in denen Mitarbeitende von Botschaften und Konsulaten rund um die Welt plötzlich von sogenannten neuronalen Beschwerden betroffen waren. Dazu gehören Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Tinnitus oder plötzlich einsetzende Höhenangst. Auch Berichte über Kopfverletzungen gibt es. Erstmals nachgewiesen wurden die Fälle in der US-Botschaft in Kuba, daher der Name. Nun haben Regierungsinsider gegenüber dem «Wall Street Journal» angegeben, dass auch die US-Vertretung in Genf betroffen sei. Auch in der Botschaft in Paris sei es zu Fällen gekommen.

USA tappen weiterhin im Dunkeln was Ursprünge des Syndroms angeht

Aufgetreten sind die Fälle letzten Sommer. In Genf seien drei Personen betroffen. In einem Fall waren die Beschwerden so schlimm, dass die Person für eine Behandlung in die USA ausgeflogen worden sei.

2016 berichteten Angestellte der US-Botschaft auf Kuba erstmals über die Beschwerden. Die Betroffenen vermuteten eine Beschallung durch kubanische Sicherheitskräfte oder gar der Geheimdienste Russlands oder Chinas. Im März 2018 wurde bekannt, dass ein Angestellter des US-Konsulats im chinesischen Guangzhou über ähnliche Beschwerden berichtete.

In der Zwischenzeit sind Fälle in Österreich, Serbien und Grossbritannien hinzugekommen. 200 Personen sollen insgesamt betroffen sein. Bislang haben sämtliche Untersuchungen zu keinem Ergebnis geführt. Regierungsvertreter und Regierungsvertreterinnen sprechen offiziell von «abnormalen Gesundheitsvorfällen». 2019 behaupteten zwei Forscher, dass keine unnatürlichen Vorkommnisse hinter den Beschwerden steckten. Die Angelegenheit hat sich in den USA mittlerweile zur Polit-Affäre ausgeweitet. Betroffene und deren Angehörige werfen der US-Regierung seit Längerem eine lasche Handhabung der mutmasslichen Angriffe vor. Im vergangenen Jahr wurde der Leiter der CIA-Station in Wien, in der es ebenfalls zu Vorfällen gekommen war, wegen seiner Untätigkeit im Fall gefeuert. Präsident Joe Biden hat Anfang Oktober ein Gesetz unterzeichnet, das den Betroffenen helfen soll. Ausserdem ist eine Taskforce am Werk.

Was ist das Havanna-Syndrom?

Havanna-Syndrom ist ein Sammelbegriff für Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Tinnitus, Übelkeit, Sehstörungen oder plötzlich einsetzende Höhenangst, deren Ursache unklar ist. Das Syndrom tauchte erstmals im Herbst 2016 bei Diplomaten und Angehörigen der US-Botschaft in Havanna auf. Später trat es auch in China, Russland, Österreich und im Weissen Haus in Washington, D.C. auf.

Im Jahr 2019 schrieben Forscherinnen und Forscher, dass die Beschwerden möglicherweise auf Pestizide zurückgehen. Geheimdienste vermuten, es könne sich um Attacken mit starken Mikrowellen handeln. Die genaue Ursache ist aber bis heute unklar.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

107 Kommentare